Place du Capitole: Das historische Herz von Toulouse
Stell dich mitten auf die weite Fläche der Place du Capitole und lass die prächtige klassizistische Fassade des Rathauses auf dich wirken, die sich über den gesamten Platz erstreckt. Diese 12.000 Quadratmeter große Fußgängerzone bildet das geografische und gesellschaftliche Herz von Toulouse. Sie verkörpert das okzitanische Erbe der Region und die typischen rosafarbenen Ziegelbauten, die der Stadt ihren unverwechselbaren Ton geben.
Das Erbe städtischer Macht
Die Geschichte des Platzes als bürgerliches Machtzentrum begann 1190, als die Capitouls, die gewählten Ratsherren der Stadt, das Grundstück für ihr Verwaltungshaus erwarben. Im 18. Jahrhundert beschloss man schließlich, das dicht bebaute mittelalterliche Viertel abzureißen, um Raum für einen monumentalen königlichen Platz zu schaffen. Der Architekt Guillaume Cammas entwarf zwischen 1750 und 1760 die 135 Meter lange klassizistische Fassade des Capitole, kunstvoll komponiert aus abwechselnd gesetzten lokalen Ziegeln und hellem Kalkstein.
Während der Französischen Revolution wurde das Areal kurzzeitig in Place de la Liberté umbenannt und zum Standort der städtischen Guillotine. Zwischen 1809 und 1852 entwarf der Stadtarchitekt Jacques-Pascal Virebent die einheitlichen klassizistischen Fassaden an der Nord-, West- und Südseite, um dem Platz einen symmetrischen Rahmen zu geben.
Künstlerische und architektonische Höhepunkte
Der zentrale Portikus des Capitole wird von exakt acht rosa Marmorsäulen getragen. Sie stehen ganz bewusst für die acht historischen Verwaltungsbezirke, die Capitoulats, und ihre amtierenden Ratsherren.
Mitten in das Pflaster der Esplanade ist ein 18 Meter breites, 20 Tonnen schweres Okzitanisches Kreuz aus Bronze eingelassen, das der Künstler Raymond Moretti 1995 schuf. Die zwölf abgerundeten Spitzen des Kreuzes tragen detailreiche Reliefs der zwölf Tierkreiszeichen. Für die Decken der westlichen Arkaden gestaltete Moretti außerdem 29 große Siebdrucktafeln mit Schlüsselfiguren und Ereignissen aus der Stadtgeschichte. Unter diesen Bogengängen wechselt die weitläufige Akustik des offenen Steinpflasters schlagartig in ein dichtes Stimmengewirr, untermalt vom Klirren des Geschirrs auf den Terrassen der Brasserien.
Verborgene Kuriositäten und modernes Leben
Das Capitole dient bis heute als echtes Rathaus der Stadt und beherbergt zudem das Théâtre du Capitole. Seine historischen Prunkräume wie die Salle des Illustres stehen Besuchern kostenlos offen, sofern sie nicht gerade für offizielle Empfänge oder Trauungen genutzt werden.
Hinter dem Hauptgebäude liegt der Donjon du Capitole. Einst ein Pulverturm aus dem 16. Jahrhundert, wurde er im 19. Jahrhundert von Eugène Viollet-le-Duc umgestaltet und beherbergt heute die städtische Touristeninformation. Im Innenhof Cour Henri IV erinnert eine Bodenplatte an die genaue Stelle, an der 1632 der Herzog von Montmorency nach einem bewaffneten Aufstand gegen Kardinal Richelieu enthauptet wurde.
In den 1960er-Jahren noch als profaner oberirdischer Parkplatz genutzt, wurde der gesamte Platz 1993 zur reinen Fußgängerzone. Heute ist er der zentrale Treffpunkt der Stadt für Wochenmärkte, Kundgebungen und ausgelassene sportliche Triumphe.
FAQ
Kann man das Capitole von innen besichtigen?
Ja, die historischen Prunkräume wie die Salle des Illustres sind kostenlos für die Öffentlichkeit zugänglich, sofern dort gerade keine standesamtlichen Hochzeiten oder offiziellen Empfänge stattfinden.
Was bedeutet das große Bronzekreuz auf dem Boden des Platzes?
Auf dem Platz befindet sich ein 18 Meter breites Okzitanisches Kreuz aus Bronze, das 1995 vom Künstler Raymond Moretti geschaffen wurde. Seine zwölf runden Spitzen sind mit den zwölf Tierkreiszeichen gegossen.
Warum hat die Fassade des Capitole genau acht Säulen?
Die acht rosa Marmorsäulen am zentralen Portikus stehen ganz bewusst für die acht historischen Verwaltungsbezirke von Toulouse, die Capitoulats, und ihre Ratsherren.
Was ist die Geschichte des Donjon du Capitole?
Der Donjon hinter dem Hauptgebäude war ursprünglich ein Pulverturm aus dem 16. Jahrhundert und wurde im 19. Jahrhundert vom Architekten Eugène Viollet-le-Duc umgestaltet. Heute beherbergt er die offizielle Touristeninformation der Stadt.
