Hôtel d'Assézat: Renaissance-Palast von Toulouse
Entdecke, wie ein lukrativer blauer Farbstoff den prächtigsten Renaissance-Palast von Toulouse finanzierte. Das Hôtel d'Assézat markiert den Höhepunkt der Stadtpalais-Architektur des 16. Jahrhunderts und steht als monumentales Denkmal für das goldene Wirtschaftszeitalter der Stadt.
Das Vermögen aus dem blauen Farbstoff
Mitte des 16. Jahrhunderts war Toulouse das europäische Zentrum des Waidhandels. Aus dieser Pflanze, auch als Pastel bekannt, wurde ein heiß begehrter blauer Textilfarbstoff gewonnen. Pierre d'Assézat, einflussreicher Waidhändler und städtischer Magistrat, nutzte sein immenses Vermögen für den Bau eines privaten Stadtpalais, das königlichen Residenzen in Größe und dekorativer Raffinesse in nichts nachstand.
Die Bauarbeiten begannen 1555 unter der Leitung des renommierten Architekten und Bildhauers Nicolas Bachelier sowie des Steinmetzen Jean Castagné. Nach dem Tod des älteren Bachelier führte sein Sohn Dominique das Werk fort und vollendete den Bau im Jahr 1562. Bis heute gilt das Palais als das bedeutendste Renaissance-Bauwerk westlich der Place Esquirol, direkt zwischen dem alten Kaufmannsviertel und der Garonne.
Architektonische Pracht und der 26-Meter-Turm
Das Hôtel d'Assézat präsentiert eine harmonische Verschmelzung aus frühem französischem Klassizismus und italienischem Manierismus, stark beeinflusst von den Architekturtraktaten Sebastiano Serlios. Die Fassaden leben vom reizvollen Kontrast zwischen dem typischen, warmen rosa Backstein von Toulouse und hellem, kunstvoll behauenem Kalkstein, der Bögen, Fenster und Gebälk einrahmt. Der Innenhof, der sogenannte Cour d'honneur, besticht durch einen strengen dreistufigen klassischen Aufriss mit Doppelsäulen, die von der dorischen über die ionische bis zur korinthischen Ordnung nach oben steigen.
Um seinen Status weithin über der Silhouette der Stadt zur Schau zu stellen, ließ d'Assézat einen massiven Ecktreppenturm errichten, der 26 Meter über den Innenhof aufragt. Bis heute ist er der höchste Turm eines privaten Stadtpalais im Renaissance-Toulouse. Manieristische Steinmetzarbeiten verleihen der Architektur zusätzlichen Glanz, darunter groteske Fratzen, Volutenkonsolen, Cabochons und Diamantquader. Im Treppenhauspavillon findet sich sogar eine skulptierte antike Terme, ein skurriles Architekturelement, halb Mensch, halb Pilaster.
Exil und historisches Erbe
Trotz seines immensen Reichtums blieb Pierre d'Assézat von schweren politischen und persönlichen Turbulenzen nicht verschont. Während der französischen Religionskriege zum Calvinismus konvertiert, beteiligte er sich 1562 an einem gescheiterten Versuch der Hugenotten, die Kontrolle über Toulouse zu übernehmen. Dieser Aufstand brachte ihm die Verbannung und den vorübergehenden Verlust seines prächtigen Palais ein. Erst ein Jahrzehnt später kehrte er in die Stadt zurück, nachdem er seinem Glauben abgeschworen hatte.
In den folgenden Jahrhunderten wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Palais der Stadt Toulouse vermacht, um historischen Gelehrtengesellschaften ein Domizil zu bieten. Im Jahr 1914 wurde es offiziell als Monument historique unter Denkmalschutz gestellt.
Eine Heimat für Kunst und Poesie
Seit 1994 beherbergt das Palais die Fondation Bemberg. Diese Kulturinstitution zeigt die umfangreiche private Kunstsammlung von Georges Bemberg mit Gemälden der Renaissance, venezianischen Meistern und modernen Werken des französischen Impressionismus sowie von Pierre Bonnard.
Neben der Kunststiftung dient das Gebäude bis heute als Sitz lokaler Gelehrtengesellschaften. Dazu zählt auch die traditionsreiche Académie des Jeux floraux, eine Vereinigung zur Förderung der Dichtkunst. Das Stadtpalais würdigt dieses literarische Erbe mit einem Festsaal, der nach Clémence Isaure benannt ist, jener halblegendären mittelalterlichen Mäzenin, der die Wiederbelebung der Blumenspiele von Toulouse zugeschrieben wird.
FAQ
Wer hat das Hôtel d'Assézat erbaut?
Das Stadtpalais wurde von Pierre d'Assézat in Auftrag gegeben, einem wohlhabenden Waidhändler und städtischen Magistraten. Entworfen und errichtet wurde es zwischen 1555 und 1562 von den Architekten Nicolas Bachelier, Jean Castagné und Dominique Bachelier.
Warum ist der Turm des Hôtel d'Assézat so hoch?
Der 26 Meter hohe Ecktreppenturm wurde eigens errichtet, um den enormen Reichtum und gesellschaftlichen Status seines Besitzers über der Silhouette der Stadt zur Schau zu stellen. Er ist damit der höchste private Palastturm im Renaissance-Toulouse.
Was befindet sich heute im Hôtel d'Assézat?
Heute beherbergt das Gebäude die Fondation Bemberg, die eine umfangreiche Sammlung von Renaissance- und moderner Kunst präsentiert. Zudem dient es als Sitz lokaler Gelehrtengesellschaften, darunter die Académie des Jeux floraux.
