Altstadtbrücke: Die Görlitzer Brücke nach Polen - Gorlitz
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Altstadtbrücke: Die Görlitzer Brücke nach Polen

Gorlitz, Germany

59 Jahre lang endete eine jahrhundertealte Handelsroute einfach im Nichts über der Lausitzer Neiße und trennte das historische Zentrum von Görlitz von seiner östlichen Vorstadt. Heute schließt die Altstadtbrücke genau diese Lücke. Die moderne stählerne Bogenbrücke für Fußgänger, auf Polnisch Most Staromiejski genannt, verbindet das deutsche Görlitz direkt mit dem polnischen Zgorzelec.

Eine Geschichte von Teilung und Wiedervereinigung

Ein Flussübergang an dieser Stelle lässt sich bis zu einer urkundlich erwähnten Holzbrücke im Jahr 1298 zurückverfolgen, über die die berühmte Handelsstraße Via Regia verlief. Im Laufe der Jahrhunderte wurden aufeinanderfolgende Holz- und Steinbrücken immer wieder durch Hochwasser, Kriege und verheerende Stadtbrände zerstört, darunter eine folgenreiche Feuersbrunst im Jahr 1525.

In den Jahren 1906 und 1907 entstand eine Bogenbrücke aus Stein und Stahlfachwerk, die im Zweiten Weltkrieg jedoch ein gewaltsames Ende fand. Am 7. Mai 1945 sprengten Einheiten der sich zurückziehenden Wehrmacht das Bauwerk. Die daraus resultierende Oder-Neiße-Grenze spaltete die Stadt in zwei Hälften und ließ den Übergang für 59 Jahre verwaist zurück. Erst nach der deutschen Wiedervereinigung und dem EU-Beitritt Polens im Jahr 2004 entstand das heutige Bauwerk, um die getrennten Städte wieder zusammenzuführen. Die offizielle Eröffnung fand am 20. Oktober 2004 statt.

Der moderne Grenzübergang

Mit einer Spannweite von 79,98 Metern und einer Breite von 8,5 Metern in der Mitte dient die Altstadtbrücke heute als reiner Grenzübertritt für Fußgänger und Radfahrer innerhalb des Schengen-Raums. Tagtäglich spazieren Passanten ohne reguläre Passkontrollen hinüber, auch wenn auf deutscher Seite Überwachungsanlagen für gelegentliche Kontrollen bereitstehen.

Da die Staatsgrenze mitten durch das Flussbett unter der Brücke verläuft, sorgt die Technik hier für eine ganz eigene Kuriosität: Mitten auf der Brücke piepsen Mobiltelefone oft mit automatischen Roaming-Willkommensnachrichten oder springen hektisch zwischen dem deutschen und polnischen Mobilfunknetz hin und her.

Historische Wahrzeichen an den Flussufern

Die Altstadtbrücke wird an beiden Ufern von historischen Mühlen gesäumt: Auf deutscher Seite thront die Vierradenmühle, während in Polen die Dreiradenmühle liegt. Die polnische Mühle ziert ein markantes Wandrelief aus dem Jahr 1998, das ganz im Zeichen Europas steht.

Unweit des polnischen Brückenkopfs steht das erhaltene Wohnhaus des Schusters und Mystikers Jakob Böhme aus dem 17. Jahrhundert. Er lebte hier von 1599 bis 1610, zu einer Zeit, als das Ostufer schlicht eine Görlitzer Vorstadt war.

Heute ist die Brücke das greifbare und symbolische Herzstück der Proklamation zur „Europastadt“ von 1998, mit der sich Görlitz und Zgorzelec zu einer grenzüberschreitenden Zwillingsstadt erklärten. Zudem dient das Bauwerk als lebendiger Treffpunkt für gemeinsame Stadtfeste, wie das Altstadtfest und die Jakuby-Festtage, die jeden August zeitgleich gefeiert werden.

FAQ

Wann wurde die moderne Altstadtbrücke eröffnet?

Die heutige Altstadtbrücke wurde nach der deutschen Wiedervereinigung und dem EU-Beitritt Polens am 20. Oktober 2004 offiziell eröffnet.

Können Autos über die Altstadtbrücke fahren?

Nein, die Brücke dient im Schengen-Raum ausschließlich als offener Grenzübergang für Fußgänger und Radfahrer.

Welche historischen Gebäude befinden sich nahe der Altstadtbrücke?

Die Brücke wird von der Vierradenmühle auf deutscher und der Dreiradenmühle auf polnischer Seite gesäumt. Nahe dem polnischen Brückenkopf befindet sich zudem das erhaltene Wohnhaus des Mystikers Jakob Böhme aus dem 17. Jahrhundert.

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