Obermarkt: Görlitz’ historischer Marktplatz - Gorlitz
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Obermarkt: Görlitz’ historischer Marktplatz

Gorlitz, Germany

Der Obermarkt erstreckt sich über 250 Meter Länge und rund 7.500 Quadratmeter mitten im historischen Herzen von Görlitz. Als markante Schwelle zwischen dem mittelalterlichen Stadtkern und der gründerzeitlichen Stadterweiterung des späten 19. Jahrhunderts vereint der Platz grobes Granitpflaster mit pastellfarbenen Barockfassaden und wehrhaften Befestigungstürmen.

Mittelalterlicher Umschlagplatz

Um 1250 im Zuge der Stadterweiterung nach Westen angelegt, war der Platz eine unverzichtbare Handels- und Raststation an der Via Regia, jener mittelalterlichen Königsstraße, die Westeuropa mit Böhmen und Schlesien verband. Dank des städtischen Stapelrechts mussten Kaufleute hier zwingend Station machen, um begehrte Handelsgüter wie Salz, Färberwaid und kostbare Gewürze wiegen zu lassen und feilzubieten.

Von etwa 1400 bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Platzmitte dicht mit Krämerbuden und einem Salzhaus bebaut. Erst ihr Abriss schuf die heutige, weitläufige Freifläche. Nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1717 erstand ein Großteil der Nordseite im eleganten Barockstil neu. Zu DDR-Zeiten wurde der Platz 1951 zwar offiziell in Leninplatz umbenannt, die Görlitzer blieben im Alltag jedoch unbeeindruckt bei ihrem historischen Namen.

Baudenkmäler und Wahrzeichen

Mehrere bedeutende Bauwerke prägen die Kulisse des Platzes. Am westlichen Ende ragt der 51 Meter hohe Reichenbacher Turm auf, flankiert vom Kaisertrutz, einer massiven Rundbastion aus dem Jahr 1490. Einst verteidigten sie die städtische Unabhängigkeit, heute beherbergen beide Bauten Ausstellungen des Kulturhistorischen Museums Görlitz.

An der Südostecke wacht die Dreifaltigkeitskirche, die 1234 als Franziskaner-Klosterkirche geweiht wurde. Am östlichen Ende plätschert der Georgsbrunnen, ein Renaissancebrunnen von 1590 mit einer Ritterfigur samt sächsischem Wappen. Ein weiterer Blickfang ist das Napoleonhaus (Obermarkt 29), ein stattliches dreigeschossiges barockes Bürgerhaus aus dem Jahr 1718.

Legenden und historische Kuriositäten

Der Obermarkt birgt so manche versteckte Anekdote. Am Reichenbacher Turm prangen zwölf kunstvoll bemalte Wappenschilde, die an die Landesherren und die Städte des Oberlausitzer Sechsstädtebundes erinnern. Sie verdecken geschickt die Stahlanker, die dem Mauerwerk bei Sicherungsarbeiten im Jahr 1936 zusätzliche Stabilität verliehen.

Auch das Napoleonhaus hat seine eigene Posse zu bieten. Der markante Steinbalkon wurde vom Kaufmann Johann Wilhelm Schaumburg gebaut, der damit dreist geltendes Baurecht missachtete, denn solche Prunkbalkone standen damals nur dem Adel zu. Man munkelt, reichlich Schmiergeld habe die Genehmigung letztlich beschleunigt. 1813 nutzte Napoleon Bonaparte genau diesen Balkon, um die auf dem Platz aufmarschierten Truppen abzunehmen.

Eine stadtbekannte Legende rankt sich um die Uhr der Dreifaltigkeitskirche, deren Glocke traditionell sieben Minuten vor der Zeit schlägt. Der Sage nach erinnert dies an das Jahr 1527: Der Stadtrat stellte die Uhr heimlich vor, um einen geplanten Aufstand der Görlitzer Tuchmacher vorzeitig auffliegen zu lassen und die Rebellen direkt den wartenden Stadtwachen in die Arme zu treiben. Eine steinerne Fratze an der Außenwand, der sogenannte Klötzelmönch, geht auf eine weitere Sage zurück, nach der ein mörderischer Mönch auf Holzpantinen durch das Kloster spuken soll.

Lebendiger Treffpunkt von heute

Heute verbindet der weitläufige Platz als beliebte Flaniermeile die verschiedenen Epochen der Görlitzer Stadtgeschichte. Zwar dient ein Teil des Kopfsteinpflasters heute als Parkplatz, doch als Schauplatz für Kultur und Stadtleben ist der Obermarkt nicht wegzudenken. Das ganze Jahr über pulsiert hier das Leben, ob beim Altstadtfest, dem internationalen Straßentheaterfestival ViaThea, bei Töpfermärkten oder dem traditionellen schlesischen Christkindelmarkt. In den historischen Bürgerhäusern laden Straßencafés, Restaurants, Ferienwohnungen und kleine Läden zum Verweilen ein.

FAQ

Warum schlägt die Uhr der Dreifaltigkeitskirche zu früh?

Dass die Uhr traditionell sieben Minuten zu früh schlägt, geht auf eine alte Sage zurück: Beim Tuchmacheraufstand von 1527 stellte der Stadtrat die Uhr heimlich vor. Die Aufständischen schlugen zu früh los und liefen der alarmierten Stadtwache geradewegs in die Falle.

Was hat es mit dem Balkon des Napoleonhauses auf sich?

Der Kaufmann Johann Wilhelm Schaumburg ließ den Steinbalkon 1718 errichten und verstieß damit gegen Bauvorschriften, die solche Bauten dem Adel vorbehielten. Die Genehmigung erkaufte er sich wohl mit Schmiergeld. 1813 nutzte Napoleon Bonaparte diesen Balkon, um seine Truppen zu mustern.

Wie wurde der Obermarkt im Mittelalter genutzt?

Der Platz war eine wichtige Handelsstation an der Via Regia. Durch das städtische Stapelrecht waren Kaufleute verpflichtet, hier Halt zu machen und Waren wie Salz, Färberwaid und Gewürze wiegen zu lassen und zum Verkauf anzubieten.

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