
Kaufhaus Görlitz: das echte Grand Budapest Hotel
Das Kaufhaus Görlitz ist Filmikone und zugleich Deutschlands letztes intaktes Jugendstil-Warenhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert. Als markanter Ankerpunkt am Demianiplatz, direkt am Übergang zwischen mittelalterlicher Altstadt und Gründerzeitviertel, schlägt dieses Baudenkmal eine Brücke zwischen den historischen Wurzeln von Görlitz und seiner heutigen Rolle als international gefeierte Filmkulisse.
Architektonische Pracht
Entworfen vom Architekten Carl Schmanns, öffnete das Kaufhaus Görlitz im September 1913 erstmals seine Pforten. Die moderne Stahlskelettkonstruktion kleidet sich in eine faszinierende Mischung aus Historismus und Jugendstil. Bis heute ist es das einzige deutsche Warenhaus seiner Epoche, dessen Grundstruktur und historische Innenräume weitgehend im Originalzustand überdauert haben.
Natürliches Tageslicht fällt durch eine prachtvolle Buntglaskuppel mit handgemalten floralen Jugendstilmotiven. Es durchflutet den zentralen Lichthof und setzt die weit geschwungenen, freitragenden Treppen sowie die kunstvollen Messinggeländer gekonnt in Szene.
Ein Jahrhundert Handelsgeschichte
Ursprünglich stand am Demianiplatz der Gasthof „Zum goldenen Strauß“ aus dem 18. Jahrhundert. 1912 finanzierte der jüdische Kaufmann Louis Friedländer den Neubau des modernen Konsumtempels. Der Auftakt war ein überwältigender Erfolg: Direkt nach der feierlichen Eröffnung im September 1913 musste das Haus für einen Tag schließen, weil ein Ansturm von tausenden kauffreudigen Kunden nahezu das gesamte Sortiment leergekauft hatte.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer. 1929 übernahm Karstadt das Haus, zu DDR-Zeiten wurde es enteignet und als „Centrum Warenhaus“ weitergeführt. Nach der Wiedervereinigung gehörte es zur Hertie-Kette, bis deren Insolvenz 2009 das vorläufige Aus für den traditionsreichen Standort besiegelte.
The Grand Budapest Hotel und Görliwood
Weltweit gilt das Kaufhaus Görlitz als Kronjuwel der Filmstadt „Görliwood“. Bei den Dreharbeiten zu The Grand Budapest Hotel war Regisseur Wes Anderson von der unberührten Architektur des leerstehenden Gebäudes so verzaubert, dass er Gerüchten zufolge sogar erwog, die Immobilie selbst zu kaufen, um sie zu retten.
Für den Dreh übernahm die Filmcrew das gesamte Innere. Der Lichthof verwandelte sich abwechselnd in die opulente Lobby der 1930er- und die modernisierte Version der 1960er-Jahre, während in den oberen Etagen die Produktionsbüros einzogen. Neben Hollywood-Ruhm erlangte das Warenhaus auch im deutschen Fernsehen Prominenz, etwa als Hauptkulisse der historischen Dramaserie Haus der Träume.
Aktuelle Lage und Zukunftspläne
Heute gehört das Gebäude dem Unternehmer Winfried Stöcker, der es wieder als vollwertiges Kaufhaus etablieren möchte. Auch wenn der reguläre Einkaufsbetrieb noch ruht, öffnet die prachtvolle Halle in Erwartung der anstehenden Generalsanierung gelegentlich ihre Tore für Führungen, Konzerte und Filmdrehs.
FAQ
Wurde The Grand Budapest Hotel in einem echten Hotel gedreht?
Nein, die Szenen in der Hotellobby von The Grand Budapest Hotel entstanden im Kaufhaus Görlitz, einem Warenhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert in Deutschland.
Kann man das Kaufhaus Görlitz besichtigen?
Für den regulären Einkauf ist das Gebäude derzeit geschlossen, doch im Vorfeld der geplanten Sanierung öffnet es immer wieder für Führungen, Konzerte und Dreharbeiten seine Türen.
Wann wurde das Kaufhaus Görlitz erbaut?
Das vom Architekten Carl Schmanns entworfene Warenhaus wurde als Stahlskelettbau errichtet und im September 1913 für das Publikum eröffnet.



