Basilika St. Kastor: Die älteste Kirche von Koblenz - Koblenz
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Basilika St. Kastor: Die älteste Kirche von Koblenz

Koblenz, Germany

Tritt vor die wettergegerbte Steinfassade der Basilika St. Kastor, dem ältesten Gotteshaus von Koblenz. Vom Platz aus zeigt sie sich in feinster romanischer Pracht. Am 12. November 836 geweiht, steht die Basilika genau dort, wo einst das Karolingerreich zerlegt wurde, was ganz nebenbei die Grenzen des modernen Europas festlegte.

Die Geburt des modernen Europas

Erbaut wurde die Kirche im Auftrag von Erzbischof Hetti von Trier mit kaiserlicher Rückendeckung von Ludwig dem Frommen, ursprünglich als standesgemäße Heimat für die Reliquien des heiligen Kastor. Im 9. Jahrhundert entwickelte sie sich rasch zum diplomatischen Hotspot. 842 versammelten sich 110 Gesandte der drei Söhne Ludwigs des Frommen hinter diesen Mauern, um die Aufteilung des Frankenreichs auszuhandeln.

Diese entscheidenden Gespräche schufen die Grundlage für den historischen Vertrag von Verdun im Jahr 843. Das Abkommen teilte das Reich auf und legte das geografische Fundament für das heutige Frankreich und Deutschland. 1018 ging das königliche Anwesen schließlich an das Erzbistum Trier über.

Lebendige Architektur auf antikem Grund

Archäologische Ausgrabungen belegen, dass die Basilika auf wahrhaft uraltem Grund ruht. Sie wurde direkt über prähistorischen Feuerstellen der La-Tène-Kultur und einem gallo-römischen Tempel aus dem 2. Jahrhundert errichtet. Über der Erde wird der heutige Bau von seiner Romanik geprägt, mit vier markanten Türmen und einer klassischen Apsis.

Im 12., 15. und 19. Jahrhundert wurde der Bau mehrfach erweitert. Zwischen 1496 und 1499 kam ein spektakuläres spätgotisches Sterngewölbe hinzu. Die Restaurierungen im 19. Jahrhundert leitete der preußische Architekt Johann Claudius von Lassaulx. Zusammen mit der Liebfrauenkirche und der Florinskirche prägen ihre Türme heute die historische Silhouette von Koblenz.

Die sarkastische Inschrift des Kastorbrunnens

Auf dem Vorplatz der Basilika steht der Kastorbrunnen mit einer höchst kuriosen, fast schon zynischen Doppelinschrift. Im Jahr 1812 ließ ein französischer Präfekt voreilig eine Widmung einmeißeln, die Napoleons vermeintlich sicheren Sieg über Russland feiern sollte.

Als Napoleons Russlandfeldzug jedoch in einem desaströsen Rückzug endete, besetzten russische Truppen an Neujahr 1814 Koblenz. Statt das Denkmal zu zerstören, ließ der russische Stadtkommandant, General Saint-Priest, direkt unter den französischen Text eine herrlich spöttische Genehmigung setzen: „Gesehen und genehmigt von uns, dem russischen Kommandanten der Stadt Koblenz. 1. Januar 1814.“

Lebendige Gemeinde und Welterbe

1991 erhob Papst Johannes Paul II. die Kirche zur Basilica minor. Seit 2002 gehört sie zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. In ihrem Inneren birgt sie den Reliquienschrein der heiligen Rizza, die laut lokaler Überlieferung eine Tochter von Kaiser Ludwig dem Frommen gewesen sein soll.

Heute ist die Basilika eine lebendige katholische Pfarrgemeinde mit sonntäglichen Gottesdiensten, Liturgien und geistlichen Konzerten. Der Klang ihrer historischen Glocken hallt regelmäßig über den Platz und vermischt sich mit dem sanften Rauschen der vorbeiziehenden Flusskreuzfahrtschiffe und dem Stimmengewirr der Spaziergänger vom nahen Deutschen Eck.

FAQ

Was ist die älteste Kirche in Koblenz?

Die Basilika St. Kastor ist das älteste erhaltene Kirchengebäude in Koblenz und wurde am 12. November 836 geweiht.

Welche historische Bedeutung hat die Basilika St. Kastor?

Die Kirche war im 9. Jahrhundert ein bedeutender diplomatischer Knotenpunkt. Im Jahr 842 fanden hier die Verhandlungen statt, die 843 zum Vertrag von Verdun führten. Dieser teilte das Frankenreich auf und legte das geografische Fundament für das heutige Frankreich und Deutschland.

Was besagt die Inschrift auf dem Kastorbrunnen?

Der Brunnen trägt eine voreilige französische Widmung aus dem Jahr 1812, die Napoleons Sieg über Russland feiert. Darunter steht ein sarkastischer Zusatz eines russischen Generals von 1814: „Gesehen und genehmigt von uns, dem russischen Kommandanten der Stadt Koblenz. 1. Januar 1814.“

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