
Florinskirche und historischer Florinsmarkt
Das historische Ensemble des Florinsmarkts
Der Florinsmarkt ist ein historischer zentraler Platz in der Koblenzer Altstadt. Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit bildete er das politische, rechtliche und wirtschaftliche Zentrum der Stadt. Die Fußgängerzone wird von einer eng beieinanderliegenden Gruppe aus vier bedeutenden Gebäuden geprägt: der romanischen Florinskirche, dem gotisch-barocken Alten Kaufhaus, dem spätgotischen Schöffenhaus und dem barocken Bürresheimer Hof. Zusammen veranschaulichen sie das historische Zusammenspiel von Kirchenverwaltung, städtischer Regierung und Moselhandel.
Die Geschichte der Florinskirche
Die um 1100 unter Propst Bruno von Lauffen gegründete Florinskirche zeichnet sich durch wuchtiges romanisches Mauerwerk und Doppeltürme aus. Eine drastische Wende erlebte das Gebäude im Jahr 1802, als französische Besatzungstruppen die Kirche säkularisierten. 1807 unterzeichnete Kaiser Napoleon Bonaparte ein Dekret, das die Umwandlung des Gotteshauses in ein städtisches Schlachthaus und eine Fleischhalle vorsah. Dieser Plan wurde hinfällig, als die preußische Verwaltung im Jahr 1815 die Stadt übernahm.
Der preußische König Friedrich Wilhelm III. übergab das Gebäude der evangelischen Gemeinde, und im Jahr 1820 wurde es zur ersten evangelischen Pfarrkirche in Koblenz. Heute dient die Florinskirche als aktives Gotteshaus und Veranstaltungsort für Konzerte. Im Inneren erinnert ein einzigartiges Detail an die bewegte Vergangenheit: Eine französische Kanonenkugel aus der Belagerung von 1688 steckt im Gewölbe direkt über dem Taufbecken, bewusst eingefügt bei Reparaturarbeiten im Jahr 1708 als Mahnmal für die Zerstörungen des Krieges.
Städtische Verwaltung am Platz
Direkt neben der Kirche wurde das Alte Kaufhaus zwischen 1419 und 1425 als städtisches Handels- und Versammlungshaus errichtet. Das Obergeschoss diente von 1674 bis 1794 als Koblenzer Rathaus. Nach schweren Schäden während der französischen Bombardierung im Jahr 1688 wurde das Gebäude 1724 mit barocken Elementen wiederaufgebaut.
Gleich in der Nähe steht das Schöffenhaus, erbaut 1530 als Sitz der Schöffen, die Handel und Strafen regelten. Bis ins 18. Jahrhundert stand der städtische Pranger vor dem Schöffenhaus und diente als Ort für öffentliche Bestrafungen.
Der Augenroller
Beim Wiederaufbau des Alten Kaufhauses im Jahr 1724 erhielt es einen Uhrturm, der mit dem sogenannten Augenroller versehen wurde. Dieses mechanische Menschengesicht ist an der rot-weißen Fassade unterhalb der Uhr angebracht. Seine gemalten Augen bewegen sich im Takt des Pendels unaufhörlich hin und her, und bei jedem Viertel-, Halb- und Stundenschlag schnellt eine rote Zunge hervor. Der Überlieferung nach stellt die Maske den Raubritter Johann Lutter von Kobern aus dem 16. Jahrhundert dar. Der Legende nach rollte er kurz vor seiner Enthauptung im Jahr 1536 trotzig mit den Augen und streckte dem Scharfrichter die Zunge heraus.
FAQ
Warum steckt eine Kanonenkugel in der Decke der Florinskirche?
Eine französische Kanonenkugel aus der Belagerung von Koblenz im Jahr 1688 steckt im Gewölbe über dem Taufbecken. Sie wurde bei Reparaturen im Jahr 1708 absichtlich dort platziert, um als bleibende Erinnerung an die Kriegszerstörungen zu dienen.
Was ist der Augenroller in Koblenz?
Der Augenroller ist ein mechanisches Menschengesicht am Uhrturm des Alten Kaufhauses am Florinsmarkt. Seine Augen bewegen sich unaufhörlich im Takt des Pendels, und eine rote Zunge streckt sich heraus, wenn die Glocke zur vollen, halben und Viertelstunde schlägt.
Wen stellt das Gesicht des Augenrollers dar?
Der lokalen Überlieferung nach zeigt das Gesicht Johann Lutter von Kobern, einen Raubritter aus dem 16. Jahrhundert, der kurz vor seiner Enthauptung im Jahr 1536 angeblich mit den Augen rollte und dem Scharfrichter die Zunge herausstreckte.
Hat Napoleon geplant, die Florinskirche in ein Schlachthaus zu verwandeln?
Ja. Im Jahr 1807 unterzeichnete Kaiser Napoleon Bonaparte ein Dekret, um die säkularisierte Florinskirche in ein städtisches Schlachthaus und eine Fleischhalle umzuwandeln. Der Plan wurde aufgegeben, als die preußische Verwaltung die Stadt 1815 übernahm.



