Schängelbrunnen: Koblenz’ spuckender Brunnenjunge - Koblenz
© Wikimedia Commons | CC-BY-SA
Ziel

Schängelbrunnen: Koblenz’ spuckender Brunnenjunge

Koblenz, Germany

Der Bronzejunge mitten im Koblenzer Rathaushof ist berüchtigt dafür, ahnungslose Passanten in regelmäßigen Abständen nasszuspritzen. Eingerahmt von den Renaissance- und Barockfassaden des ehemaligen Jesuitenkollegs auf dem Willi-Hörter-Platz ist der Schängelbrunnen ein zentraler Treffpunkt und das ultimative Identitätssymbol der Stadt.

Woher der „Schängel“ kommt

Die Wurzeln des Begriffs reichen zurück in die 20 Jahre französische Herrschaft und Besatzung in Koblenz zwischen 1794 und 1814. Zu jener Zeit erhielten die Kinder französischer Soldaten und einheimischer Frauen häufig den damals typischen Vornamen „Jean“.

Im moselfränkischen Dialekt wandelte sich „Jean“ phonetisch schnell zu „Schang“. Mit der Zeit entstand daraus die Koseform „Schängel“ oder „Schängelchen“. Anfangs noch eine leicht spöttische Bezeichnung für Kinder aus diesen Liebschaften, eigneten sich die Koblenzer den Namen bald selbstbewusst an. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts wurde er zum stolzen Abzeichen lokaler Identität, voller rheinischem Schalk und frechem Witz. Heute gilt „Schängel“ als liebevolle Bezeichnung für jeden waschechten Koblenzer.

Ein Denkmal für den Lausbuben

Der Brunnen wurde 1940 vom Bildhauer Carl Burger entworfen und am 15. Juni 1941 feierlich enthüllt. Auf einer zentralen Säule aus Eifeler Basaltlava thront die Bronzefigur eines kleinen Jungen. Modell stand damals der elfjährige Rudolf Dany aus Mayen, der dafür stolze 50 Pfennig pro Sitzung kassiert haben soll.

Offiziell ist das Denkmal dem Koblenzer Mundartdichter Josef Cornelius (1849–1943) gewidmet. 1914 verfasste Cornelius den Text für das Karnevalslied „Das Schängellied“, komponiert von Karl Wilhelm Kraehmer. Das Stück machte die Schängelfigur endgültig populär und entwickelte sich zur inoffiziellen Hymne der Stadt.

Kunstvolle Reliefs und versteckte Streiche

Die zentrale Basaltsäule wird von einem achteckigen Brunnenbecken aus demselben Gestein umgeben. Die acht Seiten des Beckens und der Pfeiler sind mit detailreichen Reliefs verziert. Sie zeigen klassische Lausbubenstreiche vor der Kulisse historischer Koblenzer Gassenszenen: Kinder, die Passanten necken, sich raufen oder mit dem Erbsenrohr schießen. Auch Porträts des Liedtexters Josef Cornelius und des Komponisten Karl Kraehmer sind hier verewigt.

Der schelmische Geist des Denkmals erwacht alle zwei bis drei Minuten zum Leben, wenn die Bronzefigur völlig unvermittelt einen kräftigen Wasserstrahl durch die gespitzten Lippen spuckt. Die Fontäne reicht mehrere Meter weit über das Becken hinaus in den Hof, ein buchstäblich spritziger Beweis für die ungebändigte Schalkhaftigkeit des Schängels.

Ein allgegenwärtiges Stadtsymbol

Direkt am Jesuitenplatz gelegen und nur wenige Schritte vom Görresplatz, der Liebfrauenkirche und dem Rheinufer entfernt, steht der Brunnen mitten im Herzen der historischen Altstadt. Der Schängel ist aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Der spuckende Junge ziert das offizielle Stadtmarketing, Festabzeichen und Souvenirs. Wer aufmerksam durch die Altstadt spaziert, entdeckt sein Konterfei sogar auf den städtischen Gullydeckeln.

FAQ

Warum spuckt der Schängelbrunnen Wasser?

Alle zwei bis drei Minuten schießt die bronzene Knabenfigur einen Wasserstrahl mehrere Meter weit in den Innenhof. Diese überraschende Dusche verkörpert den frechen, schelmischen rheinischen Schalk, der untrennbar mit der Koblenzer Schängel-Identität verbunden ist.

Was bedeutet „Schängel“ in Koblenz?

Der Begriff stammt aus der Zeit der französischen Besatzung von Koblenz (1794–1814), als Kinder französischer Soldaten und deutscher Frauen häufig „Jean“ genannt wurden. Im lokalen Dialekt wandelte sich dies zu „Schang“ und schließlich zur Koseform „Schängel“. Heute ist es eine stolze Bezeichnung für jeden in Koblenz Geborenen.

Wer hat den Schängelbrunnen entworfen?

Der Brunnen wurde 1940 vom Bildhauer Carl Burger entworfen und 1941 enthüllt. Als Modell für die Bronzefigur diente der elfjährige Rudolf Dany, der damals 50 Pfennig pro Sitzung erhielt.

Wem ist der Schängelbrunnen gewidmet?

Der Brunnen ist Josef Cornelius gewidmet, dem Dichter, der 1914 für den Koblenzer Karneval die inoffizielle Hymne der Stadt, „Das Schängellied“, verfasste. Sein Porträt ist zusammen mit dem des Komponisten Karl Wilhelm Kraehmer im Basaltbecken des Brunnens verewigt.

Tours featuring Schängelbrunnen: Koblenz’ frechstes Wahrzeichen

More places in Koblenz