
Hexenturm: Marburgs historischer Hexenturm
Eine Bastion, halb in der Geschichte vergraben
Die Hälfte dieses mittelalterlichen Turms wurde im 17. Jahrhundert ganz bewusst unter Schutt und Erde begraben. Ursprünglich 1478 als vierstöckige Geschützbastion errichtet, ist der Hexenturm heute eines der seltenen freistehenden Überbleibsel von Marburgs spätmittelalterlicher Stadtbefestigung. Entworfen von Werkmeister Hans Jakob von Ettlingen, trug das Bauwerk anfangs den Namen „Weißer Turm“. Seine ursprüngliche Aufgabe: den Graben des Landgrafenschlosses sichern und die Nordwestflanke der Festung abschirmen.
1621 modernisierte der Festungsbaumeister Wilhelm Dilich die Wälle der Stadt. Dabei schüttete er die unteren beiden Stockwerke des Turms einfach mit Erdreich zu, womit ein gewaltiger Teil des ursprünglichen Baus dauerhaft unter der Erde verschwand. Später überstand der Turm sogar Napoleons Befehl von 1807, die Marburger Festungsanlagen dem Erdboden gleichzumachen.
Vom Geschützturm zum Stadtgefängnis
Zwischen 1550 und 1565 vollzog die einstige Verteidigungsbastion einen düsteren Wandel und wurde zum Gefängnis, eine Rolle, die sie bis 1866 behalten sollte. Das Bauwerk besticht durch massives, verwittertes Bruchsteinmauerwerk von bis zu vier Metern Dicke, das nur von winzigen, finsteren und eisengitterbewährten Zellenfenstern durchbrochen wird.
Während der Hexenverfolgung im 16. und 17. Jahrhundert kam der Turm zu seinem heutigen Namen. Wer der Hexerei bezichtigt wurde, wartete in einer der zwölf klammen Einzelzellen auf den Prozess. Historische Dokumente belegen Fälle wie den von Katharina Staudinger, die 1656 vor ihrer Hinrichtung hier eingesperrt war.
Mythen und moderne Spurensuche
Auch wenn die lokale Überlieferung ihn vor allem als Hexenverlies abstempelt: Archivquellen belegen, dass der Hexenturm während seiner dreihundertjährigen Nutzung als ganz gewöhnliches Landes- und Stadtgefängnis für Kriminelle aller Art diente.
Heute ist der denkmalgeschützte Hexenturm ein fester Halt am Spazierweg nahe dem Schlosspark und ein zentraler Punkt für historische Stadtführungen. Eine steinerne Außentreppe führt hinauf zum Eingang und bietet einen weiten Panoramablick über die Nordwestmauer des Landgrafenschlosses und hinab ins Tal. Der markante Dachreiter, der das Bauwerk heute krönt, wurde erst 1885 aufgesetzt.
FAQ
Wann wurde der Hexenturm in Marburg erbaut?
Der Hexenturm wurde 1478 von Werkmeister Hans Jakob von Ettlingen erbaut. Ursprünglich diente er als Geschützbastion unter dem Namen „Weißer Turm“, um den Graben des Landgrafenschlosses zu sichern.
Warum heißt er Hexenturm?
Im 16. und 17. Jahrhundert wurden die zwölf klammen Zellen des Turms genutzt, um der Hexerei bezichtigte Menschen einzusperren, darunter 1656 auch Katharina Staudinger. Archivakten zeigen jedoch, dass er bis 1866 als reguläres Stadtgefängnis für Gefangene aller Art diente.
Warum liegt ein Teil des Hexenturms unter der Erde?
Im Jahr 1621 modernisierte der Festungsbaumeister Wilhelm Dilich die Marburger Stadtbefestigung. Bei diesen Umbauten wurden die unteren beiden Stockwerke des ursprünglich vierstöckigen mittelalterlichen Turms ganz bewusst mit Erdreich zugeschüttet.



