Pfarrkirche St. Marien in Marburg: Geschichte und Architektur - Marburg
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Ziel

Pfarrkirche St. Marien in Marburg: Geschichte und Architektur

Marburg, Germany

Auf halbem Weg zwischen dem bürgerlichen Marktplatz und dem fürstlichen Landgrafenschloss ragt die Lutherische Pfarrkirche St. Marien empor, unverkennbar an ihrer markant schiefen Turmspitze. Auf einer hoch gelegenen Terrasse in der Oberstadt thronend, dient die Kirche zugleich als erstklassiger Aussichtspunkt und als architektonischer Ankerpunkt für ganz Marburg.

Marburgs älteste Pfarrkirche

Die Lutherische Pfarrkirche St. Marien ist eine dreischiffige gotische Hallenkirche. Erstmals 1222 urkundlich erwähnt, erhielt der Ort 1227 eigenständige Pfarreirechte. Das heutige Bauwerk wuchs über mehrere Jahrhunderte heran: An einen romanischen Vorgängerbau wurde ein gotischer Chor angefügt und 1297 geweiht. Das Langhaus entstand zwischen 1318 und den 1390er Jahren unter der Leitung von Baumeister Tyle von Frankenberg. Der Westturm mit seinem unverwechselbaren Holzhelm wurde schließlich zwischen 1473 und 1488 vollendet.

Während die Elisabethkirche vor den Toren der Stadt vor allem dem Deutschen Orden und den Pilgern diente, war St. Marien die zentrale Pfarrkirche für Marburgs Bürgerschaft. Die freie Terrasse rund um das Bauwerk diente bis ins 19. Jahrhundert als Hauptfriedhof der Stadt und wird bis heute von einem gotischen Beinhaus aus der Zeit um 1320 gesäumt.

Die legendär schiefe Turmspitze

Ein Blick hinauf zum Kirchturm offenbart eine dramatische Schräglage: Der schiefergedeckte Holzhelm scheint sich förmlich gegen den Himmel zu verwinden. Diese berühmte Drehung und Neigung war keineswegs geplant. Sie ist vielmehr das Resultat jahrhundertelanger Witterungseinflüsse, bei denen einseitige Sonneneinstrahlung und die Hauptwindrichtungen auf dem Höhenrücken das Holzgebälk krummgezogen haben.

Konfessionswirren und Schätze im Kircheninneren

1527 führte Landgraf Philipp der Großmütige die lutherische Reformation ein und bestimmte St. Marien zur Stadtpfarrkirche sowie zur Universitätskirche der frisch gegründeten Philipps-Universität. 1605 versuchte Landgraf Moritz jedoch, den Calvinismus durchzusetzen, ein Schritt, der zur Zerstörung der mittelalterlichen Bildkunst in der Kirche führte.

Trotz dieses Bildersturms überstanden ein Wandfresko der Madonna aus dem späten 13. Jahrhundert und eine mittelalterliche Darstellung der legendären Heiligen Kümmernis (Wilgefortis) die Zerstörung in geschützten Wandnischen. Schließlich kehrte die Kirche zu ihrer lutherischen Identität zurück, sichtbar verankert durch ein großes frühbarockes Altarretabel, das Andreas und Peter Franck 1626 schufen. Der Chor diente zudem als fürstliche Grablege für die Landgrafen der Linie Hessen-Marburg. Zu den weiteren historischen Ausstattungsstücken aus verschiedenen Jahrhunderten zählen ein romanischer Taufstein, ein Taufbecken aus Messing von 1625 und eine Barockorgel aus dem Jahr 1721.

Ein Ort für Kultur und Glauben

Heute dient das Bauwerk als Hauptkirche der örtlichen lutherischen Gemeinde und als Dekanatskirche des Kirchenkreises Marburg. Sie steht Besuchern täglich offen. Die Kirche ist Schauplatz vielfältiger Gottesdienste und Kulturveranstaltungen, von Bach-Orgelkonzerten und Jazz-Liturgien über klassische Konzerte und Kunstausstellungen bis hin zu Friedensgebeten auf der historischen Terrasse.

FAQ

Warum ist die Turmspitze der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien schief?

Die Drehung und Neigung des Holzhelms war keine planerische Absicht, sondern entstand über Jahrhunderte durch einseitige Sonneneinstrahlung und vorherrschende Witterungseinflüsse, die das Gebälk verzogen haben.

Was überstand den Bildersturm von 1605 im Kircheninneren?

Trotz der Zerstörungen im Jahr 1605 blieben in geschützten Wandnischen ein Marienfresko aus dem späten 13. Jahrhundert und eine mittelalterliche Darstellung der Heiligen Kümmernis (Wilgefortis) erhalten.

Wie alt ist die Lutherische Pfarrkirche St. Marien?

Die Kirche ist Marburgs älteste Pfarrkirche und wurde 1222 erstmals urkundlich erwähnt. Der heutige gotische Chor wurde 1297 geweiht, das Langhaus entstand zwischen 1318 und den 1390er Jahren.

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