Kugelgasse: Marburgs historische Steilgasse - Marburg
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Kugelgasse: Marburgs historische Steilgasse

Marburg, Germany

Marburgs vertikale Topografie

Jacob Grimm bemerkte einst treffend, Marburg habe „mehr Treppen auf den Straßen als in den Häusern“. Kaum ein Ort fängt diese steile Realität so greifbar ein wie der kopfsteingepflasterte Aufstieg der Kugelgasse. Als Paradebeispiel für das typische Gefüge der Marburger Oberstadt schlägt die Gasse die Brücke zwischen dem lebendigen Treiben unten an der Barfüßerstraße und den ruhigeren Terrassenhängen hinauf zum Landgrafenschloss. Geprägt wird der Weg von unregelmäßigem Basaltpflaster, Bordsteinen aus Naturstein und engen Treppenläufen, die unvermittelt in schmale Pfade übergehen.

Das Erbe der Kugelherren

Ihren Aufschwung erlebte die Kugelgasse in den späten 1470er-Jahren, als der Marburger Schöffe Heinrich Imhof und Elisabeth von Treisbach ein Kloster für die Brüder vom gemeinsamen Leben stifteten. Die Gasse verdankt ihren Namen eben dieser Ordensgemeinschaft, die man im Volksmund wegen ihrer spitzen Kapuzen, den sogenannten Gugeln, schlicht „Kugelherren“ nannte.

Zwei markante Bauwerke aus dieser Epoche prägen das Viertel bis heute. Die Kugelkirche, errichtet zwischen 1492 und 1520, ist Marburgs einziger erhaltener, vollständig neu gebauter Sakralbau der Spätgotik. Gleich nebenan an der Kugelgasse 10 steht das 1491 fertiggestellte Fraterhaus, dessen spätgotische Sandsteinfassade noch historische Reliefs trägt.

Reformation und neue Nutzung durch die Universität

Als Landgraf Philipp der Großmütige 1527 die Reformation einführte, löste er die Gemeinschaft der Kugelherren auf. Die Gebäude fielen an die frisch gegründete Philipps-Universität Marburg. Die Hochschule funktionierte die Kirche kurzerhand zum Hörsaal für Theologie um, während das Kugelhaus fortan als Mensa und Institutsgebäude diente. 1827 wurde die Kugelkirche wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung übergeben und dient heute der katholischen Gemeinde als Pfarrkirche.

Fachwerkhäuser und versteckte Kuriositäten

Heute ist die Kugelgasse eine denkmalgeschützte, beschauliche Wohnstraße. Terrassierte Vorgärten mit üppigem Mauerbewuchs säumen den Anstieg entlang der sorgsam erhaltenen historischen Architektur. Besonders hervorzuheben sind die Kugelgasse 7, ein vierstöckiger Fachwerkbau aus der Zeit um 1600, und die Kugelgasse 1. Letztere war der Wohnsitz von Ludwig Bickell (1838–1901), Hessens erstem Bezirkskonservator und Begründer des Marburger Universitätsmuseums für Kunst und Kulturgeschichte.

Für eine zusätzliche Prise Historie sorgt ein erhöht liegender Fußweg entlang der oberen Stützmauer. Die Gasse „Auf der Schlimmen Mauer“ verdankt ihren Namen der Legende nach einem historischen Mauereinsturz. In Wahrheit geht die Bezeichnung jedoch auf das mittelhochdeutsche Wort „slimb“ zurück, was schlicht „schief“ oder „steil abfallend“ bedeutet.

FAQ

Wie kam die Kugelgasse zu ihrem Namen?

Die Kugelgasse ist nach den Kugelherren benannt, auch bekannt als Brüder vom gemeinsamen Leben. Die Ordensmänner trugen markante, spitze Kapuzenkragen, die sogenannten Gugeln.

Welche historische Bedeutung hat die Kugelkirche?

Die zwischen 1492 und 1520 erbaute Kugelkirche gilt als Marburgs einziger erhaltener, vollständig neu errichteter Kirchenbau der Spätgotik.

Was bedeutet der Name „Auf der Schlimmen Mauer“?

Auch wenn die lokale Überlieferung von einem Mauereinsturz erzählt, bedeutet der Name so viel wie „schiefe Mauer“. Er geht auf das mittelhochdeutsche Wort „slimb“ zurück, das schief oder steil geneigt bedeutet.

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