
Elisabethkirche Marburg: Meisterwerk der Frühgotik
Die Elisabethkirche ist ein echtes Wahrzeichen, berühmt für ihre hoch aufragenden Doppeltürme, filigrane Gotik und sakrale Kunst aus vielen Jahrhunderten. Unten im Tal nahe der Lahn gelegen, bildet die Kirche den architektonischen Anker und natürlichen Auftakt für die klassische Marburger Route, die sich durch mittelalterliche Gassen hinauf zum Landgrafenschloss schlängelt.
Architektonische Meisterleistung
Als älteste rein gotische Hallenkirche Deutschlands wurde das Bauwerk aus heimischem Sandstein über einem kreuzförmigen Grundriss errichtet. Der Deutsche Orden initiierte den Bau im Jahr 1235, geweiht wurde die Kirche 1283. Die beiden rund 80 Meter hohen Türme wurden um 1340 vollendet.
Das Innere überrascht mit einem ungewohnt weiten, harmonischen Raumgefühl, da die Seitenschiffe mit 20 Metern exakt dieselbe Höhe wie das Mittelschiff haben. Durch die hohen, spitzen Lanzettfenster fällt das Tageslicht direkt auf den markanten Drei-Konchen-Chor (einen kleeblattförmigen Chorabschluss) am Ostende. Auch an der Außenfassade verbergen sich feine Details: Die beiden Westtürme tragen unterschiedliche Bekrönungen. Auf dem Nordturm funkelt ein Stern, auf dem Südturm wacht ein Deutschordensritter mit Schild.
Das Erbe der heiligen Elisabeth
Die heilige Elisabeth (1207–1231) gründete 1228 in Marburg ein Spital für die Armen und Kranken. Nach ihrer Heiligsprechung 1235 übertrug ihr Schwager Konrad von Thüringen das Areal dem Deutschen Orden. Die Ordensritter erbauten die Kirche direkt über ihrem Grab und schufen damit eine der bedeutendsten Wallfahrtsstätten des Mittelalters.
Die religiöse Ausrichtung änderte sich 1539 grundlegend, als Landgraf Philipp der Großmütige in Hessen die Reformation einführte. Um dem Heiligenkult ein Ende zu setzen, ließ er Elisabeths Gebeine entfernen und wandelte die Kirche in eine lutherische Predigtstätte um. Während der prachtvolle goldene Schrein aus dem 13. Jahrhundert bis heute vor Ort geblieben ist, wurden Elisabeths Gebeine während der Reformationszeit und den folgenden Kriegen über ganz Europa verstreut.
Schätze und historische Besonderheiten
Im Chorraum steht der Elisabethschrein aus dem 13. Jahrhundert, verziert mit getriebenem, vergoldetem Kupfer, feinstem Silberfiligran und antiken Kameen. Ein weiteres bemerkenswertes Kunstwerk ist das expressionistische Bronzekreuz von Ernst Barlach: 1931 aufgestellt, ließen es die Nationalsozialisten 1936 als „entartete Kunst“ entfernen. Es überstand die Zeit unbeschadet und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder an seinem ursprünglichen Platz angebracht.
Die Kirche birgt zudem überraschende Spuren des 20. Jahrhunderts. In der Nordturmkapelle befinden sich die wuchtigen Steinsarkophage des Weimarer Reichspräsidenten Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und seiner Frau. Nachdem die Särge 1945 in ein thüringisches Salzbergwerk ausgelagert worden waren, wurden sie von vorrückenden US-Truppen entdeckt und zur dauerhaften Beisetzung in die Elisabethkirche überführt.
Ein lebendiges Denkmal
Als aktive evangelische Pfarrkirche zieht der Bau jährlich rund 100.000 Besucher an. Das Hauptschiff steht Gästen und Pilgern tagsüber frei offen, lediglich für die Besichtigung des Chorraums und des Goldenen Schreins wird ein kleiner Eintritt erhoben. Neben Gottesdiensten bietet die Kirche eine renommierte Bühne für klassische Konzerte, Chormusik und feierliche Universitätsveranstaltungen.
FAQ
Kostet der Eintritt in die Elisabethkirche etwas?
Das Hauptschiff ist frei zugänglich. Für die Besichtigung des Chorraums und des Goldenen Schreins wird jedoch ein kleiner Eintritt erhoben.
Was ziert die Spitzen der beiden Türme?
Die Westtürme tragen unterschiedliche Symbole: Die Spitze des Nordturms schmückt ein Stern, während auf dem Südturm ein Deutschordensritter mit Schild thront.
Wo befinden sich die Reliquien der heiligen Elisabeth?
Das goldene Reliquiar aus dem 13. Jahrhundert steht noch heute in der Kirche, die Gebeine der heiligen Elisabeth wurden jedoch während der Reformation und den darauffolgenden Kriegen über ganz Europa verstreut.



