
Rathaus-Glockenspiel: Münchens berühmte Turmuhr
Das Rathaus-Glockenspiel und das Neue Rathaus
Das Rathaus-Glockenspiel sitzt mitten in der prunkvollen Fassade des Neuen Rathauses, das die Nordseite des Marienplatzes im Zentrum Münchens beherrscht. Georg von Hauberrisser entwarf den riesigen Kalksteinkomplex im neugotischen Stil, errichtet wurde er zwischen 1867 und 1905 in drei Bauabschnitten. Um Platz für diesen Monumentalbau zu schaffen, ließ die Stadt kurzerhand bestehende Wohnblöcke abreißen. Denn das benachbarte mittelalterliche Alte Rathaus platzte angesichts der wachsenden Verwaltung längst aus allen Nähten.
Glockenspiel und mechanisches Schauspiel
Jeden Tag versammeln sich Menschentrauben auf dem Platz, um das Glockenspiel zu erleben: Täglich um 11:00 und 12:00 Uhr, in den Sommermonaten zusätzlich um 17:00 Uhr, erwachen die Figuren zum Leben. Auf zwei Etagen lassen die bunten Gestalten historische Begebenheiten lebendig werden.
Neben den Aufführungen am Tag gibt es abends gegen 21:00 Uhr eine deutlich beschaulichere Tradition: Zu Johannes Brahms’ Wiegenlied und Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg treten Nachtwächter und Schutzengel auf den Plan, um das Münchner Kindl ins Bett zu begleiten.
Mönche, Maut und der Münchner Salzstreit
Der Marienplatz ist die historische Keimzelle der Münchner Stadtentwicklung. Schon der Name München leitet sich vom mittelhochdeutschen apud Munichen ab, was so viel wie „bei den Mönchen“ bedeutet. Gemeint waren Klostersiedlungen aus dem 8. Jahrhundert rund um den Petersbergl, die den Klöstern Tegernsee oder Schäftlarn unterstanden. Vor der Mitte des 12. Jahrhunderts gab es hier allerdings keine echte Stadt, sondern lediglich eine unbefestigte Furt durch die Isar.
In den 1150er-Jahren verliefen die einträglichen Salzhandelsrouten aus Bad Reichenhall und Berchtesgaden über Oberföhring, einen Außenposten unter der Kontrolle von Bischof Otto von Freising. Um 1156 fackelte Herzog Heinrich der Löwe nicht lange: Er zerstörte die bischöfliche Brücke samt Markt, um die Zolleinnahmen selbst einzustreichen. Heinrich leitete die Salzwagen nach Süden um und errichtete bei der Mönchssiedlung eine neue Brücke, einen Marktplatz und eine Münzstätte. Bischof Otto rief Kaiser Friedrich I. Barbarossa an, der den Konflikt am 14. Juni 1158 auf dem Reichstag zu Augsburg beilegte. Im daraus resultierenden Augsburger Schied bestätigte Barbarossa zwar Heinrichs Markt- und Münzrechte, verpflichtete ihn jedoch, ein Drittel aller Zolleinnahmen für alle Zeiten an das Bistum Freising abzuführen. Aus diesem Markt, der anfangs Schrannenplatz hieß, ging später der Marienplatz hervor.
Turmikongrafie und architektonische Details
Ganze 85 Meter ragt der zentrale Rathausturm über den Platz, gekrönt vom Münchner Kindl. Das Wahrzeichen geht auf den Mönch im mittelalterlichen Stadtwappen zurück. Die Bronzestatue auf der Spitze trägt eine weite Kutte und hält ein Evangelienbuch in den Händen. Als die Figur zur Fertigstellung des Turms 1905 gegossen wurde, stand dem Bildhauer Anton Schmid sein neunjähriger Sohn Ludwig Schmid-Wildy Modell. Schmid-Wildy wurde später ein bekannter Münchner Volksschauspieler und Komiker.
Unterhalb des Turms schmücken filigrane Steinmetzarbeiten und lebensgroße Standbilder wichtiger Herrscher der bayerischen Geschichte die Fassade. Darunter finden sich Stadtgründer Heinrich der Löwe und die Herrscher der Wittelsbacher-Dynastie. Heinrich ist zwar an der Fassade verewigt, doch Barbarossa setzte ihn bereits 1180 wieder ab und übertrug das Herzogtum Bayern an Otto I. von Wittelsbach.
Das Rathaus heute
Das Neue Rathaus ist bis heute der aktive Sitz der Stadtregierung. Hier arbeiten der Münchner Stadtrat, der Oberbürgermeister und zwei weitere Bürgermeister. Hinter den Mauern verbirgt sich jedoch noch mehr: Neben der Verwaltung beherbergt das Gebäude die Juristische Bibliothek und den traditionsreichen Ratskeller im Gewölbekeller. Ein Aufzug bringt dich hinauf zur Aussichtsplattform des Turms.
FAQ
Zu welchen Uhrzeiten spielt das Rathaus-Glockenspiel?
Das Glockenspiel ertönt täglich um 11:00 und 12:00 Uhr, in den Sommermonaten zusätzlich um 17:00 Uhr. Jeden Abend gegen 21:00 Uhr gibt es außerdem das Nachtwächter-Spiel zu sehen.
Welche Statue steht auf der Turmspitze?
Auf der Spitze des 85 Meter hohen Turms thront das Münchner Kindl. Die Bronzefigur basiert auf dem Mönch aus dem mittelalterlichen Stadtwappen. Für die 1905 gefertigte Statue stand der neunjährige Ludwig Schmid-Wildy Modell, der später ein bekannter Münchner Volksschauspieler und Komiker wurde.
Wofür wird das Neue Rathaus heute genutzt?
Das Neue Rathaus ist die Schaltzentrale der Münchner Stadtverwaltung mit Stadtrat, Oberbürgermeister und zwei weiteren Bürgermeistern. Zudem beherbergt es die Juristische Bibliothek, das Restaurant Ratskeller im Kellergewölbe und eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform auf dem Turm.




