Jesuitenkirche St. Michael in München: Geschichte und Architektur - Munchen
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Jesuitenkirche St. Michael in München: Geschichte und Architektur

Munchen, Germany

Die Jesuitenkirche St. Michael in München ist eines der eindrucksvollsten Monumente der Gegenreformation in Mitteleuropa. Herzog Wilhelm V. von Bayern gab das Bauwerk für den Jesuitenorden in Auftrag, gedacht als architektonische Machtdemonstration des katholischen Selbstbewusstseins. Bei ihrer Weihe am 6. Juli 1597 brach die Kirche radikal mit mittelalterlichen Stadtbautraditionen: Ihre monumentale Fassade im Palaststil schob sich selbstbewusst direkt an die Fluchtlinie der Neuhauser Straße.

Renaissance-Architektur und das gewaltige Tonnengewölbe

Entworfen unter der Leitung des Hofkünstlers Friedrich Sustris und des Baumeisters Wendel Dietrich, orientiert sich St. Michael am römischen Vorbild Il Gesù. Mit rund 78,2 Metern Länge, 20,3 Metern Breite und 28,2 Metern Höhe zählt der Sakralbau zu den größten Renaissancekirchen nördlich der Alpen.

Die wahre bauliche Meisterleistung verbirgt sich im Inneren: das durchgehende, freitragende Tonnengewölbe. Auf über 20 Metern Spannweite kommt es ganz ohne stützende Säulen aus. Zur Zeit seiner Fertigstellung galt es weltweit als zweitgrößtes Gewölbe dieser Art, übertroffen nur vom Petersdom in Rom. Hohe Obergadenfenster fluten den weißen Stuckraum mit Licht und schaffen eine fast ehrfürchtige Stille, die den Trubel der Fußgängerzone schlagartig verstummen lässt.

Die dreigeschossige Straßenfassade zieren 15 Statuen von Wittelsbacher und bayerischen Herrschern, die sich dem Schutz des katholischen Glaubens verschrieben hatten. Zwischen den beiden Hauptportalen triumphiert der Erzengel Michael als bronzene Monumentalplastik, 1588 von Hubert Gerhard gegossen, den Teufel zu seinen Füßen niederringend.

Gegenreformation und der Einsturz von 1590

Der Bau von St. Michael war das Herzstück von Herzog Wilhelms V. Religionspolitik und knüpfte an die Berufung der Jesuiten durch Herzog Albrecht V. im Jahr 1556 an. Um an der Neuhauser Straße genug Platz für Kirche und Kolleg zu schaffen, ließ der bayerische Staat kurzerhand 87 Bürgerhäuser abreißen, trotz erbitterten Widerstands der Münchner Bürgerschaft.

Der erste Spatenstich fiel 1583, die Grundsteinlegung folgte 1585. Doch 1590 geschah die Katastrophe: Der frisch vollendete Turm stürzte ein und begrub den ursprünglichen Chor unter seinen Trümmern. Statt die Pläne kleinlaut einzustampfen, deutete Wilhelm V. das Desaster kurzerhand als göttlichen Auftrag zur Vergrößerung. Er wies Friedrich Sustris an, ein gewaltiges Querschiff, einen vergrößerten Chor und die monumentale Schaufassade einzuplanen, wie man sie heute sieht. Das gigantische Bauprojekt leerte die herzogliche Schatulle allerdings derart gründlich, dass Wilhelm V. 1597 abdanken musste. Die Herrschaft überließ er seinem Sohn Maximilian I., der später die Katholische Liga im Dreißigjährigen Krieg anführen sollte.

Die Wittelsbacher-Gruft

Unter dem Chor liegt die Wittelsbacher-Gruft, eine bedeutende Grablege des Hauses Bayern, die gegen Eintritt zugänglich ist. Das Gewölbe birgt die sterblichen Überreste zahlreicher Herrscher, darunter der Bauherr Herzog Wilhelm V., Kurfürst Maximilian I. und König Ludwig II.

Märchenkönig Ludwig II. ruht in einem gewaltigen Sarkophag aus dunklem Zink, vor dem Besucher bis heute regelmäßig Blumen niederlegen. Einer alten Wittelsbacher Tradition folgend wurden Ludwig II. und Herzog Wilhelm V. übrigens ohne ihre Herzen beigesetzt: Diese entnahm man gesondert und verwahrt sie bis heute in silbernen Urnen in der Gnadenkapelle von Altötting.

Lebendige Liturgie und Chortradition

St. Michael ist bis heute eine aktive römisch-katholische Kirche und ein geistliches Zentrum der Jesuiten. Neben täglichen Gottesdiensten, Beichten und seelsorgerischen Angeboten hat sich die Kirche als renommierter Kulturort etabliert: Die großartige Akustik des weiten Langhauses bildet regelmäßig die Kulisse für klassische und liturgische Chor- und Orgelkonzerte.

FAQ

Wann wurde die Jesuitenkirche St. Michael erbaut?

Der erste Spatenstich erfolgte 1583, die Grundsteinlegung 1585 und die feierliche Weihe am 6. Juli 1597.

Was macht das Tonnengewölbe von St. Michael so besonders?

Das freitragende Tonnengewölbe überspannt mehr als 20 Meter völlig ohne Pfeiler im Innenraum. Zur Zeit seiner Fertigstellung war es nach dem Petersdom das zweitgrößte Gewölbe der Welt.

Wer liegt in der Wittelsbacher-Gruft von St. Michael begraben?

In der Gruft ruhen bedeutende bayerische Herrscher, darunter Kirchenstifter Herzog Wilhelm V., Kurfürst Maximilian I. und König Ludwig II.

Warum wurde die Kirche nach dem Erzengel Michael benannt?

Herzog Wilhelm V. wählte den Erzengel Michael auch deshalb als Schutzpatron, weil er selbst an einem Michaelistag, dem 29. September, geboren wurde.

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