
Pfaffenteich: Schwerins historische Uferpromenade
Zwischen dem Schweriner Hauptbahnhof und der mittelalterlichen Altstadt liegt der Pfaffenteich, ein zwölf Hektar großes, vom Aubach gespeistes Gewässer. Das Becken bildet ein malerisches Entree: Es leitet in die städtische Erweiterung des 19. Jahrhunderts über und rahmt zugleich den Blick nach Süden auf das ehrwürdige Domviertel.
Vom mittelalterlichen Mühlenteich zur Flaniermeile
Das Gewässer entstand um 1178, als man den Aubach aufstaute, um städtische Mühlen anzutreiben und den Schweriner Verteidigungsgraben mit Wasser zu füllen. Über Jahrhunderte blieb das Areal ein reines Nutzgewässer. Seinen Namen verdankt der Teich den „Pfaffen“, also den Geistlichen des Schweriner Doms, die einst an seinem Ostufer ihre Gärten pflegten und bewässerten.
In den 1840er-Jahren veranlasste Großherzog Friedrich Franz II. die Umgestaltung des schlichten Mühlenteichs in ein elegantes Stadtbecken. Hofbaurat Georg Adolph Demmler gestaltete die Wasserfläche neu und fasste sie mit baumbestandenen Promenaden ein. Zwischen 1840 und 1844 errichtete Demmler am Ostufer das Zeughaus im Neotudorstil, dem sich bald rings um das Ufer repräsentative Bürgerhäuser anschlossen.
Besonderheiten am Ufer und versteckte Details
Heute ist der Pfaffenteich ein lebendiger Treffpunkt mit Straßencafés, breiten Flanierwegen und terrassierten Steintreppen. Von Frühling bis Herbst schallt das leise Tuckern und die Glocke der kleinen Personenfähre „Petermännchen“ über das Wasser und mischt sich mit dem Stimmengewirr der Cafétische im Freien.
Entlang der Promenade gibt es einige kuriose Details zu entdecken. Eine Bronzebüste von 1895 am Ostufer erinnert an den in Mecklenburg geborenen Archäologen Heinrich Schliemann, weltberühmt für die Ausgrabung des antiken Troja. Draußen auf dem Wasser ankert seit 1937 die sogenannte Schwaneninsel, ein schwimmendes Holzfloß mit Reetdach als Zuflucht für das ansässige Federvieh. Und weil das Kraut im Teich besonders üppig wuchert, rücken städtische Boote mit Unterwassermähwerken jedes Jahr zur Mahd des Teichgrunds an.
Ein getarntes Kraftwerk und moderne Kultur
Am Nordufer ragt ein verspielter, schlossartiger Bau mit Neorenaissance-Backstein und Türmchen auf. Doch hier residierte kein Adel. Das Gebäude entstand 1904 als städtisches Elektrizitätswerk und lieferte bis 1944 Strom. Die Architekten tarnten den Industriebau ganz bewusst, um die romantische Kulisse der Uferpromenade nicht zu stören.
Das einstige Kraftwerk hat längst eine neue Bestimmung gefunden und dient heute als Spielstätte des Mecklenburgischen Staatstheaters. Auch sonst pulsiert hier das städtische Leben, etwa wenn alljährlich das traditionsreiche Schweriner Drachenbootfestival über den Pfaffenteich zieht.
FAQ
Warum heißt der See Pfaffenteich?
Der Name Pfaffenteich leitet sich von den „Pfaffen“ ab, wie die Geistlichen des nahe gelegenen Schweriner Doms genannt wurden. Sie bewirtschafteten einst die Gärten am Ostufer des Sees.
Was ist das schlossartige Gebäude am Nordufer?
Das verzierte Gebäude am Nordufer ist ein ehemaliges städtisches Elektrizitätswerk aus dem Jahr 1904. Seine Neorenaissance-Backsteinfassade mit Türmchen wurde eigens entworfen, um den industriellen Zweck zu verschleiern und das harmonische Bild der Promenade zu wahren.
Gibt es Bootsfahrten auf dem Pfaffenteich?
Ja, von Frühling bis Herbst verkehrt auf dem See eine kleine Personenfähre namens „Petermännchen“.



