
Schelfkirche: Schwerins barockes Backsteinmeisterwerk
Eine barocke Verwandlung aus dem Sturm
Auf dem Gelände der Schelfkirche, offiziell St. Nikolai, stehen nachweislich seit mindestens 1217 sakrale Gebäude. Eine zwischen 1228 und 1238 gestiftete Steinkirche prägte den Ort, bis ein heftiger Orkan im Dezember 1703 den mittelalterlichen Turm zum Absturz brachte. Herzog Friedrich Wilhelm I. von Mecklenburg-Schwerin sah in diesem Desaster eine Chance. Er gab ein neues Gotteshaus in Auftrag, das das religiöse Zentrum seiner geplanten barocken Vorstadt Schelfstadt im 18. Jahrhundert werden sollte. Das Gebäude markierte Schwerins Übergang vom mittelalterlichen Stadtkern zu den frühneuzeitlichen herzoglichen Erweiterungen.
Architektonische Bedeutung und Design
Die zwischen 1705 und 1708 in Auftrag gegebene Schelfkirche ist die erste große nachreformatorische Kirche in Mecklenburg und die einzige reine Backsteinbarockkirche in der Region Westmecklenburg. Ihre dunkelrote Backsteinfassade und der markante Turm erheben sich unvermittelt über das Kopfsteinpflaster des offenen Schelfmarkts. Das Gebäude ist eine seltene norddeutsche Zentralbaukirche in Form eines griechischen Kreuzes.
Der ursprüngliche Architekt Jacob Reutz starb vor der Weihe der Kirche im September 1713. Sein Nachfolger Leonhard Christoph Sturm vollendete das Projekt mit einem abweichenden Innenraumkonzept. Im Jahr 1858 brachten Großherzog Friedrich Franz II. und der Denkmalschützer Georg Christian Friedrich Lisch die Kirche wieder näher an Reutz' ursprünglichen Raumplan heran. Das Innere besticht heute durch eine luftige, symmetrische Aufteilung mit weiß-goldenen Holzarbeiten, Buntglasfenstern, einer erhöhten großherzoglichen Loge sowie einem Altarbild von Gaston Lenthe und einer Orgel von Friedrich Friese III.
Die Fürstengruft und die natürliche Mumifizierung
Von 1713 bis 1813 diente die Gruft unter dem Altar als offizielle Grablege des mecklenburg-schwerinschen Herzogshauses. Weder Herzog Friedrich Wilhelm I. noch Architekt Jacob Reutz erlebten die Fertigstellung des Baus, und der Herzog wurde als allererste Person in der neuen Gruft beigesetzt.
Heute beherbergt die 45 Quadratmeter große Gruft die Särge von 17 Mitgliedern der herzoglichen Dynastie, darunter Königin Sophie Luise von Preußen. Ein einzigartiges Mikroklima sorgte dafür, dass einige der dort bestatteten Royals auf natürliche Weise mumifiziert wurden. Ihre sterblichen Reste blieben in samtenen Särgen erhalten, gekleidet in Brokatmäntel, Rüschenhemden und Seidenstrümpfe. Nach modernen Sanierungsmaßnahmen gegen Schimmel und Hausschwamm zwischen 2006 und 2008 wurden diese Artefakte vollständig konserviert.
Moderne Rolle und UNESCO-Status
Die Schelfkirche fungiert nach wie vor als aktive evangelisch-lutherische Pfarrkirche. Das Gebäude ist täglich für die Öffentlichkeit zugänglich und beherbergt regelmäßige Gottesdienste, Kulturveranstaltungen und klassische Konzerte, die die bemerkenswerte Akustik nutzen. Auch die restaurierte Fürstengruft können Besucher zu den angegebenen Öffnungszeiten besichtigen. Im Jahr 2024 wurde der historische und architektonische Wert der Kirche offiziell gewürdigt, als sie als integraler Bestandteil des Residenzensembles Schwerin in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde.
FAQ
Welchen Baustil hat die Schelfkirche?
Die Schelfkirche ist eine seltene norddeutsche barocke Zentralbaukirche aus rotem Backstein in Form eines griechischen Kreuzes. Sie ist die einzige reine Backsteinbarockkirche in der Region Westmecklenburg.
Wer ist in der Gruft der Schelfkirche begraben?
Die Gruft enthält die Särge von 17 Mitgliedern der mecklenburg-schwerinschen Herzogsdynastie. Darunter befinden sich Herzog Friedrich Wilhelm I., der die Kirche in Auftrag gab, sowie Königin Sophie Luise von Preußen.
Ist die Schelfkirche für die Öffentlichkeit zugänglich?
Ja, das Gebäude fungiert als aktive evangelisch-lutherische Pfarrkirche und ist täglich für Besucher geöffnet. Es finden dort Gottesdienste, Kulturveranstaltungen und klassische Konzerte statt, und die restaurierte Fürstengruft ist zu bestimmten Öffnungszeiten zugänglich.



