
Schweriner Dom: Geschichte und Mecklenburgs höchster Turm
Die prägende Silhouette von Schwerins Skyline stammt überraschenderweise aus dem späten 19. Jahrhundert und wurde exakt 50 Zentimeter höher gebaut als ihr ärgster Konkurrent. Der St.-Marien-Dom zu Schwerin, oft einfach Schweriner Dom genannt, ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt und die einzige echte Kathedrale in Mecklenburg-Vorpommern.
Eine Pilgerreise und architektonische Evolution
Von Heinrich dem Löwen in den Jahren 1171–1172 gegründet, wurde der romanische Ursprungsbau aus Stein 1248 geweiht. Die Verwandlung des Gebäudes in eine ausgedehnte norddeutsche Backsteingotik-Basilika begann nach 1222, als Graf Heinrich von Schwerin vom Fünften Kreuzzug ein Reliquiar mitbrachte, das angeblich einen Tropfen des Heiligen Blutes enthielt. Der daraufhin einsetzende Pilgerstrom finanzierte direkt eine massive gotische Erweiterung zwischen 1270 und 1416, bei der Langhaus, Querschiffe und Kapellen fertiggestellt wurden.
Während der Reformation wurde das Gebäude in einen evangelisch-lutherischen Dom umgewandelt. Seine Chorumgänge wurden zu den wichtigsten Grablegen des herzoglichen Hauses Mecklenburg und dienten als letzte Ruhestätte für Persönlichkeiten wie Großherzog Friedrich Franz II.
Der turmhohe Wettstreit
Jahrhundertelang fehlte dem Dom ein hoher Turm. Zwischen 1889 und 1893 entwarf und errichtete Baumeister Georg Daniel den neugotischen Westturm als Ersatz für einen bescheideneren Vorgängerbau. Mit einer Höhe von 117,5 Metern wurde er bewusst so konstruiert, dass er die Petrikirche in Rostock um exakt einen halben Meter überragte, womit er sich offiziell den Titel des höchsten Kirchturms Mecklenburgs sicherte.
Im Inneren des Doms
Mit einer Länge von rund 105 Metern besticht das Innere durch getünchte gotische Gewölbe, die sich in 26,5 bis 29 Metern Höhe spannen und von bemalten Bögen mit rotem und türkisem Linienwerk eingefasst werden. Der Raum bildet eine faszinierende Zeitleiste der Kunst, in der ein bronzenes Taufbecken von 1325 und ein Triumphkreuz von 1420 auf moderne, tiefblaue Glasfenster des zeitgenössischen Künstlers Günther Uecker treffen.
Musikalisches Erbe und Panoramablicke
Im Dom befindet sich die größte erhaltene Orgel des Orgelbaumeisters Friedrich Ladegast. Das 1871 installierte Instrument verfügt über vier Manuale, 84 Register und 5.100 Zinnpfeifen, die bei regelmäßigen klassischen Konzerten tiefe, resonante Klänge erzeugen.
Unmittelbar hinter dem historischen Markt gelegen, fungiert der Dom als spirituelles Gegengewicht zur weltlichen Macht des Schweriner Schlosses und bildet den Anker des 2024 ernannten UNESCO-Welterbes Residenzensemble Schwerin. Besucher können eine 220-stufige Treppe im Inneren des Westturms erklimmen und dabei an fünf historischen Glocken vorbeigehen, deren älteste aus dem Jahr 1363 stammt, um eine offene Galerie zu erreichen, die einen 360-Grad-Blick auf das Schloss, die Dächer der Altstadt, den Schweriner See und den Pfaffenteich bietet.
FAQ
Wie hoch ist der Turm des Schweriner Doms?
Der Westturm ist 117,5 Meter hoch und damit der höchste Kirchturm im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Er wurde bewusst 50 Zentimeter höher gebaut als die Petrikirche in Rostock.
Welchen Baustil hat der Schweriner Dom?
Die Hauptbasilika wurde zwischen 1270 und 1416 im Stil der norddeutschen Backsteingotik erbaut, während der Westturm eine neugotische Ergänzung aus dem späten 19. Jahrhundert ist.
Warum wurde der Dom im 13. Jahrhundert erweitert?
Die massive gotische Erweiterung wurde durch einen Pilgerstrom finanziert, der zu einem Reliquiar pilgerte, das angeblich das Heilige Blut enthielt, welches Graf Heinrich von Schwerin 1222 mitgebracht hatte.
Kann man den Turm des Schweriner Doms besteigen?
Ja, Besucher können über eine 220-stufige Treppe im Inneren des Westturms eine Aussichtsplattform erreichen, die einen Panoramablick auf das Schweriner Schloss, die Altstadt und die umliegenden Seen bietet.



