
Kron-Lastadie: Stralsunds historische Hafenterrasse
Von der schwedischen Bastion zum preußischen Kanonenschuppen: Eine einzige Holzstruktur dokumentiert Stralsunds dramatischen Wandel von der schwer bewaffneten Festung zu einem einladenden modernen Hafen. Die Kron-Lastadie ist der physische und historische Wendepunkt, an dem Stralsunds zum UNESCO-Welterbe gehörender mittelalterlicher Kern auf die Hafenerweiterungen der Hafeninsel aus dem 19. Jahrhundert trifft.
Erbe der Hafenverteidigung
Während der schwedischen Herrschaft zwischen 1648 und 1815 war Stralsund eine stark befestigte Garnisonsstadt. Das Ufer an diesem Standort wurde als Kronlastadiebastion ausgebaut, um den Hafen zu verteidigen. Der Name spiegelt diese Geschichte wider: "Lastadie" ist ein historischer niederdeutscher Hansebegriff für einen Ladekai oder eine Werft, während das Präfix "Kron-" auf die schwedische Krone verweist.
1815 übernahm Preußen die Kontrolle über Vorpommern und richtete dort ein Marinedepot ein. Zwischen 1864 und 1865 errichtete das preußische Militär ein Fachwerkgebäude, einen sogenannten Kanonenwagenschuppen, in dem Artilleriewagen und Lafetten für die wachsende Garnison untergebracht wurden.
Anpassung und Überleben
Als Stralsund im späten 19. Jahrhundert seinen offiziellen Festungsstatus verlor, wurden die Wallanlagen der Stadt abgetragen. Trotz des Abrisses der umliegenden Befestigungen überlebte das markante Fachwerkgebäude. Seine Erhaltung verdankt es allein seiner baulichen Anpassungsfähigkeit, denn es wechselte nahtlos von der Lagerung schwerer Militärartillerie zur Aufbewahrung von Getreidesäcken als Getreidespeicher.
Der moderne Stadtbalkon
Nach Jahrzehnten des industriellen Hafenniedergangs wurde das Areal zwischen 2009 und 2011 umfassend umgestaltet. Das historische Holzgerüst von 1865 wurde in einen neuen Uferkomplex integriert, der von den Architekten Gnadler, Meyn und Woitassek entworfen wurde. Die moderne Architektur wurde gezielt so gestaltet, dass sie den Grundriss der ehemaligen schwedischen Bastion aus dem 17. Jahrhundert nachbildet.
Heute ist die Kron-Lastadie ein lebendiger Treffpunkt zwischen der Straße Am Fischmarkt und dem Querkanal mit Craft-Beer-Lokalen, Cafés und Restaurants. Der visuelle Kontrast aus dunklem, freiliegendem Holz des 19. Jahrhunderts und moderner Glas- sowie Kaimauerarchitektur sorgt für eine eindrucksvolle Hafenkulisse. Gekrönt wird das Ensemble vom Stadtbalkon, einer zugänglichen Dachterrasse mit Panoramablick auf das alte Hafenbecken, das Ozeaneum und vertäute Großsegler, untermalt vom Klirren der Takelage an den Masten über dem angrenzenden Wasser.
FAQ
Was bedeutet der Name Kron-Lastadie?
"Lastadie" ist ein historischer niederdeutscher Hansebegriff, der einen Ladekai oder eine Werft bezeichnet. Das Präfix "Kron-" bezieht sich auf die schwedische Krone, die im 17. Jahrhundert ursprünglich eine Verteidigungsbastion an diesem Ort errichten ließ.
Wofür wurde die Kron-Lastadie ursprünglich genutzt?
Das erhaltene Fachwerkgebäude wurde 1864 bis 1865 von Preußen als Kanonenwagenschuppen erbaut, um Artilleriewagen für die militärische Garnison der Stadt zu lagern.
Was können Besucher heute vom Stadtbalkon aus sehen?
Die zugängliche Dachterrasse des Stadtbalkons bietet einen Panoramablick auf Stralsunds altes Hafenbecken, den Querkanal, vertäute Großsegler und das benachbarte Ozeaneum auf der Hafeninsel.



