Kütertor: Stralsunds mittelalterlicher backsteingotischer Torturm - Stralsund
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Kütertor: Stralsunds mittelalterlicher backsteingotischer Torturm

Stralsund, Germany

Ein hanseatisches Wahrzeichen, das überdauert hat

Das Kütertor ist ein 15 Meter hoher spätgotischer Backsteintorturm in Stralsund. Erstmals 1281 als einfaches Verteidigungsbauwerk der Stadtmauer erwähnt, erhielt es 1446 unter Einbeziehung des bestehenden Mauerwerks seine heutige Gestalt.

Das Bauwerk besticht durch eine markante Durchfahrt mit Spitzbogen, dekorative Blenden im Backsteinmauerwerk und ein steiles Walmdach mit schlankem Dachreiter. Am westlichen Rand der Altstadtinsel an der Kreuzung von Heilgeiststraße, Bielkenhagen und Am Kütertor gelegen, ist es eines von nur noch zwei erhaltenen der einst zehn Stralsunder Stadttore. Heute steht der Turm unter Denkmalschutz und gehört zum UNESCO-Welterbe „Historische Altstädte Stralsund und Wismar“.

Die Zunft der Kuttelschlachter

Anders als viele mittelalterliche Bauten, die nach reichen Kaufleuten oder angesehenen Familien benannt wurden, verdankt das Kütertor seinen Namen einer handfesten Handwerkerzunft: den Kütern. Diese Schlachter verarbeiteten tierische Innereien und Reste, im Niederdeutschen Küt genannt.

Weil dieses Handwerk eine blutige, geruchsintensive Angelegenheit war und Unmengen an Wasser verbrauchte, wurden die Küter ganz gezielt am Stadtrand nahe den Teichen der Befestigungsanlagen angesiedelt. Um den Zugang zur Hansestadt zu kontrollieren, wohnte im angrenzenden Torschließerhaus ein Torwächter, der ankommende Fuhrwerke überprüfte und das Stadttor sicherte.

Jahrhunderte ständiger Verwandlung

Im Lauf der Jahrhunderte durchlief das Kütertor die unterschiedlichsten städtischen Nutzungen. Über seine ursprüngliche Funktion als Wehrtor an der Landseite hinaus diente das Torhaus über 400 Jahre lang als städtisches Gefängnis, eine Rolle, die es erst 1862 ablegte.

Später wurde der Turm als Teil einer Wasserturmanlage in das Wasserwerk der Stadt integriert. Von 1963 bis 2003 erlebte der Torkomplex ein völlig neues Kapitel, als er zu einer Jugendherberge umfunktioniert wurde.

Moderner Neuanfang

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten zwischen 2012 und 2015 wurden der Torturm und die umgebenden historischen Wirtschaftsgebäude in ein Wohnquartier namens „Areal am Kütertor“ umgewandelt.

Im angrenzenden Torschließerhaus empfängt heute ein uriges Restaurant seine Gäste. Die eigentliche Tordurchfahrt bleibt derweil für Autos und Fußgänger geöffnet und verbindet das mittelalterliche Straßennetz der Altstadt mit der Uferpromenade und den grünen Wallanlagen des Knieperwalls.

FAQ

Warum heißt das Tor Kütertor?

Das Tor ist nach den Kütern benannt, einer mittelalterlichen Zunft von Schlachtern, die tierische Innereien und Reste (Küt) verarbeiteten. Da ihr Handwerk viel Wasser verbrauchte und unangenehme Gerüche erzeugte, waren sie gezielt am Stadtrand in der Nähe des Tores angesiedelt.

Wie viele historische Stadttore gibt es noch in Stralsund?

Von den ursprünglich zehn mittelalterlichen Stadttoren, fünf zur Land- und fünf zur Seeseite, sind heute nur noch zwei erhalten: das Kütertor und das Kniepertor.

Wofür wurde das Kütertor im Lauf der Geschichte genutzt?

Ursprünglich als Kontroll- und Verteidigungsposten erbaut, diente das Bauwerk über 400 Jahre lang bis 1862 als städtisches Gefängnis. Anschließend wurde es für die städtische Wasserversorgung genutzt, diente von 1963 bis 2003 als Jugendherberge und wurde zwischen 2012 und 2015 zu einer Wohnanlage umgestaltet.

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