Wulflamhaus Stralsund: Geschichte und Architektur - Stralsund
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Ziel

Wulflamhaus Stralsund: Geschichte und Architektur

Stralsund, Germany

Ein Meisterwerk der Backsteingotik

Direkt am Alten Markt 5, mitten im UNESCO-Welterbe von Stralsund, steht das Wulflamhaus, ein monumentales Prachtstück der norddeutschen Backsteingotik. Um 1350 vom einflussreichen Ostseekaufmann Bertram Wulflam in Auftrag gegeben, war dieses spätmittelalterliche Patrizierhaus von Beginn an als politisches Statement gedacht. Sein kunstvoller Schaugiebel spiegelt ganz bewusst die Schaufassade des Stralsunder Rathauses auf der gegenüberliegenden Platzseite wider. Eine herrlich provokante Zurschaustellung von privatem Reichtum und Machtanspruch, und das lange bevor Wulflam 1364 überhaupt Bürgermeister der Stadt wurde.

Die Fassade des Wulflamhauses besticht durch einen kunstvollen Rhythmus aus warmen, roten Tonziegeln und dunkel glasierten Formsteinen. Schlanke, vieleckige Pfeiler ziehen sich über die gesamte Höhe des Giebels und rahmen offene Spitzbögen ein. Das Mauerwerk wirkt fast wie eine durchbrochene Kulisse: Durch kreisrunde Rosetten und Aussparungen im oberen Bereich blitzt das Tageslicht und der freie Himmel direkt durch die Wand. Im Inneren sorgt ein massiver hölzerner Stützpfeiler, der sogenannte Hausbaum, für authentische historische Atmosphäre, ergänzt durch erhaltene Freskenfragmente aus dem 15. Jahrhundert im oberen Saal.

Der ungekrönte König der Hanse

Bertram Wulflam stieg zu einem der wohlhabendsten Kaufleute des gesamten Ostseeraums auf und wurde nicht selten als „ungekrönter König der Hanse“ bezeichnet. 1370 handelte er den historischen Frieden von Stralsund aus. Doch sein Regierungsstil war alles andere als unumstritten. Ganze 28 Jahre lang bewahrte Wulflam die offizielle städtische Geldkiste in den eigenen vier Wänden auf, statt in den öffentlichen Ratsstuben. Wegen autokratischer Allüren und der Veruntreuung städtischer Gelder angeklagt, stürzte ihn 1391 ein Aufstand unter Führung des Reformrats Karsten Sarnow, woraufhin Wulflam ins Exil nach Lübeck fliehen musste.

Exil, Aufstand und eine makabre Rückkehr

Das politische Blatt wendete sich, als verbündete Hansestädte Stralsund mit einer Wirtschaftsblockade drohten. Die Patrizier rissen die Macht wieder an sich, und Sarnow wurde 1393 auf dem Alten Markt öffentlich enthauptet. Bertram Wulflam starb im selben Jahr im Exil, doch seine Geschichte war damit noch nicht zu Ende. Seine Söhne brachten den Leichnam zurück nach Stralsund und setzten den toten Vater auf den offiziellen Bürgermeisterstuhl im Rathaus, direkt gegenüber dem Familienpalais. Ein makabres Schauspiel, um dem verstorbenen Stadtoberhaupt vor seiner Beisetzung juristisch und symbolisch die Ehre wiederzugeben.

Das Wulflamhaus heute

Auch heute spielt das Wulflamhaus eine lebendige Rolle im Stralsunder Stadtleben. Im Erdgeschoss und auf der Hofterrasse laden die traditionsreichen Wulflamstuben zum Einkehren ein. Im hinteren Hof dient der Brauhausflügel aus dem 16. Jahrhundert als Spielstätte des Theaters Vorpommern. Zudem nutzt die Stadtverwaltung Büroräume in den oberen Etagen, womit das Gebäude seiner jahrhundertealten Verbindung zur Kommunalpolitik treu bleibt.

FAQ

Wer hat das Wulflamhaus in Stralsund erbaut?

Das Haus wurde um 1350 von Bertram Wulflam, einem wohlhabenden Ostseekaufmann und späteren Bürgermeister von Stralsund, als privater Wohnsitz in Auftrag gegeben.

Warum sieht das Wulflamhaus dem Stralsunder Rathaus so ähnlich?

Bertram Wulflam ließ den aufwendigen Schaugiebel bewusst nach dem Vorbild des gegenüberliegenden Rathauses gestalten, als provokantes Statement für seinen enormen privaten Reichtum und seine politische Macht.

Wie wird das Wulflamhaus heute genutzt?

Das Gebäude beherbergt das traditionsreiche Restaurant Wulflamstuben, städtische Verwaltungsbüros und im Brauhausflügel aus dem 16. Jahrhundert im hinteren Hof eine Spielstätte des Theaters Vorpommern.

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