St. Nikolaikirche: Stralsunds älteste Pfarrkirche - Stralsund
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St. Nikolaikirche: Stralsunds älteste Pfarrkirche

Stralsund, Germany

Die ehrwürdigen Backsteinmauern und die markante Doppelturmsilhouette von Stralsunds ältester Pfarrkirche lassen sich schon vom Platz aus bestaunen. Direkt neben dem gotischen Rathaus prägt die St.-Nikolai-Kirche den Alten Markt. Als Teil des UNESCO-Welterbes der historischen Altstädte von Stralsund und Wismar zeugt das Bauwerk bis heute vom mittelalterlichen Reichtum der Kaufleute und tiefer Frömmigkeit.

Ein Machtzentrum der Hanse

Geweiht dem heiligen Nikolaus von Myra, dem Schutzpatron der Seefahrer und Kaufleute, entstand die Kirche unter direkter Leitung und Finanzierung des Stadtrats. Sie war die offizielle Ratskirche und weit mehr als ein reines Gotteshaus, nämlich das bürgerliche und politische Nervenzentrum der Stadt.

Hier tagte der Rat, wurden Diplomaten empfangen und städtische Gesetze verkündet. Sogar das Stadtarchiv und die Ratsschreiber waren hier untergebracht. Ein historischer Verbindungsgang, der sogenannte Buttergang, verbindet noch heute das Rathaus und den Alten Markt direkt mit dem Westportal der Kirche und symbolisiert handfest die enge Verflechtung von weltlicher und geistlicher Macht im hanseatischen Stralsund.

Eindrucksvolle Architektur und mittelalterliche Farbfassung

Der Bau begann um 1234. Im 14. Jahrhundert wurde die Kirche nach dem Vorbild der Lübecker Marienkirche zu einer 87 Meter langen Basilika der Backsteingotik ausgebaut. Ihre unverwechselbare Silhouette verdankt sie einem verheerenden Brand im Jahr 1662, der die ursprünglichen gotischen Turmspitzen vernichtete. Heute krönt den Südturm eine 1667 aufgesetzte, 103 Meter hohe Barockhaube, während der Nordturm bis heute ein provisorisches Pyramidendach trägt.

Im Inneren bricht die Kirche mit der kühlen, weiß getünchten Schlichtheit vieler protestantischer Backsteinbauten. Der Raum überrascht mit einer meisterhaft restaurierten, mittelalterlichen Farbfassung: lebendige Gewölbemuster, farbenprächtige Fresken und kunstvoll bemalte Skulpturen.

Die astronomische Uhr und erhaltene Altäre

Einst zählten 56 Altäre zum Inventar der Kirche, gestiftet von wohlhabenden Zünften und Patrizierfamilien. Obwohl viele davon dem Bildersturm von 1525 zum Opfer fielen, sind bedeutende Stücke erhalten geblieben, darunter die Ältermannsaltäre der Bergen- und Nowgorodfahrer, der Altar der Schneidergesellen sowie der St.-Olavs-Altar. Im Chorumgang befindet sich zudem eine Stuckfigur der Anna Selbdritt aus dem späten 13. Jahrhundert, eine der ältesten erhaltenen Monumentalplastiken ihrer Art im gesamten Ostseeraum.

Hinter dem Hochaltar verbirgt sich ein echtes Meisterwerk: eine monumentale astronomische Astrolabiumsuhr, die Nikolaus Lilienfeld 1394 schuf. Sie gilt als die älteste mechanische Uhr der Welt, die noch über ihr originales Räderwerk verfügt. Auf ihrem Gehäuse findet sich zudem das älteste erhaltene Selbstporträt eines Uhrmachers im deutschsprachigen Raum.

Heutige Nutzung und musikalisches Erbe

Seit 1524 evangelisch-lutherisch, ist St. Nikolai auch heute eine lebendige Gemeinde. Die Kirche steht täglich für Besichtigungen, das persönliche Gebet und Führungen offen; für den touristischen Besuch wird ein Erhaltungsbeitrag erhoben. Über ihre sakrale und historische Bedeutung hinaus ist sie ein wichtiges Kulturzentrum, in dem das ganze Jahr über klassische und geistliche Konzerte, Orgelabende und Musikfestivals stattfinden.

FAQ

Wann wurde die St.-Nikolai-Kirche in Stralsund erbaut?

Der Bau der St.-Nikolai-Kirche begann um 1234, und 1279 wurde der Hochaltar geweiht. Im 14. Jahrhundert wurde sie zu einer großen Basilika der Backsteingotik erweitert.

Was macht die Uhr in der St.-Nikolai-Kirche so besonders?

In der Kirche befindet sich eine astronomische Astrolabiumsuhr von Nikolaus Lilienfeld aus dem Jahr 1394. Sie ist die älteste mechanische Uhr der Welt mit erhaltenem originalem Räderwerk. Zudem zeigt ihr Gehäuse das älteste erhaltene Selbstporträt eines Uhrmachers im deutschsprachigen Raum.

Warum sehen die beiden Kirchtürme unterschiedlich aus?

Ein Brand im Jahr 1662 zerstörte die ursprünglichen gotischen Turmspitzen. Der Südturm erhielt 1667 eine 103 Meter hohe barocke Haube, während der Nordturm mit einem pyramidenförmigen Notdach gedeckt wurde, das bis heute erhalten ist.

Kann man die St.-Nikolai-Kirche besichtigen?

Ja, die Kirche ist täglich für Besichtigungen und Führungen geöffnet, wobei für den regulären Besuch ein Erhaltungsbeitrag anfällt. Zudem finden hier regelmäßig Gottesdienste und Konzerte statt.

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