Stralsund Rathaus: Meisterwerk der hansischen Backsteingotik - Stralsund
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Stralsund Rathaus: Meisterwerk der hansischen Backsteingotik

Stralsund, Germany

Die mächtige Backsteingotik-Fassade, die den Alten Markt in Stralsund dominiert, ist nicht bloß ein Rathaus, sondern eine mittelalterliche Werbetafel, die ein riesiges historisches Lagerhaus verbirgt. Das Stralsunder Rathaus prägt die Südseite des Alten Marktes direkt neben der Nikolaikirche und gilt als norddeutsches Meisterwerk der Backsteingotik sowie als zentraler Bestandteil des UNESCO-Welterbes aus dem Jahr 2002.

Ein Handels- und Verwaltungspalast

Mit dem Bau des Komplexes wurde Mitte bis Ende des 13. Jahrhunderts begonnen, kurz nachdem Stralsund im Jahr 1234 das Stadtrecht erhalten hatte. Im Laufe des 14. Jahrhunderts folgten bedeutende Erweiterungen. Als herrschaftlicher Sitz und Handelszentrum konzipiert, diente das Gebäude gleichzeitig als geschäftige Börse und Lagerhaus. Im Erdgeschoss befanden sich rund 40 Händlerbuden, während in den weitläufigen Kellerräumen und Flügeln ausländische Weine und wertvolle importierte flämische Stoffe lagerten.

Die theatralische Schaufassade

Das Rathaus ist berühmt für seine monumentale nördliche Schaufassade, die zwischen dem 14. und frühen 15. Jahrhundert fertiggestellt wurde. Dieses kunstvolle Bauwerk besticht durch sechs vertikale Achsen, schlanke Fialen, Dreiecksgiebel und Wappen, die hansische Handelspartner wie Lübeck, Hamburg, Rostock, Greifswald und Wismar repräsentieren.

Die Fassade fungiert als architektonische Werbetafel und ragt mehrere Meter über die eigentliche Dachlinie des Gebäudes hinaus. Die kreisrunden Rosetten und das offene Maßwerk im oberen Bereich sind keine Fenster zu Innenräumen. Stattdessen öffnen sie sich direkt zum Himmel und dienen als theatralische Kulisse, die den immensen Reichtum und das Prestige der Stadt zur Schau stellen soll. Wechselndes Wetter und vorbeiziehende Wolken sind direkt durch diese durchbrochenen Backsteinöffnungen zu beobachten.

Riesige Keller und Schächte im Kopfsteinpflaster

Unter dem Bauwerk erstreckt sich ein sechsschiffiger Keller mit Kreuzrippengewölbe, der etwa 1.400 Quadratmeter misst. Dieser Raum gehört zu den größten zusammenhängenden mittelalterlichen Gewölbekellern Nordeuropas. Historisch gesehen luden mittelalterliche Kaufleute Fässer und Textilien direkt in diesen riesigen Lagerbereich ab, und zwar über Schächte und Rutschen, die direkt in das Kopfsteinpflaster des Alten Marktes eingelassen waren.

Entwicklung und Moderne

Nach einem Brand im Jahr 1680 erhielt das Gebäude mehrere barocke Anbauten. Zwischen 1881 und 1882 leitete der Stadtbaumeister Ernst von Haselberg eine umfassende Regotisierung der Hauptfassade. Heute ist das Stralsunder Rathaus nach wie vor ein aktiver Amtssitz, in dem die Stadtvertretung im oberen Löwenschen Saal tagt. Die Passage im Erdgeschoss und der Innenhof beherbergen heute Geschäfte, Cafés und Restaurants, während der historische Gewölbekeller als Veranstaltungsort für Kulturausstellungen und den jährlichen Handwerkermarkt während des Stralsunder Weihnachtsmarktes dient.

FAQ

Wann wurde das Stralsunder Rathaus gebaut?

Der Bau begann Mitte bis Ende des 13. Jahrhunderts, nachdem Stralsund 1234 das Stadtrecht erhalten hatte. Im 14. Jahrhundert folgten größere Erweiterungen.

Welchen Zweck haben die Löcher in der Fassade des Stralsunder Rathauses?

Die kreisrunden Rosetten und das offene Maßwerk im oberen Bereich der Nordfassade öffnen sich direkt zum Himmel. Sie wurden als architektonische Werbetafel entworfen, um den vermeintlichen Reichtum und das Prestige der Stadt zur Schau zu stellen, anstatt als funktionale Fenster zu dienen.

Wofür wird das Kellergeschoss des Stralsunder Rathauses heute genutzt?

Der historische Gewölbekeller, ursprünglich ein mittelalterliches Lagerhaus, dient heute als Veranstaltungsort für Kulturausstellungen und beherbergt während des Stralsunder Weihnachtsmarktes einen jährlichen Handwerkermarkt.

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