Filellinon-Platz: Nafplios historischer Knotenpunkt am Hafen
Jede Nacht spannte sich einst eine gewaltige Eisenkette über die Gewässer des Argolischen Golfs und schloss den Hafen von Nafplio buchstäblich vor der Außenwelt ab. Heute liegt der Filellinon-Platz genau an dieser historischen Schwelle und verbindet die verwinkelten Gassen der Altstadt mit der offenen Meeresfront. Von hier aus blickst du auf den Hafen, wo hölzerne Fährboote gemächlich über das Wasser tuckern und die Wellen leise an die steinerne Kaimauer schlagen.
Denkmäler des Platzes
Mitten auf dem Filellinon-Platz ragt ein Obelisk aus grauem Marmor empor, der 1903 errichtet wurde. In Paris entworfen und in Athen gemeißelt, ehrt das Denkmal ausländische Verbündete, allen voran französische Philhellenen wie Marschall Maison, General Fabvier und Admiral de Rigny, die im Griechischen Unabhängigkeitskrieg kämpften. Der Sockel zeigt Reliefs aus weißem Marmor, die Griechenland als Athene und Frankreich als die Freiheit personifizieren.
Auf dem Platz finden sich noch weitere historische Wegmarken, darunter eine Büste der Kriegsheldin Mando Mavrogenous. Ganz in der Nähe steht ein klassizistisches Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, das früher als Rathaus diente. Heute beherbergt es den europäischen Zweig des Center for Hellenic Studies der Harvard-Universität.
Der Hafen der Kette
Diese weitläufige Flaniermeile entstand auf den Trümmern der venezianischen Bastion Santa Teresa, die bis 1866 die Uferpromenade bewachte. Unter venezianischer Herrschaft nannte man den Hafen „Porto Cadena“, den Hafen der Kette. Um die Fahrrinne vor feindlichen Kriegsschiffen und Piraten abzuriegeln, wurde jede Nacht eine massive Eisenkette von der Festung auf dem Festland hinüber zur vorgelagerten Inselfestung Bourtzi gespannt.
Das Erbe der Festung Bourtzi
Rund 400 Meter vor der Küste prägt die Festung Bourtzi das Panorama des Platzes. Das flache Steinbollwerk wurde zwischen 1471 und 1473 von den Venezianern unter dem Architekten Antonio Gambello und dem Ingenieur Niccolò Brancaleone errichtet. Während der venezianischen Herrschaft hieß sie offiziell Castel Pasqualigo, ihr heutiger Name geht jedoch auf das osmanische Wort „burç“ zurück, was schlicht „Turm“ bedeutet.
Die Inselfestung spielte eine entscheidende Rolle im Griechischen Unabhängigkeitskrieg. Griechische Truppen eroberten Bourtzi am 18. Juni 1822 und nutzten die Artilleriebatterien, um die osmanischen Befestigungen zu beschießen und den Hafen zu blockieren. Im Jahr 1826 suchte die griechische Übergangsregierung während interner Konflikte sogar kurzzeitig hinter ihren Mauern Zuflucht.
In späteren Jahren übernahm die Festung überraschende neue Rollen. Nachdem König Georg I. die Anlage 1865 entwaffnen ließ, diente sie als isolierter Wohnsitz für staatliche Henker. Von den Einheimischen zutiefst geächtet, durften diese Henker das Festland von Nafplio nur unter bewaffneter Polizeieskorte betreten, um ihre Urteile zu vollstrecken. Jahrzehnte später, zwischen den 1930er-Jahren und 1970, wandelte sich die einstige Trutzburg und Henkersresidenz in ein luxuriöses Boutique-Hotel mit 14 Zimmern.
Moderner Treffpunkt am Wasser
Heute ist der Filellinon-Platz ein lebendiger Anziehungspunkt an der Uferpromenade. Von hier aus legen die kleinen Passagierboote für die kurze Überfahrt zur Festung Bourtzi ab, die 2023 nach umfassenden Restaurierungen als Kultur- und Ausstellungsort wiedereröffnet wurde. Direkt an der Kaikante starten zudem die roten Wegebahnen von Nafplio, ein perfekter Ausgangspunkt, um die historische Hafenstadt zu erkunden.
FAQ
Wie gelangt man von Nafplio zur Festung Bourtzi?
Vom Filellinon-Platz aus legen regelmäßig kleine Passagierboote ab, die für die kurze Überfahrt zur Inselfestung nur fünf bis zehn Minuten brauchen.
Welches Denkmal steht im Zentrum des Filellinon-Platzes?
Auf dem Platz steht ein 1903 errichteter Obelisk aus grauem Marmor, der die französischen Philhellenen ehrt, die im Griechischen Unabhängigkeitskrieg an der Seite der Griechen kämpften.
Wozu diente die Festung Bourtzi in der Vergangenheit?
In den 1470er-Jahren ursprünglich als venezianische Seefestung erbaut, diente Bourtzi später als Artilleriestützpunkt, Zufluchtsort der griechischen Regierung, isolierte Residenz für staatliche Henker und im 20. Jahrhundert schließlich als luxuriöses Boutique-Hotel.
Warum wurde der Hafen von Nafplio auch „Hafen der Kette“ genannt?
Unter venezianischer Herrschaft wurde jede Nacht eine massive Eisenkette zwischen der Festung Bourtzi und dem Festland über das Wasser gespannt, um feindliche Kriegsschiffe an der Einfahrt in den Hafen zu hindern.
