Uhrturm von Nafplio: Historisches Wahrzeichen auf der Akronafplia
Ein Geschenk eines bayerischen Königs: Dass der Uhrturm von Nafplio seine Sprengung im Zweiten Weltkrieg überlebte, verdankt er einer wahren Geheimoperation der Einheimischen, die sein mechanisches Herz retteten. Vor Ort schlicht als „Roloi“ bekannt, thront der freistehende klassizistische Mauerturm hoch oben auf den Nordwällen der Festung Akronafplia, ein markantes Denkmal aus den Anfängen des modernen griechischen Staates.
Ein königliches Geschenk aus Bayern
Als Nafplio zwischen 1829 und 1834 die Hauptstadt des frisch befreiten Griechenlands war, erlebte die Stadt einen regelrechten Modernisierungsschub. Das ursprüngliche Uhrwerk stiftete kein Geringerer als König Ludwig I. von Bayern, der Vater des ersten griechischen Monarchen, König Otto. Mit diesem öffentlichen Zeitmesser wollte Ludwig den Alltag in der aufstrebenden Hauptstadt ein wenig takten. Heute reiht sich der Uhrturm neben Wahrzeichen wie dem Bayerischen Löwen, dem Vouleftiko und den Residenzen von König Otto in das bayerisch geprägte Stadtbild ein und erinnert an die philhellenische Begeisterung Europas im 19. Jahrhundert.
Zerstörung und geheime Rettung
Seine exponierte Lage wurde dem Turm im Zweiten Weltkrieg zum Verhängnis. 1944 beschloss die deutsche Besatzungsmacht, dass das Bauwerk das Schussfeld ihrer Maschinengewehre und die Sicht auf den Hafen versperrte. Kurzerhand sprengten sie den stolzen Turm in die Luft.
Doch auch wenn das Mauerwerk in Trümmern lag, das originale bayerische Uhrwerk aus dem 19. Jahrhundert überlebte. Griechische Beamte vor Ort hatten die Sprengung geahnt und in einer heimlichen Nacht-und-Nebel-Aktion das filigrane Räderwerk in seine Einzelteile zerlegt. Gut versteckt an einem sicheren Ort überstand das mechanische Herz der Uhr den Rest des Krieges unbeschadet.
Wiederaufbau nach dem Krieg
Nach der Befreiung Griechenlands machten die nationale Tourismusorganisation und die Stadtverwaltung den Wiederaufbau dieser markanten Landmarke zur Chefsache. Zwischen 1947 und 1949 wurde der Steinturm von Grund auf neu errichtet. Das gerettete bayerische Uhrwerk fand seinen angestammten Platz zurück, und am 14. September 1949 nahm die Uhr offiziell wieder ihren Dienst auf. Ihr charakteristischer Glockenschlag hallte endlich wieder durch die verschlafenen Gassen der darunterliegenden Altstadt.
Schichten der Geschichte und Panoramaausblicke
Der Bau aus dem 20. Jahrhundert steht auf Fundamenten, die über zwei Jahrtausende Geschichte in sich tragen. Hier schichten sich mykenische und hellenistische Festungsreste mit byzantinischen, fränkischen und venezianischen Bastionen. Hoch oben auf dem Hügel von Akronafplia, dem ältesten befestigten Teil Nafplios, schlägt der Uhrturm die Brücke zwischen der antiken Akropolis und der klassizistischen Blütezeit des 19. Jahrhunderts.
Heute ist das Bauwerk nicht nur eine verlässliche Stadtuhr, sondern auch ein frei zugänglicher Aussichtspunkt entlang des Festungswegs von Akronafplia. Der schlichte Steinturm ragt unmittelbar über den schroffen Kalksteinfelsen auf und eröffnet einen weiten Blick über den Argolischen Golf. Von hier oben blickst du ungehindert auf das Terrakotta-Dächermeer der Altstadt und die historische Inselfestung Bourtzi, die wie ein steinerner Wächter in der Bucht liegt.
FAQ
Warum wurde der Uhrturm von Nafplio im Zweiten Weltkrieg zerstört?
Die deutschen Besatzungstruppen sprengten den ursprünglichen Turm 1944, weil er das Schussfeld ihrer Maschinengewehre und die Sicht auf den Hafen der Stadt versperrte.
Wie überstand das originale Uhrwerk die Sprengung von 1944?
Griechische Beamte vor Ort hatten die Sprengung geahnt und das bayerische Räderwerk aus dem 19. Jahrhundert heimlich zerlegt. Sie versteckten es an einem sicheren Ort, bis der Krieg vorbei war und der Turm wieder aufgebaut werden konnte.
Wo befindet sich der Uhrturm von Nafplio?
Der Uhrturm thront auf den nach Norden ausgerichteten Wällen der Festung Akronafplia, direkt über der Altstadt von Nafplio.
