
Piazza della Vittoria: Brescias Platz der Moderne
Entdecke eine monumentale Bühne des 20. Jahrhunderts, erbaut über einem mittelalterlichen Viertel und gekrönt von Italiens allererstem Wolkenkratzer. Nur 100 Meter von der Piazza della Loggia aus der Renaissance und der mittelalterlichen Piazza del Duomo entfernt, setzt die Piazza della Vittoria einen markanten modernistischen Kontrapunkt zu Brescias älteren Epochen.
Ein drastischer urbaner Umbau
Zwischen 1927 und 1932 wurde das Zentrum von Brescia radikal umgestaltet, um Platz für die Piazza della Vittoria zu schaffen. Dafür musste das Quartiere delle Pescherie weichen, ein dicht bebautes mittelalterliches Viertel voller enger Gassen, Handwerksmärkte, Überreste der langobardischen Curia Ducis und der romanischen Kirche Sant'Ambrogio.
Vor Ort vom faschistischen Parteisekretär Augusto Turati vorangetrieben und von Benito Mussolini persönlich abgesegnet, sollte das Vorhaben die alten Wohnquartiere durch ein monumentales Forum für politische Massenaufmärsche ersetzen. Der römische Architekt Marcello Piacentini entwarf den L-förmigen Platz in einer Mischung aus vereinfachtem Neoklassizismus und Rationalismus. Am 1. November 1932 weihte Mussolini das Areal offiziell ein.
Wahrzeichen und architektonische Kontraste
Der Platz besticht durch ein strenges geometrisches Spiel aus Texturen und Materialien. Weitläufiges, helles Steinpflaster bildet die Bühne für die monumentalen Bauten ringsum. An der Nordseite dominiert der Palazzo delle Poste, verkleidet mit markantem zweifarbigem Travertin.
Gleich daneben ragt der Uhrturm Torre della Rivoluzione empor, an dem der sogenannte Arengario angebracht ist. Diese Rednertribüne aus tiefrotem Tolmezzo-Stein zeigt neun Reliefs des Bildhauers Antonio Maraini, die Szenen aus Brescias Geschichte abbilden.
Der unbestrittene Blickfang des Platzes ist jedoch der Torrione INA. Mit einer Höhe von 57,25 Metern und 15 Stockwerken gilt er als erster Wolkenkratzer Italiens und als eines der frühesten Hochhäuser Europas. Piacentini übernahm die unverputzte Backsteinfassade direkt aus seinem eigenen Beitrag zum berühmten Architekturwettbewerb um den Chicago Tribune Tower von 1922.
Entfaschisierung und verborgene Relikte
Nach dem Zusammenbruch des Regimes und dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Platz gründlich entfaschisiert. Markante Symbole verschwanden aus dem öffentlichen Raum, darunter ein Relief von Mussolini zu Pferd, das ursprünglich den Uhrturm schmückte.
Die spektakulärste Verbannung traf Arturo Dazzis kolossale, 7,5 Meter hohe Nacktstatue aus Marmor, L’Era Fascista. Im Volksmund schlicht als »Bigio« bekannt, landete die Skulptur im städtischen Depot, um politische Spannungen zu entschärfen. Bis heute bleibt sie vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen.
Ein modernes Stadtzentrum
Heute ist die Piazza della Vittoria eine reine Fußgängerzone und ein wichtiger Knotenpunkt der Innenstadt, direkt über der U-Bahn-Station Vittoria und einer zentralen Tiefgarage gelegen. Auf der weiten Fläche finden regelmäßig Kultur- und Sportveranstaltungen statt. An jedem zweiten Sonntag im Monat belebt zudem ein Antiquitätenmarkt dieses Forum des 20. Jahrhunderts.
FAQ
Wann wurde die Piazza della Vittoria erbaut?
Der Platz entstand zwischen 1927 und 1932 und wurde am 1. November 1932 von Benito Mussolini offiziell eingeweiht.
Was ist das höchste Gebäude an der Piazza della Vittoria?
Der Torrione INA ist das höchste Bauwerk auf dem Platz. Mit 57,25 Metern und 15 Stockwerken gilt er als erster Wolkenkratzer Italiens.
Was geschah nach dem Zweiten Weltkrieg mit den Statuen auf der Piazza della Vittoria?
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden markante faschistische Bildnisse entfernt. Dazu gehörten ein Relief von Mussolini und eine kolossale, 7,5 Meter hohe Marmorstatue namens Bigio, die bis heute im städtischen Depot lagert.
Welche Veranstaltungen finden heute auf der Piazza della Vittoria statt?
Auf dem autofreien Platz finden Kultur- und Sportveranstaltungen sowie an jedem zweiten Sonntag im Monat ein regelmäßiger Antiquitätenmarkt statt.



