
Basilica di San Fedele: Comos romanische Kirche
Römische Wurzeln und frühchristliche Ursprünge
Mitten in der ummauerten Altstadt von Como, der Città Murata, erhebt sich die Basilica di San Fedele auf der gleichnamigen Piazza. Genau an der zentralen Kreuzung des rechtwinkligen römischen Straßenrasters gelegen, bildete dieser Ort einst das Forum und Handelszentrum des antiken Novum Comum. Archäologische Funde belegen, dass hier zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert ein frühchristlicher Vorgängerbau entstand, der ursprünglich Santa Eufemia geweiht war.
Vom 5. bis zum 10. Jahrhundert diente diese frühe Kirche als Bischofssitz von Como, flankiert vom Baptisterium San Giovanni in Atrio. Der Überlieferung nach wurden im Jahr 964 die Reliquien des heiligen Fidelis, eines am nördlichen Comer See hingerichteten frühchristlichen Soldatenmärtyrers, aus Samolaco hierher überführt. Das gab den Anstoß für die Neuweihe auf den Namen San Fedele, auch wenn der Bischofssitz später näher ans Wasser nach Santa Maria Maggiore verlegt wurde. Über das gesamte Mittelalter bis in die Neuzeit hinein entwickelte sich der angrenzende Platz zum wichtigsten Getreidemarkt Comos, in Erinnerung geblieben als Piazza del Grano.
Lombardische Romanik und das Drachenportal
Der Bau der heutigen lombardisch-romanischen Stiftskirche begann um 1120. San Fedele gilt als eines der Glanzstücke der Maestri Comacini, jener regionalen Zunft von Steinmetzen und Baumeistern, die die mittelalterliche Architektur in ganz Norditalien prägte. Das Bauwerk besticht durch einen ottonisch-rheinisch inspirierten Ostchor mit kleeblattförmigem Chorumgang und Emporen, den Matronei. Wiederverwendete römische Spolien, darunter antike Säulen und Kapitelle, wurden direkt im äußeren Mauerwerk und in der Apsisloggia verbaut.
An der Nordwand zur Via Vittorio Emanuele II hin liegt das romanische Drachenportal (Portale del Drago). Aus lokalem Moltrasio-Kalkstein gehauen, zeigt es meisterhafte Flachreliefs der Maestri Comacini: Daniel in der Löwengrube, den Propheten Habakuk an den Haaren eines Engels gepackt, kämpfende Drachen, einen Jagdhund auf Hasenjagd, einen Greif und einen Affen. Die Westfassade hingegen ist ein neoromanischer Entwurf, den der Architekt Antonio Giussani 1914 unter Einbindung einer älteren Renaissance-Rosette neu gestaltete. Gleich daneben geriet der Glockenturm Anfang des 20. Jahrhunderts in bedenkliche Schieflage. Er wurde 1905 abgetragen und bis 1907 von Grund auf neu aufgebaut.
Kunst im Innenraum und historische Kuriositäten
Wer vom belebten Platz in das dämmrige Steininnere tritt, blickt in ein tonnengewölbtes Mittelschiff mit bemerkenswerter Akustik. Unter dem Hochaltar ruht in einem Marmorsarkophag aus dem 14. Jahrhundert der heilige Fidelis. Gleich beim Eingang wurden zwei mittelalterliche Säulenträgerlöwen aus Stein kurzerhand zu Weihwasserbecken umfunktioniert. In den Seitenkapellen leuchten barocke Fresken, die Isidoro Bianchi 1623 an die Wände brachte.
Die Kirche blickt zudem auf prominente Geschichte zurück: Hier liegt der Taufbucheintrag von 1611 für den gebürtigen Comer Benedetto Odescalchi, den späteren Papst Innozenz XI., dem eine 1807 vollendete Kapelle im Inneren gewidmet ist. Und wer in manchen Berichten von einem antiken Marmorambo liest, irrt: Wie die Pfarrakten belegen, ist die Kanzel der Basilika ein geschnitztes Nussbaumwerk aus dem frühen 19. Jahrhundert. Echte Fragmente regionaler Marmorambone aus dem 12. Jahrhundert findest du stattdessen im nahen Bellagio und im Archäologischen Museum Paolo Giovio in Como.
Piazza San Fedele und das historische Umfeld
Gegenüber der Basilika säumen seltene Fachwerkhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert die Piazza San Fedele. Diese historischen Bauten fallen durch ihre vorkragenden Obergeschosse auf, gestützt von freiliegenden Holzbalken und verziert mit Ziegelmauerwerk im Fischgrätmuster (spina di pesce).
Heute ist die Basilica di San Fedele eine lebendige Pfarrkirche der Diözese Como mit regelmäßigen Gottesdiensten. Ihr klangvoller Raum dient immer wieder als Bühne für geistliche Konzerte auf der restaurierten Mascioni-Orgel, während sich auf dem autofreien Platz davor Café-Terrassen, kleine Läden und saisonale Kunsthandwerksmärkte ausbreiten.
FAQ
Wofür wurde die Piazza San Fedele früher genutzt?
Der Platz bildete ursprünglich das Forum der römischen Stadt Novum Comum. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit diente er dann als Comos wichtigster Getreide- und Weizenmarkt unter dem Namen Piazza del Grano.
Was ist das Drachenportal an der Außenwand der Basilika?
Das Drachenportal (Portale del Drago) ist ein romanisches Portal aus dem 12. Jahrhundert an der Nordseite der Kirche. Es wurde von den Maestri Comacini geschaffen und zeigt Reliefs von Daniel in der Löwengrube, dem Propheten Habakuk und Fabelwesen.
Gibt es in der Basilica di San Fedele einen antiken Marmorambo?
Nein. Pfarrdokumente belegen, dass die Kanzel im Inneren ein geschnitztes Nussbaumwerk aus dem 19. Jahrhundert ist. Bedeutende Fragmente regionaler Marmorambone aus dem 12. Jahrhundert befinden sich stattdessen in Bellagio und im Archäologischen Museum Paolo Giovio in Como.



