Casa del Fascio: Comos rationalistisches Meisterwerk - Como
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Casa del Fascio: Comos rationalistisches Meisterwerk

Como, Italy

Entworfen vom italienischen Rationalismus-Pionier Giuseppe Terragni zwischen 1928 und 1932, ist die Casa del Fascio eine Ikone der Avantgarde-Architektur des 20. Jahrhunderts. Erbaut von 1932 bis 1936 an der Piazza del Popolo 4 in Como, folgt der Bau den Maßen eines mathematisch exakten Halbwürfels: genau 33,20 Meter an jeder Seite des quadratischen Grundrisses und 16,60 Meter in der Höhe.

Direkt hinter der geschwungenen Apsis des Doms von Como und neben dem Teatro Sociale inszeniert der Bau eine bewusste städtebauliche Konfrontation. Er setzt sich schroff vom antiken römischen Raster Comos, dem historischen Dom und Alessandro Voltas klassizistischem Erbe ab, jahrhundertealte kirchliche Tradition trifft hier frontal auf die maschinenhafte Geometrie des 1930er-Jahre-Designs.

Rationalistisches Design und mathematische Strenge

Der Bau gilt als das Musterbeispiel des italienischen Rationalismus (Razionalismo italiano). Sein Stahlbetonskelett ist mit poliertem weißem Botticino-Marmor, Spiegelglas und industriellen Glasbausteinen verkleidet. Die Fassade spielt meisterhaft mit Masse und Leere: Während eine Ecke als geschlossene Fläche aus hellem Marmor aufragt, lösen sich die übrigen Fronten in dreidimensionale Betonraster, zurückgesetzte Loggien und gläserne Vorhangfassaden auf.

Im Inneren griff Terragni zu edelsten Materialien, darunter schwarzer belgischer Marmor (Nero del Belgio), Pietra di Trani und Giallo Adriatico. Das Herzstück des Gebäudes bildet der zweigeschossige Salone delle Adunate (Versammlungssaal). Durch ein industrielles Deckenraster aus lichtdurchlässigen Glasbausteinen in Betonrahmen fällt gedämpftes Tageslicht ein und taucht die polierten Marmorflächen in kühles Licht.

Ideologische Wurzeln und technische Innovationen

Ursprünglich wurde die Casa del Fascio als Provinzsitz der Nationalen Faschistischen Partei in Auftrag gegeben. Terragni entwickelte den Entwurf rund um Benito Mussolinis Propagandaparole, der Faschismus sei „ein Glashaus, in das jeder hineinsehen kann und muss“, und versuchte, die Ideologie der Partei in offene, modernistische Geometrie zu übersetzen.

Diese konzeptionelle Transparenz wurde durch technische Finessen noch verstärkt: Im Erdgeschoss ließ sich eine Reihe von 18 Glastüren über eine integrierte Mechanik synchron öffnen. Standen sie offen, entstand bei Parteiveranstaltungen ein nahtloser räumlicher und visueller Übergang zwischen dem öffentlichen Platz und der Versammlungshalle im Inneren.

Die Künstler Mario Radice und Marcello Nizzoli hatten ursprünglich monumentale Fotowandbilder für den Außenbereich geplant. Diese politischen Propagandatafeln wurden jedoch nie dauerhaft an der Fassade angebracht. Dass sie fehlten, erwies sich nach dem Sturz des Regimes als Glücksfall für das Bauwerk, so konnte es als rein abstraktes modernistisches Kunstwerk überleben.

Nachkriegszeit und heutige Nutzung

Das Gebäude diente bis zur Befreiung Comos im April 1945 als Parteizentrale. Anschließend beschlagnahmte es das Nationale Befreiungskomitee und taufte es kurzzeitig in Casa del Popolo um. Später ging es wieder in den Besitz des italienischen Staates über, der es 1956 öffentlich versteigern lassen wollte. Der Verkauf wurde jedoch gestoppt, nachdem eine Denkmalschutzkampagne um den Architekturkritiker Bruno Zevi und internationale Architekten den Bau vor kommerziellen Umbauten oder gar dem Abriss bewahrt hatte.

1957 bezog das Provinzkommando der Guardia di Finanza, Italiens Finanz- und Grenzpolizei, den Bau. Seit 1986 steht er offiziell unter Denkmalschutz, wird aber bis heute als aktive Dienststelle genutzt.

FAQ

Kann man das Innere der Casa del Fascio besichtigen?

Da das Gebäude als aktives Provinzkommando der Guardia di Finanza dient, ist der Zutritt beschränkt und für normale Touristen im Alltag nicht möglich. Besichtigungen beschränken sich in der Regel auf gelegentliche Kultur- oder Denkmaltage.

Welche Maße hat das Gebäude?

Die Casa del Fascio wurde als mathematisch exakter Halbwürfel konzipiert: mit 33,20 Metern an jeder Seite des quadratischen Grundrisses und einer Höhe von 16,60 Metern.

Aus welchen Materialien wurde die Casa del Fascio gebaut?

Das Gebäude besitzt ein Stahlbetonskelett, das mit poliertem weißem Botticino-Marmor, Flachglas und Industrie-Glasbausteinen verkleidet ist. Im Inneren kamen schwarzer belgischer Marmor, Pietra di Trani und Giallo Adriatico zum Einsatz.

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