
Dom zu Como: Geschichte, Fassade und römische Statuen
Die Kathedrale Santa Maria Assunta, im Volksmund schlicht Dom zu Como genannt, erhebt sich an der Piazza del Duomo genau dort, wo das schachbrettartige römische Straßennetz auf das Seeufer trifft. Wand an Wand an das mittelalterliche Broletto-Rathaus angebaut, verschmelzen hier weltliche Stadtpolitik und sakrales Leben zu einem einzigen monumentalen Bauwerk. Die Arbeiten begannen 1396 anstelle der alten romanischen Basilika Santa Maria Maggiore und zogen sich über mehr als drei Jahrhunderte hin, bis der Architekt Filippo Juvarra dem Ganzen in den 1740er-Jahren schließlich seine markante Kuppel aufsetzte.
Die Fassade und die Plinius-Statuen
Die spätgotische, von der Renaissance veredelte Westfassade besteht aus grau-weißem Musso-Marmor. Flankiert wird das Hauptportal von zwei markanten Sitzstatuen aus weißem Marmor, gehauen zwischen 1480 und 1498 vom Renaissance-Bildhauer Tommaso Rodari und seinem Bruder Giacomo. Links sitzt Gaius Plinius Secundus (Plinius der Ältere), rechts sein Neffe Gaius Plinius Caecilius Secundus (Plinius der Jüngere). Beide römischen Gelehrten residieren in antikisierenden Ädikulä, gerahmt von Kandelabersäulen, die direkt in die Fassade eingelassen sind.
Beide stammten aus dem antiken Como (Novum Comum). Als im späten 15. Jahrhundert der Humanismus blühte, wollten Stadtrat und Dombauverwaltung dem literarischen Ruhm ihrer berühmtesten Söhne huldigen und postierten die heidnischen Denker kühn am Portal des wichtigsten christlichen Gotteshauses der Stadt. Heute stecken die Marmorfiguren in transparenten Schutzkästen, bewahrt vor Witterung und Schadstoffen.
Machtprobe in der Gegenreformation
Heidnische Autoren an einer Domfassade? In den sittenstrengen Zeiten der Gegenreformation war das vielen Kirchenfürsten ein handfester Skandal. Zwischen 1578 und 1580 verlangte der apostolische Visitator Bischof Giovanni Francesco Bonomi unmissverständlich, die Statuen abzutragen und auf freistehende Säulen auf dem Vorplatz abzuschieben. Doch Comos Lokalpatrioten, allen voran der eigene Bischof Gian Antonio Volpi und die versammelte Bürgerschaft, stellten sich quer und verteidigten die beiden als unverzichtbares Stadterbe. Als sich dieser bürgerliche Widerstand formierte, war Plinius des Jüngeren historischer Briefwechsel mit Kaiser Trajan über die Hinrichtung früher Christen glücklicherweise noch gar nicht Teil der Debatte.
Architekturdetails und Kuriositäten an den Außenwänden
Die Plinius-Statuen sind längst nicht die einzigen weltlichen Relikte aus der Antike, die sich am Dom verstecken. An der südlichen Außenwand vertieft sich eine Skulptur aus der Rodari-Werkstatt ganz in ihre Lektüre: Caecilius, ein römischer Dichter aus Como aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., dargestellt mit aufgeschlagenem Buch. In dieselbe Südwand sind drei antike römische Inschriften eingemauert, darunter ein öffentlicher cursus honorum zu Ehren von Plinius dem Jüngeren, den der Renaissance-Historiker Benedetto Giovio dort verewigen ließ.
An der Nordseite überrascht das Renaissance-Portal Porta della Rana (Froschtür) mit üppigem Rankenwerk und einem winzigen, skulptierten Frosch. Schenkt man den Geschichten der Einheimischen Glauben, markiert die kleine Amphibie den historischen Höchststand einer dramatischen Überschwemmung des nahen Sees.
Wissenschaftliches Erbe und Dombesuch heute
Der Dom spannt einen kühnen intellektuellen Bogen von den Autoren der Antike über die Denker der Renaissance bis zur Naturwissenschaft der Aufklärung. Im Kirchenschiff, nahe der Orgel mit Blick auf den Hochaltar, weist eine 1999 eingelassene Bodenplatte auf jene Stelle hin, an der Alessandro Volta, weltberühmter Physiker und Sohn der Stadt, in seinen letzten Lebensjahren treu jeden Tag zur Messe niederkniete.
Bis heute ist der Dom zu Como die aktive Bischofskirche der Diözese und Schauplatz täglicher Gottesdienste. Gewöhnliche Besichtigungen sind zu den regulären Besuchszeiten möglich, während der Zugang zum Querschiff und den oberen Umgängen über den Como Art Pass geregelt wird.
FAQ
Warum zieren antike römische Schriftsteller die Fassade des Doms zu Como?
Plinius der Ältere und Plinius der Jüngere stammten aus dem antiken Como. Als im späten 15. Jahrhundert der Humanismus aufblühte, ließen Stadtrat und Dombauverwaltung die Statuen errichten, um das antike bürgerliche Erbe der Stadt gebührend zu feiern.
Versuchte die Kirchenobrigkeit, die Plinius-Statuen entfernen zu lassen?
Ja. Zwischen 1578 und 1580 verlangte der apostolische Visitator Bischof Giovanni Francesco Bonomi, sie wegen ihrer heidnischen Natur auf freistehende Säulen auszulagern, doch Comos Bischof Gian Antonio Volpi und die Bürger weigerten sich standhaft.
Was ist die Porta della Rana?
Die Porta della Rana ist ein Renaissance-Seitenportal an der Nordseite des Doms mit kunstvoll eingemeißeltem Blattwerk und einem kleinen Frosch. Der lokalen Legende nach markiert die Amphibie den Höchststand eines historischen Hochwassers des Sees.
Was verbindet Alessandro Volta mit dem Dom?
Eine 1999 eingelassene Bodenplatte nahe der Orgel markiert jene Stelle, an der der berühmte Physiker in seinen späten Jahren täglich zur katholischen Messe niederkniete.



