Porta Torre: Comos mittelalterliches Festungstor - Como
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Ziel

Porta Torre: Comos mittelalterliches Festungstor

Como, Italy

Ursprünge der südlichen Festung Comos

Die Porta Torre bildet den südlichen Haupteingang zur ummauerten Altstadt von Como, der Città Murata. Im Laufe der Geschichte trug das Bollwerk viele Namen, darunter Porta di Milano, Porta delle Meraviglie und Torre di Porta Vittoria. Errichtet wurde es 1192 unter der Leitung des damaligen Podestà, Uberto de' Olevano.

Der Bau war Teil einer groß angelegten Aufrüstung nach dem Zehnjährigen Krieg (1118–1127), in dem die Mailänder Truppen Comos Festungsanlagen aus der Römerzeit kurzerhand dem Erdboden gleichgemacht hatten. Um der Mailänder Vorherrschaft etwas entgegenzusetzen, verbündete sich Como 1154 mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa und machte sich an den Wiederaufbau des Verteidigungsrings. Um die besonders verwundbare Südfront Richtung Mailand abzusichern, verankerte Uberto de' Olevano die Wehrmauer mit drei zentralen Bastionen: der Porta Torre im Zentrum, dem Torre di San Vitale im Osten und dem Torre di Porta Nuova (später als Torre Gattoni bekannt) im Westen.

Architektonische Finesse und Verteidigungsstrategie

Im romanischen Stil aus behauenen Quadersteinen auf hölzernen Pfahlrosten (palafitte) errichtet, ragt der Turm laut historischen Quellen zwischen 34 und 40 Meter in die Höhe. Von der Piazza Vittoria aus gesehen wirkt der Koloss vollkommen abweisend und undurchdringlich, durchbrochen lediglich von einem massiven Durchgang auf Straßenniveau.

Ganz anders das Bild auf der stadtzugewandten Seite: Hier ist der Turm komplett offen. Schaut man vom Torbogen nach oben, blickt man durch vier Etagen mit doppelten Rundbogenfenstern direkt in den Himmel, genau dort, wo früher hölzerne Zwischendecken lagen. Diese asymmetrische Konstruktion hatte knallharte strategische Gründe: Sollten die Mailänder Truppen das schwere Außentor durchbrechen, bot ihnen die fehlende Rückwand keinerlei Schutz oder Deckung vor den Verteidigern in der Stadt, die sie von dort aus mit Pfeilen und Geschossen eindecken konnten. Auffälliges Detail: Die vier oberen Bogenreihen sitzen nicht einmal mittig über dem breiteren Portal im Erdgeschoss.

Überleben und moderne Rolle im Stadtbild

Im 14. Jahrhundert spendierte man dem Tor zwei fünfseitige Flankentürme und einen Ravelin, im 16. Jahrhundert kam noch eine halbrunde Bastion hinzu. Zwar fielen diese Vorwerke und das Gros der Stadtmauer späteren Stadterweiterungen zum Opfer, doch die Porta Torre selbst überstand den Abriss als freistehendes Monument.

Archäologische Grabungen unter den Straßen und Häusern der Umgebung brachten sogar die versunkenen Reste des antiken römischen Stadttors ans Licht, das vor Ort traditionell als Porta Pretoria bezeichnet wird. Heute markiert die Porta Torre den Übergang vom modernen Como in das antike Straßenraster aus Cardo und Decumanus. Die Piazza Vittoria direkt vor dem Tor ist beliebter Treffpunkt mit regelmäßigen Wochenmärkten, während der Torbogen als belebte Fußgängerpassage dient. Die oberen Stockwerke bleiben für den normalen Publikumsverkehr allerdings geschlossen.

Die Verbindung zu Alessandro Volta

Die Porta Torre ist zudem eng mit Comos Epoche der Aufklärung verknüpft. Kaum durchquert man das Tor, stößt man an der Via Cesare Cantù auf den klassizistischen Bau des Liceo Classico e Scientifico Alessandro Volta (ursprünglich das Real Ginnasio). Hier lehrte der berühmteste Sohn der Stadt, Alessandro Volta, von 1774 bis 1778 als Rektor und Physikprofessor.

Ein Stück weiter westlich an der erhaltenen Südmauer steht der Torre Gattoni, der zeitgleich mit der Porta Torre erbaut wurde. Ende des 18. Jahrhunderts funktionierte der Kanoniker Giulio Cesare Gattoni diese Verteidigungsbastion in ein Physiklabor um und schuf damit genau den Raum, in dem Volta seine bahnbrechenden Experimente zu Elektrizität und Elektrostatik durchführte.

FAQ

Warum ist die Porta Torre zur Stadt hin offen?

Das Tor wurde ganz bewusst ohne rückwärtige Innenwand konstruiert. Hätten feindliche Truppen das Außentor durchbrochen, bot ihnen das Innere keinerlei Deckung gegen die Geschosse der Verteidiger aus der Stadt.

Kann man die oberen Stockwerke der Porta Torre besichtigen?

Die Außenfassade und der Durchgang im Erdgeschoss sind frei zugänglich, die oberen Innenräume stehen regulären Besuchern jedoch nicht offen.

Welche historische Verbindung gibt es zwischen der Porta Torre und Alessandro Volta?

Die Porta Torre grenzt an wichtige Stationen in Voltas Laufbahn: gleich dahinter liegt die Schule an der Via Cesare Cantù, an der er von 1774 bis 1778 Physik unterrichtete, und ganz in der Nähe steht der Torre Gattoni, der ihm als frühes Labor für Elektrostatik diente.

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