Museo del Violino: Cremonas Geigenbauerbe - Cremona
© Wikimedia Commons | CC-BY-SA
Ziel

Museo del Violino: Cremonas Geigenbauerbe

Cremona, Italy

Die Heimat des Cremoneser Geigenbaus

An der Südseite der Piazza Guglielmo Marconi in Cremona bildet das Museo del Violino das kulturelle Herzstück einer Jahrhunderte alten Geigenbautradition. Zwischen Mitte des 16. und Mitte des 18. Jahrhunderts stieg Cremona zur europäischen Metropole des Instrumentenbaus auf. Der Meister Andrea Amati standardisierte im 16. Jahrhundert die moderne Form der Violine und begründete damit eine Tradition, die über Generationen von der Amati-Dynastie, der Familie Guarneri und Antonio Stradivari weitergeführt wurde. Heute zählt diese Handwerkskunst zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO und lebt in rund 150 bis 200 Werkstätten in den Gassen der Stadt ungebrochen fort.

Mit seiner Eröffnung am 14. September 2013 bündelte das Haus die historischen Sammlungen Cremonas erstmals an einem zentralen Ort. Nur wenige Schritte südwestlich von Dom, Torrazzo und Piazza del Comune gelegen, führt das Museum durch multimediale Ausstellungen, die dich durch die Geschichte des Instrumentenbaus von der Renaissance bis in die Gegenwart begleiten.

Vom rationalistischen Pavillon zum Kulturdenkmal

Untergebracht ist das Museum im Palazzo dell'Arte, einem rationalistischen Bau aus Backstein und Marmor, den Architekt Carlo Cocchia 1941 entwarf. Das Gebäude entstand zwischen 1941 und 1946 auf einem Areal, das in den 1930er-Jahren geräumt worden war: Das faschistische Regime ließ damals die mittelalterliche Kirche samt Kloster Sant'Angelo abreißen, um Platz für die Piazza Marconi zu schaffen. Nach Jahrzehnten wechselnder städtischer Nutzung, unter anderem lange Zeit als Sporthalle und Gymnastiksaal des Viertels, stand der Komplex schließlich leer.

2009 finanzierte der Cremoneser Mäzen und Industrielle Giovanni Arvedi über die Fondazione Arvedi Buschini eine umfassende Neugestaltung des Ortes. Die Architekten Giorgio Palù und Michele Bianchi restaurierten und bauten das Gebäude zwischen 2010 und 2013 um. Sie verwandelten die historische Hülle des Rationalismus in ein maßgeschneidertes Zuhause für die musikalischen Schätze der Stadt.

Meisterwerke und Relikte aus Stradivaris Werkstatt

Das Museum hütet eine außergewöhnliche Sammlung von Streichinstrumenten, darunter Arbeiten von Andrea Amati, Nicolò Amati und Giuseppe Guarneri „del Gesù“. Antonio Stradivaris Handwerkskunst sticht mit gleich mehreren Meisterwerken hervor, allen voran die Violine „Il Cremonese“ von 1715. Als „Il Cremonese“ 2013 in den Palazzo dell'Arte umzog, sperrte die Stadtpolizei die umliegenden Straßen ab und begleitete das unbezahlbare Instrument im geschützten Konvoi.

Neben vollendeten Instrumenten bewahrt das Museum über 700 originale Papiervorlagen, Zeichnungen, Holzformen und Handwerkzeuge direkt aus Stradivaris Werkstatt auf. Nach seinem Tod 1737 gingen diese Artefakte an seinen Sohn Paolo und später in den Besitz des Sammlers Graf Ignazio Alessandro Cozio di Salabue über. 1893 wuchs die städtische Sammlung durch einen Nachlass von Werkzeugen und Modellen des Händlers Giovanni Battista Cerani weiter an. 1930 stiftete der Geigenbauer Giuseppe Fiorini schließlich eine bedeutende Sammlung von Stradivari-Relikten und verankerte das handwerkliche Erbe des Meisters dauerhaft in Cremona.

Anders als in vielen Sammlungen, in denen Instrumente als rein statische Ausstellungsstücke ruhen, bleiben die historischen Geigen im Museo del Violino stets spielbar. Geigenbauer und Musiker spielen sie regelmäßig, damit Holz und Verbindungen resonanzfähig bleiben, und für Solo-Konzerte werden die Meisterwerke behutsam aus ihren Vitrinen geholt.

Das Auditorium Giovanni Arvedi

Genau dort, wo sich einst die Versammlungshalle und der Turnsaal des Palazzo dell'Arte befanden, erstreckt sich heute das Auditorium Giovanni Arvedi mit seinen 464 Plätzen. Der Saal ist um eine elliptische Bühne herum angelegt und wurde unter der akustischen Leitung von Yasuhisa Toyota konzipiert. Wellenförmige Bänder aus hellem, honigfarbenem Formholz säumen den Innenraum. Sie sind so geformt, dass parallele Flächen vermieden und Schallreflexionen präzise gelenkt werden.

Im Auditorium finden regelmäßig Vorspielkonzerte statt, bei denen historische Instrumente von Stradivari und Guarneri live erklingen. Zudem dient der Saal als Bühne für die renommierte Triennale Internazionale di Liuteria, einen internationalen Geigenbauwettbewerb, dessen Preisträgerinstrumente direkt in die Dauerausstellung des Museums übergehen.

Wissenschaftliche Diagnostik und die stille Stadt

Neben Ausstellungs- und Konzertsälen versteht sich das Museo del Violino auch als wissenschaftliches Forschungszentrum. Das Gebäude beherbergt Diagnoselabore und einen reflexionsarmen Raum, betrieben in Kooperation mit dem Polytechnikum Mailand und der Universität Pavia. Mit zerstörungsfreien Verfahren werden hier die akustischen und materiellen Eigenschaften historischer Instrumente analysiert.

Wie weit diese Hingabe an die klangliche Präzision reicht, zeigte sich 2019 beim Stradivarius Recording Project, einer Initiative zur digitalen Konservierung der Klangprofile seltener Instrumente. Damit kein Außengeräusch die Aufnahmen im Saal verfälschte, ließ der Bürgermeister umliegende Straßen sperren, leitete Buslinien um und bat die Bevölkerung im gesamten Stadtzentrum um absolute Ruhe.

FAQ

Welche Geigenbaumeister sind im Museo del Violino vertreten?

Das Museum beherbergt Instrumente von Meistern der Cremoneser Tradition, darunter Andrea Amati, Nicolò Amati, Giuseppe Guarneri „del Gesù“ und Antonio Stradivari.

Werden die historischen Instrumente im Museum noch gespielt?

Ja. Die Instrumente werden nicht als bloße Schauobjekte aufbewahrt, sondern spielbar gehalten. Geigenbauer spielen sie regelmäßig, damit Holz und Fugen resonanzfähig bleiben, und Solisten bringen sie bei Konzerten im Auditorium Giovanni Arvedi zum Klingen.

Wofür wurde der Palazzo dell'Arte genutzt, bevor er zum Museum wurde?

Erbaut zwischen 1941 und 1946 unter dem faschistischen Regime, diente das rationalistische Gebäude über die Jahrzehnte hinweg verschiedensten städtischen Zwecken, unter anderem als kommunale Turn- und Sporthalle, bevor es schließlich restauriert wurde.

Warum wurden die Straßen von Cremona während des Stradivari-Aufnahmeprojekts 2019 gesperrt?

Die Stadt verhängte Straßensperrungen, leitete den Nahverkehr um und bat die Anwohner um größtmögliche Ruhe, damit die Toningenieure im Auditorium glasklare, unverfälschte Aufnahmen der historischen Instrumente einfangen konnten.

More places in Cremona