
Salone dei Quadri: Cremonas historischer Ratssaal
Bürgerstolz und mittelalterliche Ursprünge
Der Salone dei Quadri, auch bekannt als Salone del Consiglio, ist der wichtigste Ratssaal im Palazzo Comunale von Cremona. Der Bau entstand 1206 als selbstbewusstes Bekenntnis zur städtischen Unabhängigkeit und hieß früher Palazzo dei Ghibellini oder schlicht Broletto. Direkt an der Piazza del Comune und auf Tuchfühlung mit Dom, Baptisterium und dem Glockenturm Torrazzo erbaut, sollte das Ensemble der kirchlichen Macht ganz unverblümt weltliche Autorität entgegensetzen.
Ursprünglich im typisch lombardischen Broletto-Stil angelegt, bestand das Gebäude aus einem einzigen riesigen Saal über einer offenen, gewölbten Backsteinloggia im Erdgeschoss, in der Handel getrieben wurde und Bürgerversammlungen stattfanden. Zwischen 1245 und 1246 wurde der Palazzo massiv erweitert: Drei neue Westflügel umschlossen nun einen Innenhof und schluckten kurzerhand einen bereits vorhandenen Stadtturm aus dem 13. Jahrhundert an der Via Baldesio.
Architektonischer Wandel und die Neugestaltung von 1838
Bei umfassenden Umbauten im Jahr 1496 und im frühen 16. Jahrhundert wandelte sich die mittelalterliche Bürgerhalle in einen monumentalen Renaissancesitz. Gotische Drillingsfenster (trifore) wichen rechteckigen Öffnungen, der offene Innenraum wurde in Verwaltungsräume unterteilt, und an der Fassade entstand ein Arengario aus weißem Marmor. Von diesem Verkündigungsbalkon aus sprachen die Stadtoberen direkt zu den Versammlungen auf dem Platz unten.
1838 verpasste der cremonesische Architekt Luigi Voghera dem Bau eine radikale Runderneuerung. Er schmückte die rote Backsteinfassade mit Neorenaissance-Terrakotten, Pilastern und einem Gebälk aus weißem Marmor. Im Inneren ersetzte er den Treppenaufgang aus dem 16. Jahrhundert durch eine prachtvolle Neorenaissance-Treppe. Um das steile Gefälle auszugleichen, das Cremona seiner antiken Flussterrasse verdankt, ließ Voghera das Pflaster des Innenhofs und des angrenzenden Platzes um fast einen Meter absenken.
Kunst und Erbe im Salone dei Quadri
Heute dient der Salone dei Quadri als moderner Ratssaal (Consiglio Comunale). Seinen Namen verdankt der Raum den großformatigen Gemälden aus dem 17. Jahrhundert mit Werken prominenter Künstler wie Luigi Miradori (genannt Il Genovesino), Giovanni Battista Trotti (genannt Il Malosso) und Boccaccino. Die dunklen Öltöne und vergoldeten Rahmen verleihen dem Raum eine feierliche, herrschaftliche Atmosphäre.
Am hinteren Ende des Saals steht ein lebensgroßer Gipsabguss der Porta Stanga. Das originale Marmorportal schuf der Bildhauer Pietro da Rho in den 1490er-Jahren für den Palazzo Stanga in Cremona. Nachdem das Originalmeisterwerk 1875 ins Ausland verkauft wurde und im Pariser Louvre landete, installierte man noch in den 1870er-Jahren diesen getreuen Abguss, um das handwerkliche Renaissance-Erbe der Stadt wenigstens symbolisch im Rathaus zu bewahren.
Monumentale Säle und das Erbe der Geigenbauer
Den Salone dei Quadri umgeben mehrere weitere historisch bedeutende Räume des Palazzo Comunale:
- Salone degli Alabardieri: Zeigt Fragmente von Fresken aus dem späten 13. Jahrhundert auf unverputzten Wänden, darunter Darstellungen des heiligen Christophorus, der Madonna mit Kind und Heiligen sowie der Kreuzigung.
- Sala della Giunta: Dient als Sitzungssaal des Stadtratsausschusses und beherbergt einen intakten Marmorkamin, den der Bildhauer Gaspare Pedone 1502 meißelte.
- Sala della Consulta: Diente historisch als Versammlungsort für die städtischen Ratsherren, die sogenannten Decurioni.
- Ex Sala dei Violini: Die ehemalige Ratskapelle wurde 1961 zur Heimat der städtischen Streichinstrumentsammlung Raccolta degli Archi, nachdem die Stadt Antonio Stradivaris Violine Il Cremonese von 1715 erworben hatte. Zusammen mit historischen Instrumenten von Andrea Amati und Giuseppe Guarneri war die Sammlung hier bis September 2013 zu sehen, bevor sie in Cremonas eigens eingerichtetes Museo del Violino umzog.
Öffentlicher Zugang und heutige Nutzung
Der Palazzo Comunale fungiert bis heute als lebendiger Sitz der Stadtverwaltung mit den Büros des Bürgermeisters, des Stadtrats (Giunta) und des Gemeinderats. Unten im gewölbten Backsteinportikus fängt sich das geschäftige Treiben der Piazza del Comune und zieht hinauf zur monumentalen Steintreppe.
Die historischen Prunksäle, darunter der Salone dei Quadri, stehen Besuchern kostenlos offen und lassen sich ganz in Ruhe auf eigene Faust erkunden, sofern gerade keine offiziellen Sitzungen anstehen. Die ehemalige Sala dei Violini dient heute als Raum für wechselnde Kultur- und Stadtausstellungen.
FAQ
Kann man den Salone dei Quadri besichtigen?
Ja. Die historischen Säle des Palazzo Comunale, einschließlich des Salone dei Quadri, sind für Besucher kostenlos und ganz in Ruhe auf eigene Faust zugänglich, vorausgesetzt, es finden gerade keine Ratssitzungen oder offiziellen Veranstaltungen statt.
Warum steht ein Abguss der Porta Stanga im Salone dei Quadri?
Das Portal ist eine Gipsreproduktion der Renaissance-Porta-Stanga aus den 1870er-Jahren. Das Original meißelte Pietro da Rho in den 1490er-Jahren für den Palazzo Stanga. Das originale Marmorportal wurde 1875 ins Ausland verkauft und befindet sich heute im Pariser Musée du Louvre.
Werden im Palazzo Comunale noch Meistergeigen ausgestellt?
Nein. Antonio Stradivaris Violine Il Cremonese von 1715 sowie historische Instrumente von Andrea Amati und Giuseppe Guarneri wurden von 1961 bis September 2013 in der Sala dei Violini des Gebäudes gezeigt, bevor die städtische Sammlung dauerhaft ins Museo del Violino umzog.




