
Stradivaris Grabstein: Denkmal auf der Piazza Roma in Cremona
Das Denkmal auf der Piazza Roma
In der Parkanlage auf Cremonas Piazza Roma steht ein skulptiertes Kenotaph zu Ehren des Geigenbaumeisters Antonio Stradivari. Geschaffen vom Bildhauer Dante Ruffini, ist dieses Scheingrab eine originalgetreue Nachbildung von Stradivaris Familiengrabplatte aus dem Jahr 1729. Es befindet sich unweit der einstigen Rosenkranzkapelle, die früher Teil der Basilika San Domenico war.
Geigenliebhabern dient das Monument heute als zentraler Ort des Erinnerns. Der echte Grabstein von 1729 ruht allerdings geschützt im nahegelegenen Museo del Violino von Cremona. Das Scheingrab auf der Piazza Roma erinnert somit nicht nur an die historische Ruhestätte des Meisterhandwerkers, sondern auch an eine Epoche radikaler städtebaulicher Umbrüche.
Stradivaris letzte Jahrzehnte und seine Werkstatt
Im Jahr 1680 zog Stradivari in das damalige Gebäude Piazza San Domenico 2 (später Piazza Roma 1). Mit diesem Umzug lag sein Zuhause samt Werkstatt mitten im pulsierenden Geigenbauviertel Cremonas, Tür an Tür mit den Werkstätten der Amati und Guarneri.
Stradivari richtete sich in den oberen Stockwerken und unter dem Dachstuhl ein. An genau diesem Ort schuf er über fast sechs Jahrzehnte hinweg, bis zu seinem Tod am 18. Dezember 1737 im stolzen Alter von etwa 93 Jahren, den Großteil seiner schätzungsweise 1.100 Streichinstrumente. Darunter auch die Schätze seiner berühmten „Goldenen Periode“ zwischen 1700 und den späten 1720er-Jahren. 1729 erwarb er auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes eine Familiengruft in der Rosenkranzkapelle der Basilika. Wie Archivunterlagen verraten, kaufte er die Gruft einer adeligen Familie gebraucht ab. Stradivari musste also zunächst das fremde Wappen und die Inschrift der Vorbesitzer abmeißeln, bevor er sich dort selbst verewigen konnte.
Abriss und die verlorenen Gebeine
Trotz seines weltweiten Ruhms war Stradivaris Grab vor der modernen Stadtplanung nicht sicher. Zwischen 1869 und 1871 ließ die Stadtverwaltung die Basilika San Domenico samt angrenzendem Kloster abreißen, um Platz für die heutigen Gärten der Piazza Roma zu schaffen.
Bei den Räumungsarbeiten wurden die Grüfte geleert. Stradivaris Gebeine blieben unter dem modernen Denkmal nicht erhalten. Sie gingen entweder im Chaos der Bauarbeiten verloren oder landeten in einem Sammelbeinhaus auf dem städtischen Friedhof. Ruffinis Freiluftmonument markiert heute also lediglich symbolisch jenen Punkt, an dem einst die Kapelle stand.
Städtebaulicher Wandel und die Galleria XXV Aprile
Die Abrissbirne machte jedoch vor der Kirche nicht halt. In den 1930er-Jahren fiel der gesamte Wohnblock mit Stradivaris Haus und Werkstatt den faschistischen Stadterneuerungen zum Opfer, den berüchtigten sventramenti (wörtlich: „Ausweidungen“). An seiner Stelle entstand die Galleria XXV Aprile, eine überdachte Einkaufspassage im rationalistischen Stil mit Boutiquen und Cafés, die die Piazza Roma mit dem Corso Campi verbindet.
An der Außenfassade der Galleria erinnert eine verwitterte Marmortafel an den einstigen Standort der Werkstatt. Die italienische Inschrift besagt: „Qui sorgeva la casa dove Antonio Stradivari recando a mirabile perfezione il liuto levava alla sua Cremona nome imperituro di artefice sommo“ („Hier stand das Haus, in dem Antonio Stradivari, indem er die Kunst des Geigenbaus zu vollendeter Vollkommenheit führte, seiner Stadt Cremona als oberster Meister unvergänglichen Ruhm einbrachte“).
Heute schlägt die Piazza Roma eine Brücke zwischen Cremonas historischem Stadtkern, Heimat des Doms und des Torrazzo, und dem Museo del Violino an der Piazza Marconi. Das schattige Blätterdach, der gepflegte Rasen und die Statuen für Stradivari sowie den Komponisten Amilcare Ponchielli stehen dabei im reizvollen Kontrast zu den hallenden Marmorgängen der benachbarten Zwischenkriegspassage.
FAQ
Liegen Antonio Stradivaris Gebeine unter dem Grabstein auf der Piazza Roma?
Nein. Als die Basilika San Domenico zwischen 1869 und 1871 abgerissen wurde, räumte man auch die darunterliegenden Grabgewölbe. Stradivaris Gebeine gingen damals entweder verloren oder wurden in ein städtisches Gemeinschaftsbeinhaus umgebettet.
Wo befindet sich der originale Grabstein von Antonio Stradivari?
Der Stein im Park der Piazza Roma ist eine vom Bildhauer Dante Ruffini angefertigte Nachbildung. Die originale Grabplatte von 1729 wird im Museo del Violino in Cremona aufbewahrt.
Steht Stradivaris Werkstatt an der Piazza Roma noch?
Nein. Das Wohnhaus samt Werkstatt, in dem Stradivari von 1680 bis 1737 lebte, wurde in den 1930er-Jahren für den Bau der Einkaufspassage Galleria XXV Aprile abgerissen. Wenn du ein erhaltenes Wohnhaus suchst, lohnt sich ein Besuch der Casa Stradivari am Corso Garibaldi 57, wo er während seiner ersten Ehe von 1667 bis 1680 wohnte.




