San Giovanni Evangelista in Parma: Correggios Meisterwerk - Parma
© Wikimedia Commons | CC-BY-SA
Ziel

San Giovanni Evangelista in Parma: Correggios Meisterwerk

Parma, Italy

Die prunkvolle Barockfassade von San Giovanni Evangelista sticht auf der beschaulichen Piazzale San Giovanni sofort ins Auge. Direkt hinter dem Dom von Parma gelegen, bildet die Abbazia e Chiesa di San Giovanni Evangelista das Herzstück der Correggio-Route durch die Stadt. Der Komplex schlägt die Brücke zwischen den frühen, weltlichen Werken des berühmten Meisters in der Camera di San Paolo und seiner revolutionären Domkuppel gleich nebenan.

Renaissance-Wiedergeburt und Correggios Meisterwerk

Bereits im Jahr 980 ließ Bischof Sigifredo hier eine Benediktinerabtei errichten, doch 1477 legte ein verheerendes Feuer die ursprünglichen Gebäude in Schutt und Asche. Zwischen 1490 und 1519 wurde die Anlage unter der Leitung von Bernardino Zaccagni komplett neu aufgebaut. Kurz nach dem Wiederaufbau beauftragte der Benediktinerabt Girolamo Spinola den Hochrenaissance-Meister Antonio Allegri da Correggio mit der Ausmalung der Kuppel. Das zwischen 1520 und 1524 entstandene Werk „Die Vision des heiligen Johannes auf Patmos“ war Correggios erster großer öffentlicher Kirchenauftrag. Das Fresko gilt heute als Meisterstück des di sotto in sù, einer extremen illusionistischen Untersicht.

Eine Illusion exklusiv für Mönche

Die raffinierte Perspektive von Correggios Kuppel war ursprünglich gar nicht für die breite Öffentlichkeit gedacht, sondern ganz gezielt für die Mönche. Die Kuppel besitzt keine Laterne an der Spitze und wird ausschließlich durch Rundfenster im Tambour erhellt. Das erzeugt ein konzentriertes Lichtspiel auf den goldenen Wolken und den schwebenden Aposteln hoch oben. Die perspektivisch verkürzte Christusfigur scheint förmlich durch die Decke herabzuschweben. Die Gestalt des greisen Johannes wiederum sitzt am westlichen Rand der Kuppelbasis. Durch diese clevere Platzierung war er fast nur vom Chorgestühl und dem Hochaltar aus zu sehen. Wenn die Mönche aufblickten, sahen sie Johannes, wie er ehrfürchtig zum herabschwebenden Christus emporschaute. Für Laien im Kirchenschiff blieb diese Sichtachse weitgehend verborgen.

Parmigianinos Frühwerk und versteckte Kuriositäten

San Giovanni Evangelista war auch die künstlerische Talentschmiede einer weiteren Berühmtheit: Der blutjunge Parmigianino arbeitete hier Seite an Seite mit Correggio und malte Heiligenfiguren an die Bögen der linken Kapellen, bevor er seine eigene Karriere startete. Dazu gesellen sich weitere Werke von Renaissancemeistern wie Francesco Maria Rondani und Michelangelo Anselmi. Tief im Inneren birgt die Sakristei aus dem 16. Jahrhundert einen Altar mit den Reliquien des heiligen Tarcisius. Der Boden ist hier mit einem leichten Gefälle verlegt, eine optische Raffinesse, die beim Betreten für einen erhebenden Raumeffekt sorgt.

Ein lebendiges Kloster im historischen Zentrum

Auch im 17. Jahrhundert veränderte sich die Kirche weiter: Zwischen 1604 und 1607 schuf der herzogliche Architekt Simone Moschino die kunstvolle Marmorfassade. 1613 wurde schließlich der 75 Meter hohe Glockenturm fertiggestellt, bis heute der höchste Punkt im historischen Zentrum von Parma. Heute wird San Giovanni Evangelista als aktive Pfarrkirche und Benediktinerkloster der Kongregation von Subiaco und Montecassino geführt. Die Kirche ist täglich bei freiem Eintritt geöffnet. Zur weitläufigen Anlage gehören außerdem drei Kreuzgänge und eine monumentale, freskierte Bibliothek, die zu bestimmten Zeiten besichtigt werden kann. In der angrenzenden Antica Spezieria befindet sich heute ein staatliches Museum.

FAQ

Wer hat die Kuppel in San Giovanni Evangelista gemalt?

Die Kuppel wurde zwischen 1520 und 1524 vom Hochrenaissance-Meister Correggio ausgemalt. Das Fresko „Die Vision des heiligen Johannes auf Patmos“ ist berühmt für seine extreme illusionistische Untersicht.

Wird San Giovanni Evangelista heute noch als Kirche genutzt?

Ja, der Komplex ist nach wie vor eine aktive Pfarrkirche und ein Benediktinerkloster der Kongregation von Subiaco und Montecassino. Die Kirche ist täglich bei freiem Eintritt geöffnet.

Was ist das höchste Bauwerk im historischen Zentrum von Parma?

Der 1613 fertiggestellte Glockenturm von San Giovanni Evangelista ist mit 75 Metern der höchste Punkt im historischen Zentrum von Parma.

More places in Parma