Teatro Regio Parma: das härteste Opernpublikum - Parma
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Ziel

Teatro Regio Parma: das härteste Opernpublikum

Parma, Italy

Tritt ein in das Reich der gefürchtetsten Kritiker der italienischen Oper. Mitten an der Strada Giuseppe Garibaldi in Parma bildet das Teatro Regio das Herzstück der reichen Musiktradition der Stadt. Ursprünglich als Nuovo Teatro Ducale gegründet, zählt die historische Bühne heute zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern Italiens und gilt als kompromisslose Bastion für das Opernschaffen von Giuseppe Verdi.

Ein prachtvolles städtisches Opernhaus

Nach dem Wiener Kongress beschloss Herzogin Marie-Louise von Österreich, das veraltete Hoftheater von Parma durch ein modernes städtisches Opernhaus zu ersetzen. Sie beauftragte Hofarchitekt Nicola Bettoli damit, den Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Sant’Alessandro zu entwerfen.

Die Bauarbeiten dauerten von 1821 bis 1829. Am 16. Mai 1829 wurde das Theater feierlich eingeweiht, und zwar mit Vincenzo Bellinis eigens für diesen Anlass komponierter Oper Zaira. Seinen heutigen Namen, Teatro Regio, erhielt das Haus offiziell im Jahr 1849.

Neorenaissance-Prunk und Geheimgänge

Die Fassade zeigt sich im klassizistischen Gewand, getaucht in das traditionelle „Giallo Parma“ (Parma-Gelb). Sie wird von einem Portikus aus ionischen Granitsäulen sowie Reliefs von Tommaso Bandini gerahmt, die Apollos Leier und Allegorien des Ruhmes darstellen.

Im Inneren erstrahlte der klassische hufeisenförmige Saal nach italienischem Vorbild ursprünglich in klassizistischem Weiß und Blau. 1853 ließ Herzog Karl III. das Interieur durch den Bühnenbildner Girolamo Magnani umgestalten, mit vergoldetem Stuck, Ornamenten der Neorenaissance und schwerem rotem Samt. Der Saal bietet im Parkett, den vier Logenrängen und der Galerie Platz für 1.200 bis 1.400 Zuschauer.

Über dem Saal schwebt der „Astrolampo“, ein riesiger, in Paris gefertigter Kronleuchter aus vergoldeter Bronze, der über vier Meter hoch ist und mehr als 1.100 Kilogramm wiegt. Bis heute erhalten ist auch der seltene bemalte Bühnenvorhang von Giovan Battista Borghesi, der Herzogin Marie-Louise als Allegorie der Göttin Minerva zeigt. Um die Privatsphäre der Herzogin zu schützen, wurde ein geheimer Gang zwischen dem benachbarten Herzogspalast und der königlichen Loge angelegt, sodass sie Vorstellungen völlig unbemerkt vom Publikum besuchen konnte. Eine weitere historische Kuriosität ist die originale beleuchtete Uhr mitten über dem Bühnenportal, die alle fünf Minuten weiterspringt, damit das Publikum auch im Dunkeln die Zeit im Blick behält.

Die Loggionisti: die strengsten Kritiker der Opernwelt

Weltweit berühmt ist das Teatro Regio vor allem für das Publikum auf der obersten Galerie (loggione). Diese leidenschaftlichen Opernfans, die sogenannten Loggionisti, gelten als das lautstärkste und unerbittlichste Opernpublikum der Welt.

Die Schreckensbilanz dieser anspruchsvollen Kenner ist legendär: Verfehlt ein Sänger auch nur minimal Tonhöhe oder Phrasierung, buhen sie gnadenlos, zischen, rufen dazwischen oder verlassen demonstrativ den Saal. Ihre kompromisslose Härte hat schon so manchen gefeierten Weltstar eingeschüchtert oder in Tränen aufgelöst.

Die tiefe Opernleidenschaft der Stadt zeigt sich auch im traditionsreichen „Club dei 27“, einer exklusiven Vereinigung, die auf genau 27 männliche Mitglieder begrenzt ist. Jedes Mitglied trägt als Namen den Titel einer der 27 vollendeten Opern von Giuseppe Verdi.

Heutiger Spielbetrieb und Besichtigung

Heute bietet das Teatro Regio eine lebendige Opernsaison, Sinfoniekonzerte sowie die Ballettreihe ParmaDanza. Jeden Herbst wird es zur Hauptbühne des renommierten Festival Verdi und des dazugehörigen Rahmenprogramms Verdi Off.

Mit Initiativen wie der Accademia Verdiana fördert das Theater zudem den opernmusikalischen Nachwuchs. Das Haus kann bei öffentlichen Führungen auf Italienisch und Englisch besichtigt werden, die Einblicke ins Foyer, den großen Saal und das Ridotto bieten. Vor Ort lohnt sich außerdem ein Abstecher in das historische Gran Caffè del Teatro Regio.

FAQ

Wann wurde das Teatro Regio erbaut?

Der Bau begann 1821 im Auftrag von Herzogin Marie-Louise von Österreich. Am 16. Mai 1829 wurde das Theater mit einer Aufführung von Vincenzo Bellinis Oper Zaira eingeweiht.

Wer sind die Loggionisti?

Die Loggionisti sind die Zuschauer auf der obersten Galerie des Theaters, dem Loggione. Sie sind in der Opernwelt für ihr extrem kritisches und unbarmherziges Urteil bekannt und buhen oder beschimpfen Sänger lautstark, wenn diese Töne oder Phrasierungen verfehlen.

Ist das Teatro Regio für Führungen geöffnet?

Ja, das Theater bietet öffentliche Führungen auf Italienisch und Englisch an, die das Foyer, den großen Saal und das Ridotto umfassen.

Was ist der Astrolampo?

Der Astrolampo ist ein gewaltiger Kronleuchter aus vergoldeter Bronze, der an der Saaldecke hängt. Er wurde in Paris gefertigt, ist über vier Meter hoch und wiegt mehr als 1.100 Kilogramm.

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