
Fontana delle Sette Cannelle: Pitiglianos Wahrzeichen
Das monumentale Finale des Aquädukts
Am südlichen Rand der Piazza della Repubblica in Pitigliano zieht die Fontana delle Sette Cannelle die Blicke auf sich. Aus porösen, goldbraunen Tuffsteinquadern gehauen, bildet der Brunnen den monumentalen Abschluss des historischen Aquädukts. Er liegt direkt neben einer Aussichtsterrasse hoch über der tiefen Schlucht des Valle del Meleta, genau dort, wo die mächtigen Arkaden des Aquädukts das Tor zur Altstadt erreichen.
Lange Zeit war das Leben auf dem Felsen von Pitigliano in Sachen Wasser eine echte Zitterpartie. Hoch oben auf dem isolierten Tuffplateau gab es keine natürlichen Quellen, die Stadt war ganz auf ihre Regenwasserzisternen angewiesen. Erst als frisches Quellwasser direkt ins Zentrum geleitet wurde, veränderte der Brunnen als wichtigster städtischer Zapfhahn den Alltag der Bewohner von Grund auf.
Ein Brunnen, der ein Jahrhundert auf sein Wasser wartete
Graf Gianfrancesco Orsini, Herrscher über die Grafschaft Pitigliano, gab den Brunnen 1545 in Auftrag. Doch mit dem fließenden Wasser ließ man sich Zeit, reichlich Zeit. Während der kunstvolle Brunnenkopf bereits Mitte des 16. Jahrhunderts fertig war, blieb der kühne Aquädukt, der das Wasser über die Schlucht bringen sollte, jahrzehntelang unvollendet.
Erst zwischen 1637 und 1638 vollendeten die toskanischen Medici-Großherzöge, die das Gebiet mittlerweile geschluckt hatten, das gewagte Bauprojekt. Mitte des 18. Jahrhunderts sprach man dann ganz selbstverständlich von der Fontana delle Sette Cannelle oder auch der Fontana Medicea.
Architektur und mythologische Maskarons
Die Fassade des Brunnens gliedert sich in fünf Bögen: Ein hoher mittlerer Rundbogen wird auf jeder Seite von zwei niedrigeren Segmentbögen flankiert. Fünf gemeißelte Steinspitzen krönen die Dachlinie, drei auf dem mittleren Giebel und zwei an den äußeren Ecken. Ganz oben thront ein verwitterter Bär aus Stein, das Wappentier der Orsini-Dynastie.
Seinen Namen verdankt das Monument den sieben Röhren (sette cannelle), aus denen das Wasser in die Becken darunter plätschert. Ein einheitliches Bild sucht man hier vergeblich: Die Wasserspeier sind ein stilistischer Flickenteppich aus ganz verschiedenen Jahrhunderten. Das Wasser fließt aus Maskarons aus Bronze und Tuffstein, die Tiergestalten und mythologische Figuren wie Medusa, Silen oder einen herkulischen Männerkopf zeigen.
Das Herz der Piazza della Repubblica
Die Fontana delle Sette Cannelle dient als markanter Wegweiser am Eingang zur Altstadt von Pitigliano. Auf der Piazza della Repubblica finden sich noch zwei weitere Brunnen: ein Paar kleinerer Zwillingsbrunnen (fontane gemelle), die Anfang des 20. Jahrhunderts an den gegenüberliegenden Enden des Platzes aufgestellt wurden. Zusammen mit dem benachbarten Palazzo Orsini erinnert der Brunnen aus dem 16. Jahrhundert an den jahrhundertelangen Kampf um das kostbare Wasser.
FAQ
Warum wurde der Brunnen gebaut, bevor der Aquädukt fertig war?
Graf Gianfrancesco Orsini ließ das prachtvolle Kopfstück 1545 errichten, um Pitigliano endlich mit Wasser zu versorgen. Doch der gewaltige Aquädukt, der das Wasser über die Schlucht leiten sollte, wurde erst zwischen 1637 und 1638 unter den toskanischen Medici-Großherzögen fertiggestellt.
Welche Figuren zieren die Wasserspeier des Brunnens?
Die sieben Röhren sind mit Maskarons aus Stein und Bronze verziert. Sie zeigen eine bunte Mischung aus tierischen und mythologischen Gesichtern verschiedener Epochen, darunter Medusa, Silen und ein herkulischer Männerkopf.
Was bedeutet die Bärenskulptur auf dem Brunnen?
Der verwitterte Steinbär oben auf dem Denkmal ist das Wappentier der Familie Orsini. Graf Gianfrancesco Orsini war es auch, der den Brunnen im Jahr 1545 in Auftrag gab.




