
Chiesa di Sant'Agostino, San Gimignano: Kunst und Geschichte
Geschichte und Architektur von Sant'Agostino
Direkt an der Piazza Sant'Agostino, unweit der Porta San Matteo, markiert die Kirche Sant'Agostino das nördliche Ende der historischen Altstadt von San Gimignano. Sie bildet den Schlusspunkt der Hauptachse, die sich von der Porta San Giovanni durch die zentralen Plätze zieht, und ist zugleich das zweitgrößte Gotteshaus der Stadt.
Ursprünglich sollten die Augustiner-Eremiten 1272 ein Kloster draußen vor den Stadtmauern in Racciano errichten. Doch schon 1280 sicherten sich die Brüder die Unterstützung der Stadtväter für einen Umzug ins sichere Innere der Befestigung. Die Stadt spendierte Kalk und stolze 20.000 Ziegelsteine für den Baukomplex. Am 31. März 1298 weihte Kardinal Matteo d'Acquasparta Kirche und Kloster schließlich feierlich ein.
Ende des 13. Jahrhunderts überwiegend aus Backstein gemauert, verbindet der Bau romanische und gotische Elemente. Das Innere empfängt dich mit einem einzigen, weiten Kirchenschiff unter einem offenen Holzdachstuhl, das in drei quadratischen Chorkapellen mündet. Während die Collegiata von San Gimignano für ihre sienesische Kunst des 14. Jahrhunderts berühmt ist, steht Sant'Agostino für den Renaissance-Höhepunkt des 15. Jahrhunderts. Zu verdanken ist das den Augustinern, deren Mäzenatentum führende Künstler aus Florenz hierher lockte.
Benozzo Gozzoli und das Pestfresko von 1464
Der Florentiner Maler Benozzo Gozzoli war 1463 vor einer Seuche aus seiner Heimatstadt nach San Gimignano geflohen. Als die Pest im Sommer 1464 auch das Hügelstädtchen erreichte, gaben die Augustiner eilig ein Votivfresko des heiligen Sebastian in Auftrag, der als Schutzpatron gegen Seuchen galt. Gozzoli und seine Werkstatt vollendeten das monumentale Werk an der Langhauswand in rekordverdächtigen 16 Tagen, am 28. Juli 1464.
Statt der üblichen Ikonografie, die den heiligen Sebastian halbnackt, an einen Pfahl gebunden und von Pfeilen durchbohrt zeigt, kleidet Gozzoli ihn in antike Gewänder. Wie eine Schutzmantelmadonna breitet Sebastian seinen weiten Mantel über die verängstigten Stadtbewohner aus. Die von oben herabgeschleuderten Pestpfeile zerschellen wirkungslos an seinem Tuch, während Christus und Maria im Himmel um göttliche Gnade bitten. Neben Sebastian siehst du Fra Domenico Strambi im Profil, den klösterlichen Gelehrten, der das theologische Konzept entwarf und das Werk finanzierte.
Meisterwerke der Renaissance und San Bartolo
Neben dem Pestfresko schuf Gozzoli zwischen 1464 und 1465 in der Hauptchorapsis einen bedeutenden, 17 Szenen umfassenden Freskenzyklus über das Leben des heiligen Augustinus. Auch hier taucht Fra Domenico Strambi in mehreren Szenen auf. Am Hochaltar im Chorraum erwartet dich zudem Piero del Pollaiuolos Tafelbild der Krönung Mariens aus dem Jahr 1483.
In der Kirche befindet sich außerdem die Cappella di San Bartolo, die Bartolo Buonpedoni (1228–1300) gewidmet ist. Als „Hiob der Toskana“ verehrt, pflegte dieser Franziskaner-Terziar zwei Jahrzehnte lang die Kranken im Leprosorium von Cellole, bis er sich selbst ansteckte und der Krankheit erlag. Herzstück der Kapelle ist ein Altarretabel aus weißem Marmor, das der Bildhauer Benedetto da Maiano zwischen 1494 und 1495 schuf, gebettet auf glasierten Majolika-Bodenfliesen aus der Werkstatt von Andrea della Robbia.
Der Kreuzgang und praktische Hinweise
An das Kirchenschiff schließt sich ein stiller, zweigeschossiger Backsteinkreuzgang aus dem 15. Jahrhundert an. Bis zu ihrem Umzug im Jahr 1983 war hier die naturkundliche und ornithologische Sammlung der Stadt untergebracht.
Heute ist die Anlage noch immer ein aktives Kloster und Gotteshaus des Augustinerordens. Gottesdienste finden täglich auf Italienisch statt. Für Reisende und Pilger auf der Via Francigena gibt es jeden Sonntag um 11:00 Uhr eine eigene Messe in englischer Sprache. Die Kirche ist täglich geöffnet, schließt jedoch über die Mittagsstunden. Der Eintritt ist frei, für die Spotbeleuchtung des Chorzyklus und der Seitenkapellen solltest du allerdings ein paar 50-Cent-Münzen für die Automaten dabeihaben.
FAQ
Warum wird der heilige Sebastian in Sant'Agostino anders dargestellt?
Statt halbnackt, an einen Pfahl gebunden und von Pfeilen durchbohrt, erscheint der heilige Sebastian hier voll bekleidet in antiker Tracht. Wie eine Schutzmantelmadonna breitet er seinen Umhang aus, um die herabregnenden Pestpfeile von den Bürgern unter ihm abzuwehren.
Wer war San Bartolo?
Bartolo Buonpedoni war ein lokaler Ordens-Terziar des 13. Jahrhunderts, der zwanzig Jahre lang Leprakranke in Cellole pflegte, bis er sich selbst ansteckte. Seine Reliquien ruhen in der Cappella di San Bartolo in einem Marmorschrein von Benedetto da Maiano.
Gibt es englischsprachige Gottesdienste in Sant'Agostino?
Ja, neben den täglichen Gottesdiensten auf Italienisch findet jeden Sonntag um 11:00 Uhr eine katholische Messe auf Englisch statt, gedacht für Reisende und Pilger auf der Via Francigena.




