Torri dei Salvucci: Die Zwillingstürme von San Gimignano - San-gimignano
© Photo by Torre Salvucci Maggiore Medieval Tower Experience via Google Maps
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Torri dei Salvucci: Die Zwillingstürme von San Gimignano

San-gimignano, Italy

Architektonische Fehde auf der Piazza delle Erbe

Am nördlichen Rand der Piazza delle Erbe in San Gimignano ragen die Torri dei Salvucci in die Höhe, weithin sichtbare Relikte eines erbitterten mittelalterlichen Prestigekampfs. Erbaut zwischen 1248 und 1257, gab die wohlhabende Kaufmanns- und Geldverleiherdynastie der Salvucci diese beiden Geschlechtertürme in Auftrag, bekannt als Torre Salvucci Maggiore und Torre Salvucci Minore. Direkt neben der Piazza del Duomo gelegen, diente die Piazza delle Erbe damals als ganz gewöhnlicher Marktplatz für Obst, Gemüse und Kräuter.

Im 12. und 13. Jahrhundert brachte der Handel und die Pilgerströme auf der Via Francigena San Gimignano einen beispiellosen Wirtschaftsboom. Die Patrizierfamilien wetteiferten im Höhenrausch und zimmerten über 70 Türme in den toskanischen Himmel, was der Stadt den Spitznamen „Manhattan des Mittelalters“ einbrachte. Die Torri dei Salvucci wurden auf quadratischem Grundriss errichtet, mit dicken, wehrhaften Steinmauern und schmalen Schießscharten, ganz auf militärische Verteidigung und Sicherheit getrimmt, nicht auf Wohnkomfort.

Wie man die Bauordnung von 1255 austrickst

Mit dem Bau ihrer Riesen legten sich die Salvucci ganz offen mit der Stadtobrigkeit an. Die steinernen Kolosse sollten den offiziellen Stadtturm, die rund 51 Meter hohe Torre Rognosa, einholen oder sogar übertrumpfen. Um die kommunale Vormachtstellung zu sichern, erließ die Stadtverwaltung 1255 kurzerhand ein Dekret: Kein privater Turm durfte höher sein als der Rathausturm.

Da die Türme der Salvucci prompt gegen diese Verordnung verstießen, ordnete die Stadt ihre Kappung an, die sogenannte scapitozzatura, und ließ sie auf rund 40 bis 42 Meter stutzen. Doch die Salvucci fanden ein Schlupfloch. Wenn sie schon nicht höher bauen durften, bauten sie eben breiter: Sie stellten zwei wuchtige Türme direkt nebeneinander, verdoppelten so ihre optische Dominanz und beherrschten den Platz durch geballte Baumasse.

Bandenkriege und das Ende der Kommune

Die Türme dienten als private Festungen in einer unerbittlich eskalierenden Fehde zwischen den mächtigsten Adelsgeschlechtern der Stadt. Der Salvucci-Clan führte die örtlichen Ghibellinen an, die treu zum Kaiser hielten und mit dem nahen Siena paktierten. Ihre erbitterten Rivalen, die welfischen Ardinghelli, schlugen sich auf die Seite von Florenz und dem Papst. Als Antwort auf das Bollwerk der Salvucci zogen auch die Ardinghelli auf der anderen Seite des Platzes ihre eigenen Zwillingstürme hoch. Das steinerne Kräftemessen mitten im Herzen der Stadt war perfekt.

Jahrzehntelange blutige Straßenschlachten, Hinterhalte und Vergeltungsaktionen gipfelten 1352 in der Enthauptung der Anführer der Ardinghelli direkt auf den Rathausstufen. Doch der jahrelange Bürgerkrieg und der Schwarze Tod von 1348 hatten die Kommune ausgeblutet. San Gimignano konnte seine Unabhängigkeit nicht mehr verteidigen und unterwarf sich zwischen 1353 und 1354 endgültig Florenz.

Statische Geheimnisse und der verlorene dritte Turm

Auch wenn man sie vor Ort meist Torri Gemelle (Zwillingstürme) nennt: Völlig identisch sind die beiden Bauwerke nicht. Die Torre Salvucci Maggiore überragt die Torre Salvucci Minore um ein Stück, und bei genauerem Hinsehen offenbaren die Steinfassaden feine Unterschiede im Mauerwerk.

Ursprünglich gehörte zu dem Ensemble sogar noch ein dritter Turm. Im Jahr 1439 stürzte dieser Koloss jedoch ein, riss den angrenzenden Palast der Salvucci komplett mit in die Tiefe und beschädigte die benachbarte Torre Useppi schwer. Heute zählt das verbliebene Duo zu den gerade einmal 14 vollständig erhaltenen Türmen, die in San Gimignano noch stehen.

Modernes Wohnen in der Torre Salvucci Maggiore

Beide Türme sind bis heute fest im historischen Gefüge der Piazza delle Erbe verwurzelt. Während die Torre Salvucci Minore als Teil des mittelalterlichen Stadtbilds geschützt ist, wird die Torre Salvucci Maggiore heute als privates historisches Feriendomizil vermietet.

Im Inneren der Torre Salvucci Maggiore wohnt man gewissermaßen vertikal: Die Räume verteilen sich auf zehn bis elf übereinandergestapelte Ebenen. Über einen engen Aufstieg mit rund 143 bis 160 steilen Steinstufen kletterst du von Etage zu Etage, bis du ganz oben auf der offenen Dachterrasse stehst. Die Belohnung für den Aufstieg: ein spektakulärer 360-Grad-Panoramablick über die Terrakottadächer und die alten Türme von San Gimignano.

FAQ

Warum bauten die Salvucci zwei Türme nebeneinander?

Als ein städtisches Dekret von 1255 verbot, dass Privattürme die Höhe der Torre Rognosa am Rathaus übertreffen durften, umgingen die Salvucci das Gesetz: Sie bauten zwei Türme direkt nebeneinander und verdoppelten so ihre Präsenz auf dem Platz.

Wurden die Torri dei Salvucci nachträglich gekürzt?

Ja. Weil die Türme ursprünglich gegen die städtische Höhenbegrenzung verstießen, ordnete die Kommune ihre Kürzung an, die sogenannte *scapitozzatura*. Sie wurden auf rund 40 bis 42 Meter gestutzt.

Sind die beiden Salvucci-Türme identisch?

Obwohl man sie vor Ort als Zwillingstürme (*Torri Gemelle*) kennt, gleichen sie sich baulich nicht völlig. Die Torre Salvucci Maggiore ist etwas höher als die Torre Salvucci Minore und weist andere Details im Mauerwerk auf.

Was geschah mit dem dritten Turm des Salvucci-Komplexes?

Im Jahr 1439 stürzte ein dritter Turm der Wehranlage ein, zerstörte den Palast der Salvucci und beschädigte die benachbarte Torre Useppi.

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