
Cattedrale di San Nicolò di Bari: Dom von Taormina
Die Festungskathedrale von Taormina
Die Cattedrale di San Nicolò di Bari, im Volksmund schlicht Duomo di Taormina genannt, bildet den architektonischen Südpfeiler der Piazza del Duomo. Direkt am Corso Umberto I gelegen, kaum 60 Meter hinter dem antiken Stadttor Porta Catania, folgt die Basilika dem geschichtsträchtigen Verlauf der römischen Via Consolare Valeria. 1980 von Papst Johannes Paul II. zur Basilica minor erhoben, gilt der Dom als Paradebeispiel einer ecclesia munita, einer Wehrkirche: gewaltiges Mauerwerk, trutzig und allzeit bereit für den Ernstfall.
Baugeschichte und wehrhaftes Erbe
Im 13. Jahrhundert über den Überresten einer früheren mittelalterlichen Basilika errichtet, war die Kirche von Beginn an auch als befestigte Zuflucht gedacht. Siziliens Küstenorte wurden regelmäßig von Piraten und feindlichen Truppen heimgesucht. Die Antwort der Baumeister: wuchtiges Quaderwerk, ein stämmiger Glockenturm und wehrhafte Zinnen, die sich über die gesamte Dachlinie ziehen.
In den folgenden Jahrhunderten erlebte das Bauwerk immer wieder Umbauten, besonders im 15., 16. und 18. Jahrhundert. So entstand ein unverwechselbarer Mix aus arabisch-normannischen, romanischen, gotischen und barocken Elementen. Mitte des 20. Jahrhunderts leitete der Architekt Armando Dillon eine umfassende Restaurierung, die 1948 abgeschlossen wurde. Dabei befreite man den Raum vom schweren Barockstuck des 17. Jahrhunderts, sodass die ursprünglichen mittelalterlichen Apsisbögen und das historische Holzbalkendach wieder frei sichtbar wurden.
Höhepunkte an Fassade und Innenraum
Die Außenfassade vereint schroffe Verteidigungsarchitektur mit feiner Handwerkskunst. Oben sitzt eine Rosette im Übergangsstil von Gotik zu Renaissance, gemeißelt aus hellem Syrakus-Kalkstein. Darunter wird das 1636 neu errichtete barocke Hauptportal von korinthischen Säulen flankiert. Die kunstvoll verzierten Türpfosten zeigen 22 Relieffiguren, jeweils elf pro Seite, welche die Apostel und die Symbole der vier Evangelisten darstellen.
Im Inneren öffnet sich der Grundriss eines lateinischen Kreuzes in drei Schiffe und drei Apsiden unter einer offenen Holzbalkendecke. Das Mittelschiff wird von sechs monolithischen Säulen aus rosa Taormina-Marmor getragen, gekrönt von Kapitellen mit Blatt- und Fischschuppenmotiven. Das Besondere: Vier dieser Monolithen sind antike Spolien. Sie wurden kurzerhand aus dem griechisch-römischen Theater der Stadt geholt und im Mittelalter hier neu verbaut. Einer lokalen Überlieferung nach wurde während der arabischen Herrschaft zudem eine verehrte byzantinische Marienikone in den Mauern eingemauert, um sie vor der Zerstörung zu bewahren, nur um Jahrhunderte später wiederentdeckt zu werden.
Fontana di Piazza Duomo
Direkt gegenüber der Kathedrale plätschert die barocke Fontana di Piazza Duomo, auch bekannt als Quattro Fontane. 1635 erbaut, staffelt sich der Brunnen über kreisförmige Stufen und zwei Ebenen empor, umgeben von vier Eckbecken mit wasserspeienden Fabelpferden.
Die Spitze des Brunnens krönt die Centauressa, eine bekrönte, zweibeinige Zentaurin mit Zepter und Reichsapfel. Während Kentauren in der antiken Mythologie klassischerweise männlich sind, verkörpert diese weibliche Figur das Wappensymbol von Taormina und verbindet lokale Heraldik mit antiken Sagengestalten.
Ein Besuch auf der Piazza del Duomo
Die Basilika ist bis heute eine aktive römisch-katholische Pfarrkirche und Basilica minor. Neben den regulären Gottesdiensten unter der Woche und an Feiertagen steht sie tagsüber für Besichtigungen offen, der Eintritt ist frei. Mit ihrer markanten Steinfassade und dem weiten Blick über das Ionische Meer bis hin zum Ätna gehört sie zu den gefragtesten Hochzeitskirchen in ganz Ostsizilien. Draußen bildet die autofreie Piazza den perfekten Treffpunkt: Straßencafés, Straßenkünstler und das leise Plätschern des alten Brunnens auf dem Pflaster machen das sizilianische Flair lebendig.
FAQ
Kostet der Eintritt in die Cattedrale di San Nicolò di Bari etwas?
Nein, der Eintritt in die Kathedrale ist während der regulären täglichen Besuchszeiten kostenlos, die sowohl Besichtigungen als auch die Teilnahme an Gottesdiensten ermöglichen.
Warum wird der Duomo di Taormina als Festungskathedrale bezeichnet?
Als sogenannte ecclesia munita wurde die Kirche mit dicken Quadersteinmauern, Zinnen und einem wuchtigen Glockenturm erbaut, damit die Einwohner bei Piratenangriffen und kriegerischen Konflikten an der Küste Zuflucht finden konnten.
Welche Statue thront auf dem Brunnen der Piazza del Duomo?
Der Brunnen von 1635 wird von der Centauressa gekrönt, einer zweibeinigen, bekrönten Zentaurin mit Zepter und Reichsapfel, die als offizielles Wappensymbol von Taormina dient.
Wurden in der Kathedrale antike Ruinen verbaut?
Ja, vier der sechs monolithischen Säulen aus rosa Taormina-Marmor im Mittelschiff sind Spolien, die aus dem antiken griechisch-römischen Theater von Taormina stammen.



