
Beurs Rotterdam: Geschichte und Architektur des WTC
Gerade einmal einen einzigen Tag war die Beurs in Betrieb, bevor der Krieg ausbrach. Doch die unverwüstliche Börsenhalle trotzte dem verheerenden Bombardement auf Rotterdam. Heute bildet sie das buchstäbliche Fundament für Rotterdams moderne Skyline und das pulsierende Herz des Geschäftszentrums am Coolsingel.
Ein modernistisches Fundament und ein einziger Handelstag
Die Idee zur Beurs entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, als Bürgermeister Zimmerman den damaligen Coolsingel-Kanal in einen repräsentativen Prachtboulevard verwandeln wollte. Architekt Jan Frederik Staal entwarf das Gebäude im Stil des Neuen Bauens (Nieuwe Bouwen), errichtet wurde es zwischen 1936 und 1940. Die Innenräume gestaltete Margaret Staal-Kropholler.
Am 9. Mai 1940 fand im ursprünglichen Beurs-Komplex der allererste Handelstag statt. Dieses Debüt währte exakt einen Tag, bis der deutsche Überfall auf die Niederlande den Betrieb jäh stoppte. Fünf Tage später, am 14. Mai, schlugen während des verheerenden Bombardements auf Rotterdam sieben Bomben direkt in den Neubau ein. Doch während die historische Altstadt ringsum in Schutt und Asche versank, hielt die Beurs stand. Sie wurde rasch repariert und schon 1941 feierlich für den Handel wiedereröffnet.
Spektakuläre architektonische Evolution
Das Gebäude lebt von einem markanten Kontrast aus Formen und Texturen, der Rotterdams wirtschaftlichen Wiederaufstieg nach dem Krieg erzählt. Der ursprüngliche Bau von 1940 dient als flacher, klar gegliederter Sockel aus Backstein und Beton. Als der Platzbedarf stieg, setzte Arthur Staal, der Sohn des ursprünglichen Architekten, diesem Flachbau 1973 ein weiteres Stockwerk auf.
Zwischen 1984 und 1987 verwandelte sich der Komplex grundlegend: Nach Plänen des Architekten Rob van Erk wuchs ein 93 Meter hoher, meergrüner, elliptischer Glasturm direkt über der historischen Börsenhalle empor. 1987 weihte Königin Beatrix den erweiterten Komplex offiziell als Beurs-World Trade Center ein.
Kunst und Denkmäler an der Beurs
Den Eingang erreicht man vom Coolsingel aus über eine monumentale Granittreppe, die auf sechs Stahlbetonsäulen ruht. Auf den Stufen fällt sofort ein bronzenes Denkmal ins Auge, das den Rotterdamer Staatsmann Gijsbert Karel van Hogendorp darstellt.
In der zentralen Halle steht eine Bronzestatue von Merkur, dem römischen Gott des Handels. Sie wurde aus den Trümmern der alten Rotterdamer Börse aus dem 19. Jahrhundert geborgen, die 1940 den Bomben zum Opfer gefallen war.
Das moderne World Trade Center Rotterdam
Heute firmiert die Beurs als World Trade Center Rotterdam (WTC). Sie ist ein geschäftiger Wirtschaftsknotenpunkt mit rund 200 Büros, Geschäften und Konferenzräumen. In den oberen Etagen des Flachbaus befindet sich das Postillion Hotel, zudem beherbergt das Gebäude die WTC Rotterdam Art Gallery.
Als eine der wenigen Überlebenden des Bombardements von 1940 verkörpert die Beurs wie kaum ein anderes Gebäude die Rotterdamer Philosophie des Wiederaufbaus: Innovation statt Rekonstruktion. Sie liegt direkt an der belebten Metrostation Beurs am Coolsingel. Dieser Prachtboulevard ist die Festmeile der Stadt, hier liegt das Ziel des Rotterdam-Marathons und hier feiert Feyenoord traditionell seine Meisterschaften.
FAQ
Wofür wird die Beurs in Rotterdam heute genutzt?
Heute fungiert die Beurs als World Trade Center Rotterdam (WTC). Sie beherbergt rund 200 Büros, Einzelhandelsflächen, Konferenzräume, das Postillion Hotel und die WTC Rotterdam Art Gallery.
Hat die Beurs das Bombardement auf Rotterdam überstanden?
Ja. Die Beurs wurde beim Bombardement auf Rotterdam am 14. Mai 1940 zwar von sieben Bomben direkt getroffen, blieb in ihrer Grundstruktur jedoch weitgehend intakt. Sie wurde zügig instand gesetzt und bereits 1941 wieder für den Handel geöffnet.
Wer hat die Beurs in Rotterdam entworfen?
Der ursprüngliche Flachbau wurde von Jan Frederik Staal im Stil des Neuen Bauens (Nieuwe Bouwen) entworfen, das Interieur stammt von Margaret Staal-Kropholler. Der in den 1980er-Jahren ergänzte, 93 Meter hohe Glasturm wurde von Rob van Erk gestaltet.



