Kathedrale St. Martin und Nikolaus in Bydgoszcz
Die Kathedrale St. Martin und Nikolaus (Katedra św. Marcina i Mikołaja), historisch schlicht als Fara bekannt, ist die älteste erhaltene Kirche und das älteste Bauwerk von Bydgoszcz. An der Farna-Straße in der nordwestlichen Ecke der Altstadt gelegen, bildet sie das verbindende Glied zwischen dem Alten Markt, dem Ufer der Brda und der Mühleninsel. Hinter der markanten Fassade aus Weichsel-Backsteingotik verbergen sich eine bewegte Geschichte, farbenprächtige modernistische Kunst der 1920er-Jahre und faszinierende archäologische Entdeckungen.\n\n## Ursprung und Architektur\n\nNachdem König Kasimir III. der Große der Stadt Bydgoszcz 1346 das Magdeburger Stadtrecht verliehen hatte, entstand um 1364 eine erste Kirche aus Holz und Backstein. Ein verheerender Brand legte diesen ursprünglichen Bau 1425 in Schutt und Asche. Die örtlichen Bürger und die adlige Familie Kościelecki ließen sich jedoch nicht entmutigen und finanzierten einen kompletten Neubau aus Backstein.\n\nDas Ergebnis war eine dreischiffige Hallenkirche im Stil der Weichsel-Backsteingotik, vollendet mit einem weithin sichtbaren Backsteinturm und Staffelgiebeln. Die Außenhülle stand um 1466, die Bauarbeiten wurden 1502 endgültig abgeschlossen. Weil die Baumeister kurzerhand die erhaltene Nordwand der Vorgängerkirche integrierten, ist der Chor fast zwei Meter breiter als das Mittelschiff. Das sorgt für eine herrlich schiefe architektonische Achse, die sofort ins Auge fällt.\n\n## Bollwerk polnischer Identität\n\nWährend der preußischen Teilungszeit im 19. Jahrhundert diente die Kirche als wichtiger Ankerpunkt für die polnische Glaubens- und Sprachidentität. Nach der Schließung der umliegenden Klöster blieb sie die einzige funktionierende katholische Pfarrei der Stadt und bot Zuflucht vor der staatlichen Germanisierung.\n\nAls Polen seine Unabhängigkeit wiedererlangte, verpasste Pfarrer Tadeusz Malczewski dem Gotteshaus zwischen 1922 und 1925 eine gründliche Verjüngungskur. In dieser Zeit überzog der Künstler Henryk Nostitz-Jackowski Wände und Gewölbe mit leuchtenden polychromen Wandmalereien im modernistischen Stil der Bewegung »Junges Polen«. Der Clou dabei: Als leibhaftige Modelle für Heilige und Engel dienten ihm ganz reale Bydgoszczer Bürger und Persönlichkeiten der Zwischenkriegszeit.\n\n## Verborgene Schätze und historische Relikte\n\nIm Januar 2018 stießen Archäologen bei Grabungen unter dem Fußboden des Altarraums auf eine Sensation: den Schatz von Bydgoszcz. Dieses geheime Versteck barg 486 Goldmünzen aus ganz Europa und dem Osmanischen Reich sowie rund 200 teils vergoldete Silberschmuckstücke und Zierbeschläge. Vergraben worden war der Hort Mitte des 17. Jahrhunderts während der verheerenden schwedischen Invasion, die als Schwedische Sintflut in die Geschichte einging.\n\nIn der Kathedrale befindet sich außerdem das spätgotische Gemälde der »Madonna mit der Rose« (Muttergottes der Schönen Liebe) aus der Zeit um 1467. Papst Johannes Paul II. krönte dieses Bildnis bei seinem Besuch am 7. Juni 1999 persönlich am Hochaltar. Am 25. März 2004 erhob er das Bauwerk schließlich zur Kathedrale der neu gegründeten Diözese Bydgoszcz.\n\n## Die Kathedrale besichtigen\n\nHeute ist das Gotteshaus die Bischofskirche der Diözese Bydgoszcz und eine lebendige Pfarrgemeinde. Als marianisches Heiligtum steht sie täglich für Gottesdienste und das stille Gebet offen. Wenn du dir das farbenfrohe Interieur und die historischen Schätze ansehen möchtest, bist du außerhalb der regulären Gottesdienstzeiten jederzeit herzlich willkommen.
FAQ
Was ist das älteste Gebäude in Bydgoszcz?
Die Kathedrale St. Martin und Nikolaus (Katedra św. Marcina i Mikołaja) ist das älteste erhaltene Gebäude und die älteste Kirche in Bydgoszcz. Ihr steinerner Wiederaufbau geht auf das Jahr 1425 zurück.
Was ist der Schatz von Bydgoszcz?
Der im Januar 2018 unter dem Altarraum entdeckte Schatz von Bydgoszcz ist ein Hortfund aus 486 Goldmünzen und rund 200 vergoldeten Silberschmuckstücken, der während der Schwedischen Sintflut Mitte des 17. Jahrhunderts versteckt wurde.
Wer hat die Wandmalereien in der Kathedrale St. Martin und Nikolaus gemalt?
Die leuchtenden modernistischen Wandbilder schuf der Künstler Henryk Nostitz-Jackowski zwischen 1922 und 1925. Als Vorbilder für die Heiligen und Engel dienten ihm damals reale Bürger von Bydgoszcz aus der Zwischenkriegszeit.
Können Touristen die Kathedrale besichtigen?
Ja, die Kathedrale ist täglich für das persönliche Gebet und Besichtigungen geöffnet, sofern diese außerhalb der regulären Gottesdienstzeiten stattfinden.
