Przechodzący przez rzekę: Der balancierende Mann von Bydgoszcz
Ein Wahrzeichen in luftiger Höhe über der Brda
Hoch über der Brda schwebt Przechodzący przez rzekę (Der Flussüberquerer), eine der bekanntesten Kunstinstallationen im öffentlichen Raum von Bydgoszcz. Erschaffen wurde die kinetische Skulptur vom polnischen Bildhauer Jerzy Kędziora, der unter dem Künstlernamen „JotKa“ arbeitet. Sie ist direkt neben der Jerzy-Sulima-Kamiński-Brücke montiert. Die Skulptur bildet einen visuellen Anker, der den mittelalterlichen Alten Markt mit der Architektur der Gdańska-Straße aus dem 19. Jahrhundert verbindet, und steht symbolisch für die Neuausrichtung der Stadt, die den Wasserknoten Bydgoszcz als Open-Air-Kulturkorridor nutzt.
Ingenieurskunst und kinetische Balance
Die Skulptur zeigt eine athletische Gestalt, die auf einem einzigen, über 100 Meter langen Stahlseil über den Fluss balanciert. Mit einer Höhe von 2,2 Metern und einem Gewicht von 50 Kilogramm hält die Figur eine sechs Meter lange Balancierstange. Sie wurde aus einem Kunstharz-Verbundguss mit Messingpulver gefertigt.
Trotz der windigen Lage und der prekären Optik bleibt die Installation dank reiner Physik aufrecht. Ihr Schwerpunkt ist so konstruiert, dass er unterhalb des Tragseils liegt. Natürliche Windböen vom Fluss bringen den Akrobaten dazu, sich sanft zu neigen, zu senken und zu drehen. Das erzeugt die optische Illusion eines Akrobaten, der vor der Kulisse des fließenden Wassers und historischer Fachwerkspeicher aus dem 18. Jahrhundert gekonnt das Gleichgewicht hält.
Enthüllung und EU-Beitritt
Die Initiative für die schwebende Skulptur über der Brda ging vom ehemaligen stellvertretenden Stadtpräsidenten Maciej Obremski aus. Das Kunstwerk wurde am 30. April 2004 um Mitternacht enthüllt, genau zu Polens offiziellem Beitritt zur Europäischen Union. Aus einem Kranwagen vor Tausenden versammelten Schaulustigen präsentiert, etablierte sich die Skulptur rasch als permanentes Symbol für die kulturelle Identität der Stadt nach dem EU-Beitritt.
Lokale Symbole und versteckte Details
Einige feine Details verknüpfen die Skulptur mit der Kulturgeschichte von Bydgoszcz. Die Figur hält einen Pfeil in der Hand und trägt Römersandalen über der Schulter, womit sie als Verehrer der berühmten Pfeilfrau von Ferdinand Lepcke aus dem Jahr 1910 inszeniert wird. Direkt unter dem Kabel erinnert eine kleine Skulptur in Form einer Schwalbe an Andrzej Szwalbe, den Gründer der Philharmonie Pommern und einflussreichen Kulturförderer der Region.
Als Vorbild für das Aussehen des Akrobaten diente der Sohn des Bildhauers, Bartłomiej Kędziora. Zu besonderen Anlässen stecken die städtischen Behörden die Figur in ein passendes Outfit: Im Dezember trägt sie eine Weihnachtsmütze, während großer Sportturniere wirft sie sich in die Nationalfarben.
Erweiterung des kinetischen Kunstpfads
Der Erfolg des akrobatischen Flussüberquerers legte den Grundstein für weitere kinetische Installationen in Bydgoszcz. Im Jahr 2024 bauten die Stadt und das Leon-Wyczółkowski-Museum Kędzioras kinetische Präsenz weiter aus, indem sie zusätzliche Balancier-Skulpturen in der Innenstadt und auf der Mühleninsel installierten, darunter einen Ruderer, einen Turmspringer und eine Weberin.
FAQ
Wie hält *Przechodzący przez rzekę* auf dem Seil das Gleichgewicht?
Der Schwerpunkt der Skulptur liegt konstruktionsbedingt unterhalb des tragenden Stahlseils, sodass sie auch bei Flusswinden stabil bleibt und nicht umkippt.
An welches historische Ereignis erinnert die Skulptur?
Die Installation wurde in der Nacht zum 1. Mai 2004 um Mitternacht enthüllt, um den Beitritt Polens zur Europäischen Union zu feiern.
Was symbolisieren der Pfeil und die Sandalen an der Figur?
Pfeil und Römersandalen spielen auf Ferdinand Lepckes berühmte *Pfeilfrau* von 1910 in Bydgoszcz an und inszenieren den Seiltänzer als ihren Verehrer, der ihr den Pfeil zurückbringt.
Wer stand für die Skulptur Modell?
Gesichtszüge und Statur der Figur wurden Bartłomiej Kędziora nachempfunden, dem Sohn des Bildhauers Jerzy Kędziora.
