Ziel

Brama Klasztorna: Toruńs mittelalterliches Klostertor

Torun, Poland

Ein flämisch-gotisches Bollwerk

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet, besticht das Klostertor (Brama Klasztorna) durch seine gedrungene, wuchtige Backsteinform im Stil der flämischen Gotik. In der Vergangenheit auch als Heiliggeisttor, Jungfrauentor oder Nonnentor bekannt, ist es heute eines von nur drei erhaltenen mittelalterlichen Stadttoren in Toruń, von einst dreizehn oder vierzehn. Das Tor verankert die südliche Linie der UNESCO-geschützten Wehranlagen von Toruń, direkt östlich des Schiefen Turms und der historischen Kornspeicher am Weichselufer.

Toruńs dreifaches Abwehrsystem

Um dieses mittelalterliche Tor zu verteidigen, setzten Toruńs Wachen auf schweres Eisen, dicke Eiche und Bottiche voll kochend heißem Frühstücksbrei. Um 1420 wurde das Bauwerk um ein Stockwerk aufgestockt, um Platz für Schusswaffen zu schaffen, und mit einem ausgeklügelten dreifachen Torsystem gesichert. Im äußeren Spitzbogen lauerte ein hölzernes Fallgitter, während der innere Bogen mit schweren zweiflügeligen Holztoren samt Eisenbeschlägen und Querbalken verriegelt wurde.

Dazwischen lag ein mittleres Gewölbe mit einer Gussöffnung in der Decke, die vor Ort als „Kaszownik“ bekannt war. Durch dieses Loch schütteten die Verteidiger regelmäßig kochenden Grützbrei (Kasza) auf die Angreifer hinab. Die dicke Grütze war weitaus gefürchteter als kochendes Wasser, weil sie die Hitze viel länger hielt und sich schmerzhaft an Rüstungen und Haut festsetzte.

Das verschwundene Kloster und hölzerne Fundamente

Seinen Hauptnamen verdankt das Tor einem mittelalterlichen Benediktinerinnenkloster und dem zugehörigen Heiliggeist-Hospital direkt vor den Stadtmauern. Als Mitte des 17. Jahrhunderts schwedische Truppen anrückten, ließ die Toruńer Stadtführung den gesamten Klosterkomplex kurzerhand dem Erdboden gleichmachen. Durch diesen strategischen Abriss verhinderte man, dass die Belagerer die Steinbauten als Deckung oder Artilleriestellung gegen die Stadt nutzen konnten.

Jahrhunderte später, bei Ausgrabungen im Jahr 2001, offenbarten sich die baulichen Geheimnisse des Tors: Wegen des instabilen, nassen Lehmbodens nahe dem Weichselbett hatten die mittelalterlichen Baumeister das massive Backsteintor auf Hunderten von senkrecht in den Boden gerammten Eichenpfählen errichtet.

Vom Stadttor zum Kriegsbunker

Im 19. Jahrhundert verlor das Tor seine militärische Funktion, und die preußische Verwaltung baute die oberen Räume zu Wohnungen um. Heute dient das Bauwerk als beliebter Durchgang für Fußgänger und verbindet die Weichselpromenade über die Heiliggeiststraße direkt mit dem historischen Stadtkern.

Während in den oberen Etagen heute Büros von Nichtregierungsorganisationen und städtischen Behörden untergebracht sind, birgt das Untergeschoss ein Relikt aus jüngerer Zeit: Ein im Oktober 1943 während der deutschen Besatzung unter dem Tor errichteter Luftschutzbunker bot einst bis zu 100 Menschen Schutz. Heute kann man ihn besichtigen, inklusive Simulationen von Luftangriffen und Bombardements.

Die Legende von Schwester Katarzynka

Eine lokale Sage verbindet das Klostertor direkt mit Toruńs berühmtem kulinarischem Erbe. Der Legende nach entdeckte eine Benediktinerin namens Schwester Katarzynka während einer schweren Hungersnot in den Klosterkellern vor dem Tor Fässer mit gereiftem Lebkuchenteig. Die daraus gebackenen Brote ernährten die hungernde Bevölkerung. Diese Rettungstat soll Toruńs berühmten sechsblättrigen Lebkuchen, den sogenannten Katarzynki, ihren bleibenden Namen gegeben haben.

FAQ

Wozu diente der „Kaszownik“ an der Brama Klasztorna?

Der „Kaszownik“ war eine Gussöffnung in der Decke des mittleren Torgewölbes. Die Verteidiger nutzten sie, um kochenden Brei (Kasza) auf Angreifer herabzugießen, da die zähe Masse die Hitze länger speicherte als Wasser und sich schmerzhaft an Rüstungen und Haut festsetzte.

Warum wird die Brama Klasztorna als Klostertor bezeichnet?

Das Tor wurde nach einem mittelalterlichen Benediktinerinnenkloster samt Hospital benannt, das vor den Stadtmauern lag. Während der schwedischen Invasion im 17. Jahrhundert ließ die Toruńer Stadtführung den Komplex gezielt abreißen, damit Angreifer dort keine Deckung finden konnten.

Was befindet sich heute unter dem Klostertor?

Unter dem Tor liegt ein Luftschutzbunker aus dem Oktober 1943. Ursprünglich für bis zu 100 Personen gebaut, dient er heute als Besucherattraktion mit Simulationen historischer Luftangriffe.

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