Krzywa Wieża: Guide zum Schiefen Turm von Toruń
Bestaune von der Straße aus die dramatische Schieflage dieses Wehrturms aus dem 13. Jahrhundert, um den sich zahllose Legenden ranken. Der Schiefe Turm (polnisch: Krzywa Wieża) bildet zusammen mit Nikolaus Kopernikus und den berühmten Lebkuchen das kulturelle Dreigestirn von Toruń. Als westlicher Ankerpunkt der erhaltenen Uferbefestigung verbindet er das Innere der Altstadt mit dem Klostertor und der Weichselpromenade.
Ein mittelalterliches Meisterwerk der Verteidigung
Erbaut um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert, ragt dieser rund 15 Meter hohe Backsteinriese auf einem rautenförmigen Grundriss in den Himmel. Ursprünglich war er nur einer von etwa 54 Wehrtürmen entlang der Stadtmauer zur Weichsel hin. In seiner Anfangszeit besaß der Turm allerdings nur drei Wände und war zur Stadtseite hin völlig offen. Ein cleverer Schachzug: Die Verteidiger konnten Nachschub mühelos nach oben hieven, und sollte der Turm erobert werden, bot er den Angreifern keinerlei Deckung gegen die eigene Stadt.
Die Physik hinter der berühmten Schieflage
Errichtet auf nachgiebigem, lehmigem Grund der Flussterrasse, sackte das Fundament schon während oder kurz nach dem Bau ungleichmäßig ab. Das Ergebnis: eine dauerhafte Neigung Richtung Stadt. Satte 1,46 Meter weicht die Spitze aus dem Lot, mit einem Neigungswinkel von rund 5° 13′ gen Norden. Wenn du unten in der engen Kopfsteinpflastergasse Pod Krzywą Wieżą stehst, gaukelt dir der Kontrast zu den kerzengeraden Nachbarhäusern vor, der Turm würde jeden Moment auf die Straße stürzen.
Vom Gefängnis zur Festungsschmiede
Als der Turm im 18. Jahrhundert seine militärische Bedeutung verlor, schloss die Stadt die offene Rückwand und funktionierte ihn kurzerhand zum Gefängnis um. Obwohl sich die Außenmauern um fast anderthalb Meter neigen, wurden die neuen Zwischendecken und Treppen penibel waagerecht eingezogen, damit die Insassen nicht ständig quer durch die Zellen rutschten. 1742 gelang einem inhaftierten Rebellen eine legendäre Flucht: Er zwängte sich einfach durch den außen angebrachten Abtritterker ins Freie. 1826 wurde das Gebäude schließlich zur Festungsschmiede samt Wohnräumen umgebaut, wobei das ursprüngliche gotische Zeltdach dem heutigen Pultdach weichen musste.
Lokale Sagen und heutige Nutzung
Heute ist der Turm einer der beliebtesten Fotospots auf jedem Altstadtspaziergang. Im Inneren residiert die städtische Kulturagentur von Toruń, ergänzt durch wechselnde Ausstellungen und kleine Souvenirstände. Um die Schieflage rankt sich natürlich allerlei Seemannsgarn. Einer bekannten Sage nach errichtete ein Deutschordensritter den Turm zur Buße, weil er sein Keuschheitsgelübde mit einer Kaufmannstochter gebrochen hatte. Er wurde dazu verdonnert, den Turm so sichtbar aus dem Lot zu bauen, wie sein Lebenswandel von den Ordensregeln abgewichen war. Eine weitere beliebte Tradition stellt deinen Charakter auf die Probe: Stell dich mit Fersen und Rücken bündig an die schräge Wand. Der Volksmund behauptet, nur wer ein absolut reines Gewissen hat, kippt nicht vornüber. Die schnöde Physik des Schwerpunkts macht das allerdings zu einem Ding der Unmöglichkeit.
FAQ
Warum steht die Krzywa Wieża schief?
Der Turm wurde auf instabilem, lehmigem Grund an der Weichselterrasse erbaut. Das Fundament sackte ungleichmäßig ab, wodurch sich das Bauwerk dauerhaft um rund 1,46 Meter zur Stadt hin neigte.
Was hat es mit der Gewissensprobe am Schiefen Turm auf sich?
Eine lokale Tradition fordert Besucher heraus, sich mit Fersen und Rücken bündig an die geneigte Wand zu stellen. Der Legende nach bleibt nur stehen, wer ein reines Gewissen hat. Physikalisch ist das Halten des Gleichgewichts allerdings unmöglich.
Wofür wurde die Krzywa Wieża ursprünglich genutzt?
Erbaut an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert, diente sie ursprünglich als einer von rund 54 Wehrtürmen in der Stadtmauer von Toruń entlang der Weichsel.
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