Neue Kathedrale von Coimbra: Geschichte und Architektur
Lass die imposante Fassade der Neuen Kathedrale von Coimbra aus dem 17. Jahrhundert auf dich wirken, die eine markante Mischung aus manieristischen und barocken Details präsentiert. Am nördlichen Rand des Largo da Sé Nova in der Alta de Coimbra gelegen, bildet die Neue Kathedrale (Sé Nova de Coimbra) einen weitläufigen, modernen Gegenpol zur trutzigen, mittelalterlichen Alten Kathedrale der Stadt.
Auf jesuitischem Fundament
Der Bau begann ursprünglich 1598 als Kirche des Jesuitenkollegs. Größtenteils vom Architekten Baltazar Álvares entworfen, wurde sie 1640 geweiht. Die Gesellschaft Jesu hatte ihr erstes portugiesisches Kolleg bereits in den 1540er-Jahren in Coimbra gegründet. Hier wurden Theologen ausgebildet, darunter der berühmte Prediger Pater António Vieira, und Missionare auf ihren Dienst im gesamten portugiesischen Kolonialreich von Brasilien über Afrika bis nach Asien vorbereitet.
Der architektonische Bauplan der Jesuitenkirche von Coimbra erwies sich als äußerst einflussreich. Er diente im 17. Jahrhundert als direkte Blaupause für Kolonialkirchen im gesamten portugiesischen Weltreich, allen voran für die Kathedralbasilika von Salvador in Bahia, Brasilien.
Die Vertreibung und eine neue Kathedrale
1759 verbannte Premierminister Sebastião José de Carvalho e Melo, besser bekannt als der Marques de Pombal, den Jesuitenorden aus Portugal und beschlagnahmte dessen Besitztümer. Die gewaltige Kirche stand fortan leer. Da sich die Alte Kathedrale (Sé Velha) aus dem 12. Jahrhundert als zu eng, dunkel und feucht erwies, verlegte die Diözese 1772 ihren Bischofssitz kurzerhand in dieses geräumige Jesuitenbauwerk und taufte es auf den Namen Sé Nova.
Im Zuge dieses Umzugs wanderten auch wichtige Teile der Innenausstattung von der Alten in die Neue Kathedrale. Dazu gehörten ein hölzernes Chorgestühl aus dem 17. Jahrhundert und ein kunstvolles manuelinisches Taufbecken aus dem 16. Jahrhundert, geschaffen von Pêro und Filipe Henriques. Gleichzeitig wurden die angrenzenden Kollegiengebäude durch die pombalinischen Bildungsreformen der Universität Coimbra übertragen, um dort moderne wissenschaftliche Institute unterzubringen.
Architektonische Kontraste
Die Außenfassade der Kathedrale ist von einem markanten Zweiklang geprägt. Das untere Geschoss besticht durch strenges, flächiges und geometrisches manieristisches Mauerwerk. Das obere Stockwerk, das erst im 18. Jahrhundert vollendet wurde, setzt dem dynamische, geschwungene Barockverzierungen entgegen.
Im Inneren öffnet sich ein weites, einschiffiges Langhaus unter einem mächtigen Tonnengewölbe aus Stein. Seitliche Kapellen führen zur Vierung, die von einer Kuppel mit natürlichem Licht durchflutet wird. Querschiff und Hauptchor sind reich mit prachtvollen vergoldeten Holzschnitzereien (talha dourada) aus dem 17. und 18. Jahrhundert im portugiesischen Nationalstil geschmückt.
Bleibendes Erbe und akademische Riten
Kurioserweise blieben die Statuen von vier bedeutenden Jesuitenfiguren trotz der staatlichen Verbannung des Ordens in den Fassadennischen erhalten: Ignatius von Loyola, Franz Xaver, Franz von Borgia und Aloisius von Gonzaga.
Heute dient das Bauwerk als aktive katholische Kathedrale für regelmäßige Gottesdienste und bischöfliche Zeremonien. Als Teil des UNESCO-Welterbes „Universität Coimbra, Alta und Sofia“ ist das Gotteshaus zudem eng mit den akademischen Traditionen der Stadt verwoben. Es ist der Hauptschauplatz für bedeutende studentische Rituale der Universität Coimbra, allen voran für die feierliche Bênção das Pastas (Segnung der Mappen) während der alljährlichen Festwoche Queima das Fitas.
FAQ
Warum heißt sie Neue Kathedrale von Coimbra?
Die Diözese verlegte ihren Bischofssitz 1772 in dieses geräumige Gebäude, da die Alte Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert zu eng, dunkel und feucht geworden war. Ursprünglich wurde das Bauwerk ab 1598 als Jesuitenkirche errichtet.
Welche Architekturstile prägen die Neue Kathedrale von Coimbra?
Die Kathedrale vereint zwei verschiedene Stile: Das untere Geschoss der Fassade zeigt strenge, geometrische Formen des Manierismus, während das obere Stockwerk von dynamischen Barockelementen geprägt ist. Im Inneren erwarten dich ein steinernes Tonnengewölbe und aufwendig vergoldete Holzaltäre aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
Gibt es in der Neuen Kathedrale Kunstwerke aus der Alten Kathedrale?
Ja. Als der Bischof den Sitz 1772 verlegte, wurden mehrere bedeutende Ausstattungsstücke aus der Alten Kathedrale herübergebracht, darunter ein kunstvolles manuelinisches Taufbecken aus dem 16. Jahrhundert und ein hölzernes Chorgestühl aus dem 17. Jahrhundert.
Wie ist die Kathedrale heute mit der Universität Coimbra verbunden?
Sie liegt nicht nur direkt neben Universitätsgebäuden und gehört zum selben UNESCO-Welterbe, sondern ist auch Schauplatz wichtiger studentischer Rituale, insbesondere der Bênção das Pastas (Segnung der Mappen) während des jährlichen Festes Queima das Fitas.
