
Castelo dos Mouros: Sintras historische Maurenburg
Auf halbem Weg zwischen dem historischen Ortskern von Vila de Sintra und den Höhen des Palácio da Pena thront das Castelo dos Mouros: eine imposante Festung aus dem 10. Jahrhundert, die als romantische Ruine des 19. Jahrhunderts erhalten ist. Unter islamischer Herrschaft zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert erbaut, ist die Maurenburg das älteste erhaltene Militärbauwerk der Region und schlägt eine Brücke von den mittelalterlichen Ursprüngen Sintras zu seiner späteren romantischen Verwandlung.
Wehrhafte Architektur und Naturkulisse
Die Festung erstreckt sich über rund 450 Meter doppelläufiger Ringmauern, die gewaltige Granitfelsen nahtlos in die Verteidigungsanlagen einbinden. Durch die Höhenlage weht auf dem Bergkamm ein rauer, oft nebliger Wind. Dichte, moosbehangene Baumkronen weichen hier steilen, offenen Zinnentreppen, die einen weiten Blick über den Atlantik und die umliegenden Täler freigeben. Zu den wichtigsten Bauwerken gehören der Königsturm, eine intakte unterirdische Gewölbezisterne, direkt in den Fels gehauene Getreidesilos und die romanischen Ruinen der Kirche São Pedro de Canaferrim.
Strategische Ursprünge und Legenden
Ursprünglich als landwirtschaftlicher Zufluchtsort und strategischer Wachposten zur Überwachung der Zugangswege errichtet, kontrollierte die Garnison die Region bis zur christlichen Reconquista. Nach dem Fall von Lissabon und Santarém im Jahr 1147 ergaben sich die muslimischen Verteidiger König Afonso Henriques kampflos. Der lokalen Legende nach verschwand die maurische Besatzung beim Herannahen der christlichen Truppen in geheimen Bergstollen und hinterließ lediglich einen greisen Wächter mit den Torschlüsseln. 1154 wurde die Festung per Freibrief 30 christlichen Siedlern übertragen, bevor sie schließlich in die Obhut der Templer überging.
Verfall und romantische Wiedergeburt
Als sich die regionalen Konflikte nach Süden verlagerten, zog die Bevölkerung nach und nach in besser zugängliche Siedlungen im Tal. Bis zum 16. Jahrhundert war die Burg verlassen. Ein Blitzschlag im Jahr 1636 und das verheerende Erdbeben von Lissabon 1755 setzten dem Bauwerk schwer zu. 1839 erwarb König Ferdinand II. das Gelände und ließ die Wehrmauern und Türme als malerische Ruinenkulisse restaurieren, gedacht als Blickfang von seinem nahegelegenen Palácio da Pena aus.
Ein Denkmal gemeinsamer Geschichte
Bei den Restaurierungsarbeiten unter Ferdinand II. im 19. Jahrhundert stießen Arbeiter rund um die christliche Kapelle auf mehrere mittelalterliche Gräber. Da sich die über Jahrhunderte hinweg beigesetzten Gebeine christlicher und muslimischer Bewohner nicht mehr unterscheiden ließen, ließ der König ein gemeinsames Grabmal für die vermischten Knochen errichten. Das Beinhaus trägt die Inschrift: „O que o homem ajuntou, só Deus poderá separar“ (Was der Mensch zusammengefügt hat, kann nur Gott trennen).
Erhalt und heutige Nutzung
1910 zum Nationaldenkmal erklärt, wurde das Castelo dos Mouros 1995 als wesentlicher Bestandteil des UNESCO-Welterbes Sintra eingetragen. Heute wird die Anlage von Parques de Sintra - Monte da Lua verwaltet und ist täglich geöffnet. Die restaurierte Kirche São Pedro de Canaferrim dient heute als Besucherzentrum und zeigt archäologische Funde von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter.
FAQ
Wann wurde das Castelo dos Mouros erbaut?
Die Festung wurde unter islamischer Herrschaft zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert als strategischer Wachposten und landwirtschaftlicher Zufluchtsort gegründet.
Wer hat die Burgruine restauriert?
König Ferdinand II. erwarb das Areal um 1839 und restaurierte Wehrmauern, Wege und Türme als malerische Ruine, die das Panorama vom Palácio da Pena abrunden sollte.
Was hat es mit dem Gemeinschaftsgrab im Castelo dos Mouros auf sich?
Bei Restaurierungsarbeiten im 19. Jahrhundert wurden mittelalterliche Gräber von Christen und Muslimen freigelegt. Da man die Gebeine nicht mehr trennen konnte, ließ König Ferdinand II. ein gemeinsames Grabmal errichten. Dessen Inschrift besagt, dass nur Gott trennen kann, was der Mensch zusammengefügt hat.
Was befindet sich in der Kirche São Pedro de Canaferrim?
Die restaurierte romanische Kirche beherbergt heute ein Besucherzentrum, das archäologische Funde von der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter zeigt.



