
Fonte Mourisca: Sintras maurischer Brunnen
Eine romantische Schöpfung des 20. Jahrhunderts
An der Volta do Duche gelegen, jener Promenade aus dem 19. Jahrhundert, die Sintras Bahnhof mit dem mittelalterlichen Stadtkern verbindet, fungiert die Fonte Mourisca als weithin sichtbares Eingangstor. Ihre islamischen Bögen und die prachtvollen Kacheln beschwören zwar das mittelalterliche Erbe der Region herauf, doch das Bauwerk ist in Wahrheit eine Schöpfung des romantischen Historismus aus dem 20. Jahrhundert. 1922 erbaut, sollte sie den älteren Chafariz da Câmara ersetzen und daran erinnern, wie sehr die Stadt vor der Einführung moderner Wasserleitungen von frischen Bergquellen abhing.
Neoarabischer Stil und Neomudéjar
Entworfen wurde der Brunnen vom Bildhauer José da Fonseca, dessen Werkstatt auch die Steinmetzarbeiten für ein weiteres legendäres Anwesen in Sintra schuf: die Quinta da Regaleira. Das Denkmal verbindet neoarabische Architektur mit dem Neomudéjar-Stil, getragen von einem großen Hufeisenbogen, der drei kleinere Hufeisenbögen einfasst. Eingerahmt werden sie von hellem, verwittertem Mauerwerk, gemeißelten Steinsäulen mit geometrischen Kapitellen und einem Gewölbe aus rotem Backstein im Inneren. Bekrönt wird der Brunnen von Stufenzinnen, die direkt den Wehrmauern des nahe gelegenen Palácio Nacional de Sintra nachempfunden sind. Über dem zentralen Bogen thront stolz das eingemeißelte Stadtwappen.
Abbau und Wiederaufbau
Trotz ihres massiven Mauerwerks blickt die Fonte Mourisca auf einen dramatischen Umzug zurück. 1960 erzwangen Straßenverbreiterungen entlang der Volta do Duche den kompletten Rückbau des Monuments. Wie ein riesiges Puzzle Stein für Stein zerlegt, lagerte das Bauwerk 22 Jahre lang im Depot. Erst 1982 ließ die Stadtverwaltung von Sintra den Brunnen rund 20 Meter von seinem ursprünglichen Standort entfernt wieder aufbauen. Im Zuge dieser Rekonstruktion erhielt das Innere seine heutigen, farbenfrohen geometrischen Azulejos (Keramikfliesen) im Neomudéjar-Stil.
Der Brunnen heute
Heute wird die Fonte Mourisca von der Stadtverwaltung Sintra im Rahmen ihrer Denkmalschutzprogramme für historische städtische Wasserbauten instand gehalten. Bis heute plätschert hier das Wasser, dessen gleichmäßiges Rauschen in der schattigen, zurückgesetzten Backsteinnische widerhallt. Aus einer bronzenen Rosette fließt ununterbrochen Wasser in ein ovales Steinbecken. Hinweisschilder der Stadt mahnen allerdings zur Vorsicht: Das Wasser dieses öffentlichen Brunnens ist kein Trinkwasser.
FAQ
Wann wurde die Fonte Mourisca erbaut?
Die Fonte Mourisca wurde 1922 im Zuge der portugiesischen Romantik und des Historismus vom Bildhauer José da Fonseca entworfen und erbaut.
Warum wurde der Brunnen 1960 abgebaut?
Der Brunnen wurde 1960 komplett abgetragen, um Platz für die Verbreiterung der Straße Volta do Duche zu schaffen. Danach lag er 22 Jahre lang eingelagert im Depot, bevor er 1982 wieder aufgebaut wurde.
Kann man das Wasser an der Fonte Mourisca trinken?
Obwohl immer noch Wasser aus dem Bronzespeier in das Becken fließt, mahnen städtische Schilder zur Vorsicht, da das Brunnenwasser nicht aufbereitet ist.
Sind die Keramikfliesen des Brunnens original?
Die heutigen Neomudéjar-Azulejos (Keramikfliesen) im Inneren stammen nicht aus dem Originalbau von 1922, sondern wurden erst beim Wiederaufbau des Bauwerks im Jahr 1982 ergänzt.



