Ziel

Kirche der Heiligen Theresia vom Kinde Jesu, Barcelona

Barcelona, Spain

Nordischer Expressionismus an der Via Augusta

Die Kirche der Heiligen Theresia vom Kinde Jesu (Parròquia de Santa Teresa del Nen Jesús, im Volksmund liebevoll Santa Tereseta genannt) steht am unteren Abschnitt der Via Augusta bei den Hausnummern 68–72, genau an der Grenze zwischen den Vierteln Vila de Gràcia und Sarrià-Sant Gervasi. Als lokales Kulturgut (Bé Cultural d'Interès Local) geschützt, bricht das Gebäude ganz bewusst mit den Gotik- und Modernisme-Traditionen, die man sonst in ganz Barcelona antrifft.

Der Entwurf stammt aus dem Jahr 1932 vom Architekten Josep Domènech i Mansana, der dem Kirchenäußeren eine unverkennbar skandinavisch-expressionistische Note verlieh. Die steile, hohe Fassade aus zweifarbigem Sandstein und der bündig integrierte Mittelturm erinnern an Peder Vilhelm Jensen-Klints Grundtvigskirche in Kopenhagen. Domènech i Mansana wählte diese nordeuropäische Ästhetik als bewusste Hommage an die normannische Heimat der heiligen Therese von Lisieux, die 1925 heiliggesprochen worden war. Das Hauptportal liegt unter dem Glockenturm in einem tief eingelassenen Rundbogen mit stufenförmig gestaffelten Archivolten.

Bauphase und kriegsbedingte Unterbrechung

Die Initiative zum Kirchbau ging um 1931/32 von Bischof Manuel Irurita aus, um mit dem raschen Bevölkerungswachstum von Gràcia Schritt zu halten. Doch im Juli 1936 brachte der Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs das Projekt jäh zum Stillstand.

Drei Jahre lang verharrte die Baustelle im Stillstand: ein dachloser Rohbau mit kaum vier Meter hohen Außenmauern. Nach dem Ende des Krieges 1939 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen und zügig vorangetrieben, sodass die Kirche 1940 vollendet werden konnte. Weitere Arbeiten am Pfarrhaus folgten noch bis in die späten 1960er-Jahre.

Innenraum und Gemeindeleben

Während das Äußere eine strenge, nordisch inspirierte geometrische Wucht ausstrahlt, empfängt das Innere die Gemeinde als lichte, dreischiffige Hallenbasilika in neoklassizistischem, historisierendem Stil. Diese Raumgestaltung steht sinnbildlich für den katalanischen architektonischen Wandel der 1930er-Jahre, der den Noucentisme, den nordischen Expressionismus und den Nachkriegswiederaufbau miteinander verband.

Heute ist die Kirche eine lebendige Pfarrgemeinde des Erzbistums Barcelona mit regelmäßigen Gottesdiensten auf Katalanisch und Spanisch. Sie dient zudem als Hauptsitz der Pastoral del Sord de Barcelona, der Gehörlosenseelsorge der Stadt, und lädt jeden Samstag zu eigenen Messen mit Gebärdensprachdolmetschern ein.

Prägende Persönlichkeiten und historische Verbindungen

Erster Pfarrer der Gemeinde war Mosén Jaume Oliveras i Brossa, eine einflussreiche Figur und zugleich ein Pionier des katalanischen Bergsports. 1904 bewältigte Oliveras die Nonstop-Bergtour vom Montseny zum Montserrat, eine historische Leistung, an die der Wanderverein Centre Excursionista de Gràcia noch heute jedes Jahr mit dem Matagalls-Montserrat-Marsch erinnert.

Die Kirche sollte übrigens nicht mit dem nahegelegenen Convent dels Carmelites an der Avinguda Diagonal verwechselt werden, den der Vater des Architekten, Josep Domènech i Estapà, entwarf, und ebenso wenig mit dem Templo Expiatorio del Sagrado Corazón auf dem Tibidabo oder der Pfarrkirche Santa Teresa de Jesús im Viertel El Carmel.

FAQ

Warum sieht die Kirche so skandinavisch aus?

Architekt Josep Domènech i Mansana griff auf den nordeuropäischen und skandinavischen Expressionismus zurück, der an die Kopenhagener Grundtvigskirche erinnert. Damit würdigte er die normannische Herkunft der heiligen Therese von Lisieux.

Wie wirkte sich der Spanische Bürgerkrieg auf den Bau der Kirche aus?

Mit Ausbruch des Krieges 1936 wurden die Arbeiten eingestellt. Zurück blieb ein dachloser Steinrohbau mit vier Meter hohen Mauern, bis der Bau 1939 wieder anlief und 1940 abgeschlossen wurde.

Wer war der erste Pfarrer der Kirche?

Erster Pfarrer war Mosén Jaume Oliveras i Brossa, ein Pionier des katalanischen Bergsports, der 1904 den legendären Matagalls-Montserrat-Marsch ins Leben rief.

Welche besonderen Gottesdienste finden in der Gemeinde statt?

Die Kirche ist der Hauptsitz der Pastoral del Sord de Barcelona und hält jeden Samstag eigene Gottesdienste ab, die in Gebärdensprache gedolmetscht werden.

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