Denkmal für Fray Pedro Ponce de León, Barcelona
Geschichte und Bedeutung des Denkmals
Auf der Fußgängerpromenade des oberen Passeig de Sant Joan, an der Kreuzung zur Travessera de Gràcia, erinnert das Denkmal für Fray Pedro Ponce de León an frühe Wegbereiter der Gehörlosenpädagogik. Es würdigt insbesondere den Benediktinermönch Fray Pedro Ponce de León aus dem 16. Jahrhundert sowie den Pädagogen Juan Pablo Bonet.
Ponce de León entwickelte eine der ersten dokumentierten Lehrmethoden, um gehörlose Schüler im Sprechen, Lesen und Schreiben zu unterrichten. Seine Arbeit begann im Kloster San Salvador de Oña in Burgos. Dort unterrichtete er gehörlose Adelssöhne, denn deren Erbanspruch auf Titel und Ländereien hing damals rechtlich davon ab, ob sie lesen, schreiben und sprechen konnten. Im öffentlichen Kunstkatalog Barcelonas ist das Denkmal offiziell unter dem Code 6004-1 registriert.
Eine Baugeschichte in zwei Etappen
Das Denkmal entstand in zwei Abschnitten im Verlauf von drei Jahrzehnten. Der ursprüngliche Teil wurde 1935 von der Societat de Socors als Sordmuts (einem Hilfsverein für Gehörlose) in Auftrag gegeben. Der Architekt Joan Vidal i Ventosa entwarf dafür einen geometrischen, prismatischen Steinmonolithen.
In diesen ersten Entwurf waren dunkle Bronzemedaillons des Bildhauers Josep Marquès Beltrán eingelassen. Bemerkenswert dabei: Marquès Beltrán war selbst gehörlos und engagiertes Mitglied des Vereins, der die Errichtung vorantrieb. 1966 wurde das Ensemble erweitert, als der Bildhauer Josep Miret Llopart eine freistehende Figurengruppe aus weißem Marmor direkt vor die Stele von 1935 setzte.
Die Mechanik des taktilen Unterrichts
Die Figurengruppe von Josep Miret Llopart aus dem Jahr 1966 veranschaulicht die historische Methode des Oralismus, das reine Sprechtraining statt Gebärdensprache. Die Skulptur zeigt Ponce de León, wie er einen jungen Schüler durch Berührung und Beobachtung unterweist.
Im Marmor führt der Mönch die Hand des Jungen flach an seinen eigenen Brustkorb. So erspürten die Schüler damals die Schwingungen der Stimme im Körper. Der Blick des Kindes ist unverwandt auf den Mund des Mönchs gerichtet, was das Ablesen von den Lippen und das Einstudieren der gesprochenen Laute greifbar macht. Dieser helle Marmor bildet einen direkten Kontrast zu dem dunkleren, kantigen Steinmonolithen und den Bronzemedaillons unmittelbar dahinter.
Ein Denkmal im Stadtraum Barcelonas
Genau am Übergang zwischen Eixample und Gràcia fügt sich das Denkmal als Freiluftinstallation in die städtische Skulpturensammlung ein. Eingebettet in das Grün und die Wege des Passeig de Sant Joan ist es auf der zentralen Promenade für alle Spaziergänger frei zugänglich.
FAQ
Wer war Fray Pedro Ponce de León?
Fray Pedro Ponce de León war ein spanischer Benediktinermönch des 16. Jahrhunderts. Er entwickelte die ersten dokumentierten Methoden, um gehörlosen Kindern das Sprechen, Lesen und Schreiben beizubringen. Zunächst unterrichtete er adlige Jugendliche, die diese Fähigkeiten nachweisen mussten, um das Erbe ihrer Familien antreten zu dürfen.
Wo befindet sich das Denkmal in Barcelona?
Das Denkmal steht auf der Fußgängerpromenade des Passeig de Sant Joan an der Kreuzung zur Travessera de Gràcia, genau an der Schnittstelle zwischen den Stadtteilen Eixample und Gràcia.
Warum vereint das Denkmal zwei verschiedene Stile?
Das Werk entstand in zwei Phasen: 1935 schufen Joan Vidal i Ventosa und Josep Marquès Beltrán den Steinmonolithen mit den Bronzemedaillons. 1966 ergänzte Josep Miret Llopart die Anlage um die figurative Skulptur aus weißem Marmor.
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