Denkmal für Josep Anselm Clavé in Barcelona
Das Denkmal für Josep Anselm Clavé ehrt Josep Anselm Clavé i Camps (1824–1874), einen katalanischen Komponisten, Dichter und republikanischen Politiker. Mitten auf der breiten Flaniermeile des Passeig de Sant Joan thront die Bronzeskulptur von Manuel Fuxà i Leal auf einem kunstvollen Steinsockel des Architekten Josep Vilaseca i Casanovas. Die Stadt Barcelona führt die Anlage offiziell als lokales Kulturgut (Bé Cultural d'Interès Local).
Josep Anselm Clavé und die Chorbewegung
Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Industrialisierung Barcelona im Eiltempo erfasste, verbrachten Fabrikarbeiter ihre spärliche Freizeit meist in den Tavernen der Nachbarschaft. Clavé, gelernter Drechsler, utopischer Republikaner und wegen seiner politischen Aktivitäten bereits in der Festung Ciutadella eingekerkert, wollte der Arbeiterschaft eine gehaltvollere Alternative bieten: gemeinsames Singen.
1850 gründete Clavé Spaniens ersten säkularen Arbeiterchor, zunächst unter dem Namen La Fraternitat, später bekannt als Euterpe. Getreu dem Motto „Progrés, Virtut, Amor“ (Fortschritt, Tugend, Liebe) brachte er Fabrikarbeitern, die weder lesen noch schreiben konnten, Notenlehre und vierstimmigen Chorgesang bei. Daraus erwuchs die Bewegung der Cors de Clavé, die Dutzende Arbeiterchöre in ganz Katalonien ins Leben rief. Durch die Musik stifteten diese Vereine nicht nur Arbeiter-Solidarität, sondern machten mitten in der kulturellen Wiedergeburt der Renaixença auch katalanischsprachige Kompositionen populär.
Skulptur und Sockelgestaltung
Das Monument zeigt Clavé in aufrechter Haltung, seine Silhouette hebt sich markant vom Blätterdach der umstehenden Bäume ab. In der ausgestreckten rechten Hand hält er einen feinen Taktstock, der mitten im Schlag über dem Pflaster verharrt.
Getragen wird die Bronzefigur von einem rund fünf Meter hohen architektonischen Steinsockel. Verziert mit Strebepfeilern, klassischen Musikmotiven und in Stein gemeißelten Harfen, fallen vor allem vier animalische Steinpranken ins Auge, die das Fundament umklammern. In den Sockel ist ein kreisrundes Bronzemedaillon eingelassen, das die Sociedad Coral de Bilbao 1918 während einer Gastspielreise anbringen ließ, um den „unsterblichen Clavé“ zu ehren.
Der Architekt des Sockels, Josep Vilaseca, war Clavés Vermächtnis schon lange künstlerisch verbunden. Bereits 1875 trat er in einem Gestaltungswettbewerb für Clavés Grabmonument auf dem Friedhof von Poblenou gegen einen jungen Architekturstudenten namens Antoni Gaudí an. Später entwarf Vilaseca den berühmten Arc de Triomf für die Weltausstellung von 1888 und schuf so eine direkte bauliche Verbindung zur umfassenden Neugestaltung des Passeig de Sant Joan.
Umzug und Korrektur der Proportionen
Eingeweiht wurde das Denkmal im November 1888 an der Kreuzung von Rambla de Catalunya und Carrer de València. Gleich nach der Enthüllung erntete das Werk reichlich Spott: Zeitgenossen mokierten sich über die Proportionen und befanden, die Statue wirke auf ihrem ursprünglichen Sockel reichlich kopflastig.
Jahrzehnte später führten städtebauliche Veränderungen dazu, dass die Stadt das Denkmal an den Passeig de Sant Joan versetzte, wo es am 6. Mai 1956 feierlich neu eingeweiht wurde. Beim Umzug behoben die Steinmetze gleich das alte Proportionsproblem: Sie schoben eine zusätzliche, schlichte Steinplinthe unter das Fundament. Dieser Eingriff hob die Bronzefigur an und brachte ihre Wirkung auf der baumbestandenen Flaniermeile endlich ins optische Gleichgewicht.
FAQ
Wer war Josep Anselm Clavé?
Josep Anselm Clavé i Camps war ein katalanischer Komponist, Dichter und republikanischer Politiker des 19. Jahrhunderts. 1850 gründete er Spaniens ersten weltlichen Arbeiterchor, um Fabrikarbeitern kulturelle Bildung und gelebte Solidarität zu ermöglichen.
Wer hat das Denkmal für Josep Anselm Clavé geschaffen?
Das Denkmal entstand als Gemeinschaftswerk des Bildhauers Manuel Fuxà i Leal, der die Bronzestatue schuf, und des Architekten Josep Vilaseca i Casanovas, der den kunstvoll verzierten Steinsockel entwarf.
Wo steht das Denkmal heute?
Das Denkmal steht auf der Flaniermeile des Passeig de Sant Joan zwischen Carrer de Sant Antoni Maria Claret und Travessera de Gràcia im Barceloneser Viertel Camp d’en Grassot i Gràcia Nova.
Warum erhielt das Denkmal 1956 eine zusätzliche Steinplinthe?
Als das Monument 1888 enthüllt wurde, spottete das Publikum über die kopflastige Wirkung. Beim Umzug an den Passeig de Sant Joan im Jahr 1956 fügten Steinmetze daher eine zusätzliche Steinplinthe unter dem Sockel ein, um die Statue höher zu setzen und ihre optischen Proportionen auszugleichen.
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