Avenyn: Göteborgs große Prachtstraße
Die Kungsportsavenyen, von den Einheimischen schlicht „Avenyn“ genannt, ist Göteborgs Prachtstraße schlechthin. Gesäumt von belebten Straßencafés, klassizistischen Fassaden und pulsierendem Stadtleben bildet dieser Boulevard die wichtigste Einkaufs-, Ausgeh- und Kulturader der Stadt. Er schlägt die städtebauliche Brücke zwischen dem holländisch geprägten Kanalnetz des 17. Jahrhunderts und den späteren Erweiterungsvierteln Lorensberg und Vasastaden aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
Eine Vision von Größe im 19. Jahrhundert
In den 1860er-Jahren angelegt, sollte die Avenyn das Herzstück der Göteborger Stadterweiterung jenseits der geschleiften Festungswälle und Gräben aus dem 17. Jahrhundert werden. Inspiriert von großen europäischen Prachtboulevards wie den Champs-Élysées, diente sie ursprünglich als exklusive Wohn- und Flaniermeile. Wohlhabende Kaufleute errichteten hier herrschaftliche Steinhäuser mit privaten, umzäunten Vorgärten, in denen sich die städtische Oberschicht traf und zeigte. Anlässlich der Göteborger Jubiläumsausstellung von 1923 wurde die Straße schließlich auf ihre heutige Gesamtlänge von rund 1.000 Metern verlängert. Den krönenden Abschluss am südlichen Ende bildete der Götaplatsen, ein monumentaler Platz im Stil des Nordischen Klassizismus.
Der Kampf um den Namen der Avenue
Der offizielle Name der Straße stand 1882 kurzzeitig auf der Kippe, als der Stadtrat beschloss, sie in das bürgerlich-schlichte „Kungsportsgatan“ (Königstorstraße) umzubenennen. Das rief sofortigen Protest der wohlhabenden Hauseigentümer auf den Plan. Sie wollten das enorme soziale Prestige des französisch angehauchten Worts „Avenue“ um keinen Preis aufgeben und erreichten per Petition schon nach wenigen Monaten, dass der Stadtrat klein beigab.
Lebendiges Treiben und architektonische Höhepunkte
Heute ist die Avenyn ein lebhafter, 40 Meter breiter Prachtstreifen, über den neben dichtem Fußgängerverkehr auch wichtige Straßenbahn- und Buslinien rollen. Dank ihrer großzügigen, 10 bis 15 Meter breiten Gehwege wirkt die Straße bemerkenswert weit und luftig. Auch wenn fast alle privaten Vorgärten aus dem 19. Jahrhundert den Modernisierungen der 1970er-Jahre zum Opfer fielen und gepflastert wurden, lässt sich an der Hausnummer Kungsportsavenyen 1 noch ein seltenes erhaltenes Exemplar der ursprünglichen Anlage mit Zaun bestaunen.
Die Straße steigt sanft an und eröffnet so eine freie Sichtachse hinauf zum Götaplatsen. Auf diesem erhöht gelegenen Platz thronen das Kunstmuseum Göteborg, das Stadttheater und das Konzerthaus. Hier wacht auch Carl Milles’ Poseidon-Brunnen aus dem Jahr 1931. Der Stadtlegende nach beschwerten sich die Göteborger über die allzu freizügige Anatomie der Statue. Daraufhin platzierte der Bildhauer kurzerhand einen Fisch in Poseidons Hand, der von den Stufen des Konzerthauses aus für eine pikante optische Täuschung sorgt.
FAQ
Wie lang ist die Kungsportsavenyen?
Der Boulevard erstreckt sich über rund 840 bis 1.000 Meter vom Festungsgraben an der Kungsportsbron bis zum erhöht gelegenen Götaplatsen.
Warum sind die Gehwege auf der Avenyn so breit?
Die 10 bis 15 Meter breiten Gehwege entstanden, weil die meisten privaten Vorgärten aus dem 19. Jahrhundert bei der Modernisierung der Straße in den 1970er-Jahren gepflastert wurden.
Welche Gebäude befinden sich am Götaplatsen?
Der Götaplatsen ist ein Kulturzentrum am Ende der Avenyn. Hier befinden sich das Kunstmuseum Göteborg, das Stadttheater, das Konzerthaus sowie der berühmte Poseidon-Brunnen.
